Cold Facts:

Lage/Böden: Opok
Rebsorte: Sauvignon (80%), Morillon (20%)
Mazeration: ja (sechs bis acht Monate)
Hefen: wilde
Gärung: ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: in gebrauchtem Holz
Schönung: nein
SO₂ total: 17 mg/l
Gefiltert: nein

Dichtung: Kräuter, Kalk, Laub, Orangen und noch eine ganze Latte mehr. Die Erde ist fast so komplex wie der Planet, in dem sie wurzelt, eine sensorische Herausforderung, die am Gaumen um keine Spur einfacher wird. Macht nichts. Im Gegenteil. Muss ja nicht alles leicht zu verstehen sein. Wobei es natürlich trotzdem so ist, dass die Erde ordentlich Trinkfluss hat und so bekömmlich ist wie man sich die andere Erde wünscht. Körper, Substanz, Kompaktheit, Gerbstoff, Säure und Aromen – in der Jugend mag das alles bisweilen noch ein wenig nebeneinander stehen (subtil, puristisch, filigran und lebendig  ist sie dabei allemal), reift die Erde allerdings erstmal, gibt es wenig Weine (auf der Erde), die ihr Paroli bieten können. Wer wissen will, was Orange Wine ausmacht, sollte zumindest einmal die ERDE trinken.

 

 

Wahrheit: Die Basis der Erde bilden 80% Sauvignon und 20 Morillon (und nicht 75% Wasser und ein paar Kontinente), wobei das eigentlich nicht so wichtig ist. Sepp Musters Erde ist ein Wein der Extreme auslotet. Das Rebmaterial stammt vom Schlossberg, Musters großartiger Großlage, der Untergrund dürfte wohl Opok sein, die Bewirtschaftung ist biodynamisch. Soweit, so gut. Im Keller wird angequetscht und dann mit allem Drum und Dran (Kämmen, ganze Trauben)  vergoren. Ist die Gärung erstmal abgeschlossen, passiert eigentlich gar nichts. Muster presst nicht, er wartet. Sechs bis acht Monate ist der Wein mit der Maische in Kontakt, danach wird er abgezogen und verbringt ein paar Jahre im Holzfass. Schenkt man sich die Erde dann ein (möglichst nach mehrstündigem Dekantieren oder nach tagelanger dezenter Belüftung), hat man zwei Möglichkeiten. Man kann sie einfach trinken (sehr empfehlenswert), man kann sie aber auch kosten und über sie reden – das lohnt sich auch und kann durchaus einen Abend füllen – letztlich wird einem hier die Quintessenz eines orangen Weins vor die Nase und die Augen gesetzt und alljene, die meinen, dass orange Weine nichts von ihrer Herkunft erzählen, können anhand dieses Weins nochmals über dieses dumpfe Vorurteil nachdenken.