Cold Facts:
Lage/Böden
Rebsorte: Zweigelt
Mazeration: ja
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in gebrauchten Barriques 
Schönung: nein
SO₂ total: kein zugesetztes SO
Gefiltert: nein
Dichtung: „Der Wein hat mehr Trinkfluss als ein Bier am Strand“, meinte ein Freund, der es wissen muss. Der Minimal ist animierend, aromatisch, lebendig, frisch, saftig, samtig, klar und präzis und wenn man nicht aufpasst, ist die Flasche so schnell weg, dass man ihre immanente Komplexität erst dann wahrnimmt, wenn es zu spät ist. Was schade wäre, reden doch neben all den genannten Attributen auch noch Kirschen, Laub, Erde und eine Menge Pfeffer ein paar Wörter mit.

 

Wahrheit: Bedarf es eines Beweises, dass 2010 ein großer Rotweinjahrgang war? Und Zweigelt in den richtigen Händen eine Sorte ist, die es nicht nur farblich sondern auch sensorisch mit Syrah aufnehmen kann? Wenn ja, dann sollte man sich eine Flasche Zweigelt Minimal vorknöpfen. Die richtigen Hände gehören zu Niki Moser, vergoren wurde der Zweigelt  unter einem wolkenverhangenen burgenländischen Himmel im Oktober 2010. Die wesentlichen Entscheidungen wurden allerdings davor getroffen und dürften mit einer radikalen Selektion und einer ziemlich schlanken Laubwand zwar nicht ausreichend erklärt sein, doch sind damit zumindest wesentlich Punkte gestreift. Beide Maßnahmen lassen kühle und feuchte Bedingungen vermuten und in Wirklichkeit war es noch kühler und feuchter. Dass wird nun generell als mäßig ideal  für Rotweine dargestellt, wobei das zum einen sicher richtig, zum anderen aber auch bedingt falsch ist. Sicher richtig ist, dass es – möchte man das Niveau hoch halten – zu ordentlich Mengeneinbußen kommt und die nimmt kein Winzer gern in Kauf; bedingt falsch ist, dass es deswegen an Substanz und Tiefe im Wein fehlen muss. Hier kommen die richtigen Hände ins Spiel.
Fakt ist, dass 2010 keine wuchtigen und ausladenden Rotweine in die Flasche kamen. Wer lieber Rubens trinkt als Giotto, sollte also lieber auf 2011 oder 2009 zurückgreifen. Wer allerdings auch mal geradlinigen, filigranen & präzisen Motiven was abgewinnen kann, sollte mit dem Jahrgang 2010 und vor allem mit dem Minimal, sein Glück finden. Der Name Minimal hat nichts mit der Arbeit im Weingarten zu tun (im Gegenteil), vielmehr mit den Eingriffen im Keller. Niki M. vergärt spontan, verfrachtet den Wein danach in gebrauchtes Holz, schönt nicht, filtert nicht und wenn es das Jahr zulässt, dann schwefelt er auch nicht.