Quellen und Texte
Ithaka Journal, Biodiversität ist die Grundlage für Terroirqualität (Hans-Peter Schmidt)

Unter der Oberfläche liegen die Fundamente für kräftige und resistente Rebstöcke, gesunde Beeren und letztlich große Weine. Was sich im Boden abspielt, wird letztlich über der Oberfläche manifest und findet im Wein seinen finalen Ausdruck. Die Vernetzung sämtliche Einflussfaktoren ist dabei hochkomplex und doch ist ein gesundes Ökosystem leicht mit freiem Auge zu erkennen: ein reges Treiben über der Erde, eine Vielzahl an Bienen, Schmetterlingsarten oder Vögeln sowie ein opulentes und vor allem divergentes Pflanzenleben sind sichtbarer Beweis dafür.

Aktives Bodenleben hat freilich nicht nur eine ästhetische Dimension. Biodiversität sorgt für

– eine höhere Widerstandsfähigkeit der Rebe gegenüber Parasiten und Pathogenen

– eine intensiven Austausch mit Abermillionen Mikroorganismen im Boden (die „im Tausch gegen Kohlenhydrate wichtige mineralische Nährstoffe, Wasser und Schutz vor Parasiten erhält“, Ithaka Journal, Biodiversität ist die Grundlage für Terroirqualität)

– eine bessere Resistenz gegenüber negativen Umwelteinflüssen (Wasserstress aber auch ein Übermaß an Niederschlag)

– eine höhere Lebenserwartung der Rebstöcke (alte Rebstöcke sind oft Basis für noch differenziertere, terroirbetontere Weine)

– eine tiefere Verwurzelung und somit eine intensivere Bodenfauna, erhöhten Erosionsschutz und ein vielfältigeres Nährstoffsystem

Um eine verbesserte Bodenstruktur und ein regere Biodiversität zu kreieren stehen einige Mittel zur Verfügung, wobei sich zuerst die Absenz gewisser systemisch wirkender Mittel positiv bemerkbar macht, ergo: keine Pestizide, Biozide, Insektizide, Herbizide und Fungizide den Boden und sein Bewohner gekillt und verdichtet haben.

Zudem ist es wesentlich, dass neben der Rebe eine Vielzahl weiterer Pflanzen den Boden beleben und für einen steten Nachschub an organischer Materie sorgen. Positive Aspekte, die sich daraus ergeben sind ein eigenständiger Humusaufbau, Speicherung mineralischer Nährstoffe durch Symbiosen mit Bakterien und Mykorrhizen, erhöhtes Wasserspeichervermögen, eine verbessere Adsorption toxischer Bodenstoffe und eine verbesserte Nährstoffverteilung (siehe Ithaka). Zudem finden potenzielle Schädlinge eine Vielzahl an Konkurrenten vor, ihre Ausbreitung wird also auf natürliche Weise gebremst.

Als Winzer hat man nun die Möglichkeit auf bestimmte Saatmischungen zurückzugreifen oder aber einfach darauf zu vertrauen, was in der näheren Umgebung ohnehin wächst. Beides hat seine Vorteile. Kann man durch Saatmischungen Wuchskraft und Wurzeltiefe steuern, ist das Vertrauen in die Pflanzenwelt der Umgebung ein Tribut an die Authentizät der natürlichen Vielfalt des Weinbergs.

Weitere Optionen die Biodiversität im Weingarten zu erhöhen bestehen darin, an geeigneten Orten Sträucher, Hecken und den gelegentlich Obstbaum zu setzen (oder stehen zu lassen), um somit ein geeignetes ökologisches Habitat für Nützlinge zu schaffen (jeweils mit dem bewussten Blick auf das vorgegebene Umfeld des Weinbergs).

Fakt ist, dass durch die Förderung eines belebten Ökosystems das Terroir des Rebstocks ausgeglichener, resistenter und vitaler wird. Diese Eigenschaften kommen letztlich nicht nur dem Rebstock und den Trauben zugute, vielmehr auch dem darin arbeitenden Winzer und schlussendlich auch dem Wein und seinen Konsumenten.