Cold Facts:

Lage/Böden: Opok (Kalkmergel) und Ton
Rebsorte: 
Gelber Muskateller
Mazeration: 
nein
Hefen: 
wilde
Gärung: 
ohne Temperaturkontrolle
Ausbau: 
über eineinhalb bis zwei Jahre in großen Holzfässern
Schönung: 
nein
SO
total: < 30mg/l
Gefiltert: 
nein
Alkohol: 
12,5%

Dichtung: Salz und frisches Steinobst, Kräuter und Kalk bleiben am Gaumen hängen und erweitern damit das gewohnte Muskatellerspektrum um vier neue Komponenten. Am wichtigsten scheint mir freilich die immense Dezenz, mit der sich hier Aromen dem Rampenlicht verweigern. Dafür ist alles in subtiler Balance und das trifft dann auch auf die Zusammenhänge im Mund zu. Die Säure ist lebendig, feiner Gerbstoff stützt, der Körper ist kompakt, saftig und nie ausladend, das Finale dicht und steinig. 

 

Wahrheit: Muskateller macht leider jeder. Zumindest in der Steiermark und in der Zwischenzeit auch in Niederösterreich, wobei mir generell  die niederösterreichischen Versionen lieber sind – es gibt ein paar wirklich einwandfreie Muskateller im Spitzer Graben, die eher Kühle und Steine als das klassische Aromensammelsurium vermitteln. Zwei phänomenale steirische Versionen gibt es allerdings schon auch: Andreas Tscheppe maischevergorener Muskateller und Sepp Musters Muskateller vom Opok: letzterer demonstriert vor allem wie zurückhaltend Muskateller sein kann, einer Rebsorte, der man rund um den Globus alles, nur nicht Subtilität unterstellen kann – weshalb man prinzipiell auch nicht gleich zum Raunzen anfangen muss: von Elsässer Muscats reicht dann halt auch ein Glas und die ganzen edelsüssen Variationen kann man bestens schluckweise mit Käse kombinieren. Will man Muskateller freilich glas- und flaschenweise trinken, wird es eng. Generell setzt man dann auf ein zuviel an Exotik und ein Zuwenig an Körper, auf einen Blumenstrauß an Gerüchen (aaargh) verbunden mit zitroniger Säure (aaargh) mit dem Ziel, dass alles frisch und lebendig schmecken soll und doch eigentlich nur unreif und unrund wirkt. Balancen sind das Um-und-Auf guter Muskateller und dazu gehört es wohl auch den perfekten Lesezeitpunkt auf den richtigen Böden zu finden. Biodynamische Bearbeitung ist sicher auch kein Nachteil, Handlese ebensowenig. Der Rest ist so wie immer bei Sepp Musters Weinen: quasi interventionsfrei, spontanvergoren, minimalgeschwefelt und über gut zwei Jahre in gebrauchten Holz gereift.