Cold Facts:

Lage/Böden: karstige, kalkige Böden
Rebsorte: Primitivo
Mazeration: ja
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: im Stahl 
Schönung: nein
SO₂ total: < 30mg/l
Gefiltert: nein
Dichtung: ein Gegenentwurf zu klassischen Primitivowelten. Und was für einer. Struktur, Säure und Frische dominieren den Wein, kein schlappes, zerkochtes Dörrobst, vielmehr saftige dunkle Fruchtaromen und ordentlich Pfeffer. Kräuter in der Nase und am Gaumen. Druckvoll vom Anfang bis zum Ende. An Alkohol mangelt es nicht (14%-14,5%, doch ist der bestens gepuffert) Ein Bruch mit Erwartungshaltungen, doch einer den man unbedingt probieren sollte.

 

Wahrheit: Diesen Sommer (2015) vor Ort gelernt: Primitivo ≠Primitivo. Warum auch. In Apulien gibt es genauso klimatische, geologische, pedologische, topographische und was sonst noch für Unterschiede, die sich entsprechend im Wein bemerkbar machen. In Österreich, Deutschland und selbst in Italien kennt man (leider) vor allem die Beispiele aus Manduria (auf quasi ZERO Meter, nahe am Meer, heiß), die schwer und überladen, jeden Schluck zur Tortur werden lassen – der erste ist erschlagend, nach dem fünften hängt man in den Seilen, nach dem siebten liegt man am Boden, nach dem zehnten im Koma.
Primitivo aus Gioia del Colle dagegen basiert auf anderen natürlichen Voraussetzungen und auch wenn es nicht viele Winzer schaffen die Essenz des Ortes (Weingärten bis zu 500 Meter, karge, karstige Kalkböden und Nächte, die selbst im Hochsommer so frisch sind, dass man eine Decke braucht) einzufangen, gibt es doch ein paar phänomenale Beispiele dafür, wie gut Primitivo sein kann. Cristiano Guttarolos Lamie delle Vigne gehört dazu. Der Weingarten ist gut 30 Jahre alt, seit langem biologisch bewirtschaftet und hat – das ist ganz entscheidend – selbst in heißen Jahren niedrige pH-Werte und folglich ausreichend Struktur und Säure. Der Ertrag ist mit 2000-4000 Kilo/ha extrem niedrig; ausgebaut wird der Lamie delle Vigne im Stahl, danach verbringt er weitere Monate in der Flasche. Gefiltert und geschönt wird nicht, geschwefelt erst am Ende und zwar in minimalen Mengen (weniger als 30mg/l Gesamt)