Cold Facts:

Lage/Böden: sandig, Mergel
Rebsorte: Nerello Mascalese
Mazeration: ja
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in 600-Liter Holzfässern
Schönung: nein
SO₂ total
Gefiltert: nein

Dichtung: Kräuter und zwar eine ganze Menge und eine Handvoll roter Beeren – dass sich zwischendurch steinige Aromen dazumischen, nimmt man gerne in Kauf und eigentlich auch die 14,5% Alkohol. Das ist ganz sicher nicht zu knapp und ein Tick weniger wäre eventuell kein Nachteil gewesen. Aber zum einen sind wir in Sizilien zum anderen kann man sich ja gelegentlich auch damit helfen, dass man den Wein nicht bei der Zimmertemperatur des 21.Jahrhunderts (24°C), sondern bei der des, sagen wir 11. Jahrhunderts (15°C) trinkt. Dann kommt auch die Klarheit der Frucht und die Kräutervielfalt besser zum Ausdruck, und der Wein wirkt balanciert und ausgewogen.

 

 

Wahrheit: Würde man mich 10 rote Rebsorten auswählen lassen, die mich für den Rest meines Lebens begleiten dürfen (müssen), Nerello Mascalese wäre auf jeden Fall mit von der Partie. Beheimatet ist die Sorte ursprünglich am Ätna und was unter dem Vulkan daraus gekeltert wird, hätte selbst den tequilageeichten Albert Finney im gleichnamigen (und großartigen) Film zum Wein konvertieren lassen. Nun stellt sich vor allem die Frage ob die Aromen, die Struktur, die Lebendigkeit und Komplexität eher der Sorte oder dem speziellen Terroir des Ätna geschuldet ist und die Antwort ist wohl ein sowohl als auch. Francesco Guccione keltert Nerello Mascalese auf der anderen Seite der Insel aus Rebstöcken, die sein Großvater von den Hängen des Vulkans mitgebracht hat und mit denen er einen Kontrapunkt zum ewigen Nero d´Avola setzen wollte. Francescos Version ist brillant, auch wenn ihm die salzigen und rauchigen Noten des vulkanischen Terroirs abgehen. Francesco arbeitet biodynamisch, die Erträge sind minimal, die Interventionen im Keller ebenfalls. Er filtert nicht, schönt nicht, schwefelt kaum und baut seine Nerello-Version in großen Holzfässern aus.