2014-11-22 12.29.39

IN Michaels Keller

Michael Andert: Ruländer 2012

Lage/Böden: Pamhagen
Rebsorte: 
Ruländer = Grauburgunder
Mazeration:
 5 Tage
Hefen:
wilde
Gärung:
ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: 
große gebrauchte Holzfässer
Schönung:
nein
SO₂ total:
wenig
Gefiltert:
nein

Dichtung: Einer der ganz großen maischevergorenen Weine aus weißen Trauben. Druckvoll, dicht, saftig, individuell, lebendig, dynamisch, konzentriert, kompakt und bekömmlich. Kraftvoll und tief. Kräuter, Erde und reife gelbe Frucht. Herbstassoziationen. Ein Wein über den man eigentlich keine Worte verlieren müsste (und es dann doch völlig unzureichend tut), außer dass er sich in jedem Keller gut machen würde. Dort kann man ihn auch vergessen. Das hätte vermutlich den Vorteil, dass die Textur ihn noch ein Tick cremiger werden und die Aromen noch subtiler und originärer machen würde allerdings aber auch den Nachteil, dass der Gerbstoffkick draufgehen würde, der ihn so zielsicher in Richtung Gaumen befördert. Es liegt also die Empfehlung nahe, sich möglichst einen Karton einzubunkern und den sukzessive plattzumachen.

Wahrheit: Grauburgunder alias Ruländer alias Pinot Grigio/Gris & Sivi Pinot ist in allen Sprachen eine tolle Sorte, sofern man Lust hat sie reif und spät zu lesen. Dass man ihn vorzugsweise ausreißt, mag damit zu tun haben, dass man das eben lange Zeit nicht getan hat und dadurch das Konsumeninteresse sich langsam Richtung 0 verschoben hat. In den wenigen verbliebenen Grauburgunderenklaven (Heinrich, Tauss, Wenzel) keltert man dafür umso großartigere Weine und hat dabei auch sukzessive seine Empfänglichkeit für ausgedehnte Maischestandzeiten entdeckt, die zusätzliche Tiefe bringt und das notorische Säureproblem der Sorte mit Gerbstoff kompensiert.

Bei Michael Andert sind es fünf Tage, die der Wein auf der Maische verbringt (er hat einen zweiten Weißwein, dem er 41 Tage gönnt) und da die Temperaturen nicht kontrolliert werden und folglich doch relativ warm sind, wird der größte Teil der Farbstoffe, Phenole, Aromen, Säuren und Extrakte und was sonst noch in der Traubenhaut sitzt, extrahiert. Danach geht es für ein gutes Jahr ins gebrauchte Holzfass und abgesehen von einer minimalen Schwefelung vor der Flaschenfüllung passiert nichts weiter.