Wein ist und bleibt ein Kulturprodukt!

Der Mensch spielt im Weingarten stets eine Rolle, doch kann er sie, genauso wie im richtigen Leben überinterpretieren. Rein theoretisch ist es natürlich möglich von der ersten bis zur letzten Sekunden, Rebstock, Boden, Trauben, Most, Wein etc. zu manipulieren und zu drangsalieren – einzig mit dem Wetter tut man sich, in hiesigen Breiten zumindest, etwas schwer. Man hat aber auch die Möglichkeit ganz dezente allerdings entscheidende Schritte zu setzen. Das Ziel ist es dann, dem Rebstock und später auch dem Wein eine kleine aber nicht unwesentliche Hilfestellung zu leisten.

Das beginnt beim Rebschnitt: die Varianten dafür sind vielfältig, schneiden muss allerdings jeder (auch wenn es sich um Minimalschnitte handelt) und oftmals ist der Rebschnitt einer der nachhaltigsten und wichtigsten Kriterien im Zyklus eines Weinjahres.

Düngen wiederum ist keineswegs zwingend, hier scheiden sich die Geister (auch unter den Bio- und Naturweinwinzern) und auch die Böden und während die einen tonnenwiese Kompost und Kuhdung ausbringen, tun andere gar nichts.

Bodenbegrünung (ob Winter- oder Sommerbegrünung) ist ein nächster Schritt und während zumindest im mitteleuropäischen Raum Begrünungen bei Biowinzern zur Regel gehören, ist es keineswegs so, dass sie sich gleichen müssen. So setzen zwar die meisten Weinbauern auf diverse Begrünungsmischungen, es gibt aber auch andere die sich mit einer Spontanbegrünung (das was wächst, wächst) zufriedengeben.

Mähen ist dann ein nächster Schritt, der Einfluss auf das Bodenleben hat und gleiches gilt für Traktorfahrten durch die Weingärten, die naheliegenderweise den Boden zunehmend verdichten.

Reberziehung impliziert quasi den Einfluss der Winzer, und die Entscheidung, welche Erziehung man wählt, ist eine, die man die nächsten Jahrzehnte (Grüße aus dem richtigen Leben) zu verantworten hat. Und weil wir gerade beim Erziehen sind, Rebstöcke haben auch Unterlagsreben und ganz unterschiedliche Klone: auch sie müssen mit Bedacht gewählt werden, wenn ein Weingarten neu ausgepflanzt werden muss. Die Stockdichte ist dabei ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Das führt uns gleich weiter zum geplanten Ertrag, der auf einem Hektar ganz simpel zwischen 2000 und 20000 Kilo liegen mag (Naturweinwinzer arbeiten meist im untersten Bereich). Laubarbeiten im Sommer sind zwar nicht zwingend, doch gibt es kaum einen Weinbauern, der seine Laubwand ungehindert wuchern lässt.

Lesezeitpunkte müssen Jahr für Jahr aufs Neue fixiert werden, sind es doch alljährliche Wetterkapriolen, mit denen man sich (selbst dann wenn es ein klassischer Jahrgangsverlauf ist) immer wieder herumzuschlagen hat.

Und weil Krankheiten stets in einem Weingarten lauern, und zwar von März bis Oktober, muss man auch auf die entsprechend reagieren.

Diese Liste ist natürlich extrem oberflächlich, sie will aber auch nur verdeutlichen, dass permanent Entscheidungen gefällt werden müssen. Auch von Bio- und Naturweinwinzern. Jede Entscheidung hat dabei elementare Auswirkungen auf das Endprodukt.

Wichtig ist jedoch, dass man sich in gesunden Weingärten mit minimalen Eingriffen begnügen kann. Dafür bedarf es natürlich einer eminenten Kenntnis jedes einzelnen Rebstocks, eine fortwährende Bereitschaft ihn immer besser kennenzulernen (Ewald Tscheppe, eine der radikalsten Nichtinterventionisten z.B. meint, dass er in der Kenntnis seiner Weingärten erst am Anfang steht – und er weiß wirklich viel) ihn ständig zu beobachten und in das Gesamtgefüge seiner Umgebung entsprechend einzubetten.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich glaube, dass zum einen die Arbeit der sogenannten Nichtstuer maßlos unterschätzt wird (doch davon im Detail ein andermal) und zum anderen, weil ich der Meinung bin, dass der so gern verwendetet Begriff des Terroirs an vorderster Stelle (und das trifft auch und vor allem die Biowinzer) die Weinbauern nennen sollte. Sie sind es nämlich, die dem Terroir erst seinen Sinn verleihen, indem sie den gegeben Umständen entsprechend Weine kreieren, die als Spiegelbild ihrer Umgebung repräsentativ sind.