Weinverkostungen im größeren Rahmen machen selten viel Spaß. Meistens ist es wahnsinnig voll, was prinzipiell natürlich gut ist, eng, laut und heiß und die Lust, sich durch die unzähligen spannenden Sachen durchzuprobieren, sinkt mit jedem Schweißtropfen, der ins Glas fällt.

Die LIVE WINE in Mailand bildet eine großartige Ausnahme, was vor allem am Veranstaltungsort liegt: der alte Eispalast, eine in den 20 Jahren gebaute Konstruktion im Libertystil gibt nicht nur ästhetisch eine Menge her, er ist auch riesig, was letztlich wiederum den Winzern wie Weintrinkern zu Gute kommt. Man trinkt und unterhält sich in Ruhe und hat alle Möglichkeiten neuen Weinen, Rebsorten, Regionen und Winzern auf die Spur zu kommen.

Daniele Ricci: Timorasso

Daniele Ricci: Timorasso

Daniele Ricci keltert beispielsweise fünf verschiedene Timorasso in den Colli Tortonesi: kompromisslose Interpretation, die dem Wesen der Sorte wie auch der Böden auf den Grund gehen, wobei beides – wie es bei großen Weinen meistens der Fall ist – Hand in Hand gehen. Timorasso ist in mehrfacher Hinsicht keine einfache Sorte: die Winzer kämpfen mit ihr, da sie aufgrund unterschiedlichster Beerengrößen unregelmäßig reift und ihre Haut dünn und folglich nicht allzu widerstandsfähig gegenüber die Machenschaften des Wetters und der Pilze sind. Daneben stellt sie auch den Konsumenten vor eine Herausforderung, die man aber – gerade, wenn es um Daniele Riccis Versionen geht – unbedingt annehmen sollte. Die Säure ist hoch, der Körper schlank und elegant, die Textur delikat und die Aromen zurückhaltend. Sowohl beim San Leto wie auch beim Terre di Timorasso prägen vor allem weiße Blüten, Kräuter und ein wenig Steinobst, während reifere Varianten erstaunlicherweise auch noch Petrolnoten an den Tag legen. Wer Danieles Weine mit Riesling verwechselt, macht keinen Fehler, wobei die Art der Säure eine andere und die Frucht zurückhaltender ist. Das Reifepotenzial scheint dagegen ähnlich zu sein und wer irgendwann in die Gegend um Alessandria kommt, sollte unbedingt einen Abstecher in die Colli Tortonesi machen und sich mit ein paar Exemplaren versorgen. Daniele keltert übrigens auch noch einen exzellenten reinsortigen Croatina, kräuterig, rotbeerig, erdig, saftig, kompakt und druckvoll, der – weil wir gerade bei Vergleichen sind – erstaunlich an die besten Cabernet Franc Versionen von der Loire erinnern.

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Die Kmetija Stekar braucht keinen Timorasso, sie hat Riesling. Das ist in der slowenischen Brda zwar ungewöhnlich aber wenn man ihn so macht wie Tamara Lukman und Jakob Stekar kein Nachteil. Die beiden wissen um die klimatischen Unterschiede zu den Rieslingepizentren in Deutschland und Österreich, weshalb sie erst gar nicht probieren, deren Stilistik zu kopieren. Ihr Riesling wird auf der Maische vergoren, direkt nach der Gärung abgepresst und danach verschwindet er für drei Jahre im Akazienfass und in der Flasche. Gefiltert wird genausowenig wie geschönt. Das SO2 liegt bei 13mg/l. Das Resultat ist zutiefst beeindruckend, weil voller reifer roter Beeren, Laub- und Kräuteraromen, kompakter Säure, lebendigem Gerbstoff, saftiger Konsistenz und bestem Trinkfluss. Jahrgang 2009 übrigens – Petrol sucht man vergebens. Pinot Draga (19 Tage auf der Maische, 36 Monate in Eichenfässern, Grauburgunder – ebenfalls rotbeerig, etwas ausladender und weicher) und  Rebula (26 Tage auf der Maische, 36 Monate in Akazienfässern: druckvoll, geradlinig, kompakt, präzis, Blüten, nussig) sollte man – wenn man denn irgendwie an die Flaschen kommt – auch unbedingt ausprobieren antabuse online canada.

