Dichtung: Veilchen werden von Laub und Erde überdeckt (wie im richtigen Wald), von Kräutern und Pilzen begleitet, dazu kommen (und sie ziehen sich bis zum Gaumen) feine Weichselaromen; stets auf der eleganten Seite, tiefgründig wie seine 50 Jahre alte Wurzeln und mindestens so lang, saftig, mineralisch, salzig, großartig

Wahrheit: Eines der beeindruckendsten Erlebnisse der letzten Wochen war es mal wieder ein paar Nebbioli zu verkosten und an vorderster Stelle – also die beeindruckendste von allen – waren definitiv diejenigen von Guiseppe Rinaldi. Rinaldis zu Hause ist kurz nach Barolo auf dem Weg hinüber nach Monforte und zu seinen Top-Lagen zählen Brunate und Cannubi. Die Vinifizierung ist in jeder Hinsicht klassisch – die Weine werden spontanvergoren, lange mazeriert und landen dann für ein paar Jahre in großen slawonischen also kroatischen Holzfässern und all das weist schon mal darauf hin, dass es sich um Langstreckenläufer handelt und nicht um knackige Sprinter (die verkosteten Weine zeigten also neben großer Klasse einfach auch nur angedeutet ihr Potenzial). Knackig sind dann freilich der Gerbstoff und die Säure.

 

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