Cold Facts

Dichtung: Kein Wein für bambini. Schon die Farbe ist dunkel wie der Grundlsee und in der Nase wechselt die Farbe kaum, schwarze Kirschen, Lakritze, Rauch, Tannenzapfen und Pfeffer sorgen für dunkle Aromen allerdings keineswegs für dunkle Gedanken. Im Mund wird es dann wirklich hardcore: wunderbare, engmaschige aber schon sehr präsente Tannine geben den Takt vor, Kräuternoten, Waldboden und Waldbeeren komplettieren das Opus. Brilliant, vor allem dann, wenn man mit Holzkohlen und Fleisch hantiert.

Wahrheit: Dolcetto ist eines der Stiefkinder der italienischen Rotweinwelten. Nicht ganz zu Unrecht, es gibt viel zu viel Schrott davon. Völlig zu Unrecht, wenn man so fulminante Beispiele wie den Pratoasciutto im Glas hat. Der Wein wird in alten Bütten ausgebaut, davor mit den eigenen Hefen vergoren, die Mazerationszeit ist lang (40 Tage), die Lese manuell und die Arbeit im Weingarten auf minimale Erträge (2500kg/ha) ausgerichtet. Schwefel sieht der Wein nur in mikroskopischen Mengen, ein Filterblatt gar nicht.