1964 drehte Sergio Leone Für eine Handvoll Dollar, Mohammed Ali verdrosch Sonny Liston und Luigi Brezza stellte seinen Weingarten als erster italienischer Weinbauer auf biodynamische Bewirtschaftung um. Zertifiziert ist er seit 1971. Damit dürfte er nicht nur in Italien, sondern in der ganzen Welt die Nase ziemlich weit vorne haben. Mit der Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung veränderte er gleichzeitig die ganze Konzeption des Weinguts.

Die einstige Monokultur in den Hügeln des Monferrato Casale (einer ziemlich menschenleeren, kaum touristischen, wilden und schönen Gegend) ist seit langem eine in sich geschlossene Landwirtschaft, in der neben Trauben auch noch Gerste geerntet werden und zudem 30 Kühe umfasst, die nicht nur ihren Part in der Bereitstellung biodynamischer Präparate und Dünger spielen, sondern auch noch die Milch für diverse Käsespielarten liefern. Luigi bahnte zudem den Weg für viele andere Weinbauern, unter ihnen Stefano Bellotti, die vielleicht prägendste Figur unter den Biodynamikern Italiens.

50 Jahre nach Luigis Pionierleistung ist es heute sein Sohn Francesco, der seine Gedanken und Intentionen mit der gleichen Akribie weiterverfolgt. Dabei stehen ihm insgesamt 12 Hektar Weingärten zur Verfügung, die überwiegend in Ton und Kalk wurzeln – allen voran Barbera aber auch Grignolino und Freisa, zwei Sorten, deren Namen wenig bekannt sind, die jedoch gerade in dieser Ecke eine lange Tradition und Reputation genießen. Daraus keltert er extrem dynamische und saftige Weine – allesamt reinsortig mit der gloriosen Ausnahme eines trinkigen und vitalen Vino Rosso, den es lediglich im Doppelliter gibt und den er zu einem extrem kulanten Preis vor allem in der Nachbarschaft vertreibt.

Francesco Brezzas Weine stehen – mit Ausnahme der Barbera Riserva, die das Schicksal so vieler Riservas teilt und etwas überambitioniert (zuviel Frucht, zu intensiv, zu viel Kraft) – paradigmatisch für einen Ansatz, dem vor allem Bekömmlichkeit und Trinkfluss wichtig sind. Sie allerdings darauf zu beschränken wird den Weinen beim besten Willen nicht gerecht – wobei Trinkfluss und Bekömmlichkeit Kriterien beinhalten, die zu den wichtigsten qualitativen Aspekten in der Weinbeurteilung gehören: Balance beispielsweise oder Lebendigkeit, Eleganz, Frische & Spannung… all diese Elemente finden sich in den Weinen, sei es nun sein einfacher Vino Rosso (einzig im Doppelliter abgefüllt und für all jene vinifiziert, die zu jedem Essen ein ehrliches Glas Wein trinken wollen ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen. Ehrlich bedeutet in diesem Fall auch, dass der Wein – obwohl leistbar für jeden – ohne Zusatzstoffe und lediglich mit ein wenig Schwefel vor der Füllung produziert wird (also ziemlich genau das Gegenteil von dem darstellt, was einem sonst so als ehrlicher Wein untergejubelt wird).

Liest man sich ein wenig durch die Kostnotizen anderer Weintrinker/führer, ist es vor allem der Grignolino, der sich die meisten Lorbeeren abholt. Der ist kühl, würzig, balsamisch und elegant, doch kann er – meiner Ansicht nach – nicht ganz den extrem nachhaltigen Energielevel des Freisa und Barbera (klassisch) halten. Jenseits erdiger und vor allem rotbeeriger Aromen baut sich bei beiden Weinen eine Spannung und Dynamik auf, die den Wein nicht nur vertikal und ohne Kompromisse über den Gaumen trägt sondern dort auch verharrt – und zwar so lange bis man den nächsten Schluck nimmt, weil man unbedingt verifizieren will, was man da gerade erlebt hat.

Sämtliche Weine werden spontan in großen Holzfässern vergoren, haben relativ kurzen Maischekontakt (5-15 Tage, je nach Rebsorte) und werden danach in großen Holzfässern(Kastanie oder Eiche – je nach Sorte) für ca. 1 Jahr ausgebaut.

Die Preise sind mehr als fair.

Ich befürchte, dass man im deutschsprachigen Raum vergeblich nach Francescos Weinen sucht. Aber das kann sich ja ändern.

Wer mehr über handwerklich gefertigte italienische Weine erfahren will und dem Weinbauer den Vorzug vor der Weinindustrie gibt, kann sich gerne auf www.vinoeterra.com umschauen.

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