Dva Duby - Tschechien

Dva Duby – Tschechien

Grünen Veltliner gab es in Mailand auch. Der war total beeindruckend, kraftvoll, strukturiert & dynamisch und erstaunlicherweise weder aus Österreich noch aus Südtirol sondern aus Tschechien, genauer aus Kolni Dounice, nahe Brünn. Dort betreibt Jiri Sebela sein Weingut Dva Duby und was er dort anbaut, hat zwar alles einen intensiven Bezug zu Österreich, ist aber auch schon lange in Tschechien beheimatet: neben dem absolut außergewöhnlichen Veltliner – der nach zwei Tagen Maischekontakt für zwei Jahre ins Holzfass wandert und dort in die dichte Struktur ein Spektrum an steinig-würzigen Aromen einbettet, die nie aufdringlich dafür subtil und vielschichtig daherkommen – sind das noch ein eleganter, erstaunlich weicher, samtiger und lebendiger Blaufränkisch und ein einigermaßen ungestümer, straffer, geradliniger und noch zu junger aber mit ordentlich Potenzial ausgestatteter St. Laurent. Alles toll, vor allem aber der Veltliner.

Der Rest war Italien und allen voran das Piemont. Im Monferrato passieren zurzeit wohl die spannendsten Sachen. Als Paradebeispiel dafür, was dort gerade los ist, kann bestens Auriel herhalten, das Weingut von Felice Cappa und Marta Peloso. Die beiden pflanzten ihre drei Hektar vor gerade einmal sieben Jahren aus und setzten dabei auf die Klassiker der Region, Grignolino und Barbera. Gearbeitet wurde von Anfang an biodynamisch, die Vinifikation startet mit wilden Hefen und ist auch ansonsten von einem Hands-Off-Motto geprägt. Ausgebaut wird über ein halbes Jahr in großen Holzfässern, die restliche Zeit (weitere zwei Jahre) reifen die Wein in der Flasche. Der Barbera entwickelt dabei ein Aromaspektrum, dass von Waldbeeren und Kirschen bis zu Pfeffer und Lakritze reicht. Der Körper ist saftig, kompakt und dicht, die Textur lebendig, die Säure – wie immer beim Barbera – animierend. Der Grignoloino ist noch einen Tick eleganter, die Aromen tendieren in eine florale Richtung, haben allerdings ebenfalls eine rotbeerige Basis. Ein Barbera Superiore fällt naheliegenderweise gewichtiger aus, wobei auch hier Trinkfluss und Vitalität im Vordergrund stehen.

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Die Weine von Guido Zampaglione (Tenuta Grillo) waren zwar kein Neuland, doch ist es immer wieder spannend seine kompromisslosen Dolcetto- und Barberaversionen zu probieren. Wer Angst vor Tanninen hat, sollte eventuell einen Bogen um seine Weine machen, wer allerdings wissen will, wie Wein schmeckt, wenn man alles aus seinen Beeren und Schalen rausextrahiert, sollte sich Pratoasciutto & Co. einfach mal vorknöpfen. Seine Rotweine haben, bevor sie das Licht des Marktes erblicken, mindestens 10 Kellerjahre hinter sich und sind trotzdem noch jung, frisch und fordernd wie am ersten Tag. Absolut beeindruckend und am zugänglichsten war der Pecoranera 2004 („das schwarze Schaf“). Die Rebsorte ist Freisa und was sich darin an Blütenaromen, Pfeffer und erdigen Noten findet, kann man ruhig als Antwort des Monferrato auf die großen Weine des Barolo akzeptieren.

Noch weniger Entdeckung dafür Bestätigung waren die Weine von Emidio Pepe, allen voran sein Pecorino, der seit 2013 das weiße Sortiment erweitert. Pecorino ist ein Klassiker der Abruzzen mit einer Säure, die jedem Riesling gut stehen würde. Ein dichter Körper fängt sie auf und zwischen diesem Ping Pong finden sich steinige und kräuterige Aromen, die sich bis zum Gaumen und ziemlich weit darüber hinaus ziehen. Pepes Weine sind generell Konzeptionen für die Zukunft, weshalb man gespannt sein kann, wie sich das alles entwickelt. Sein Montepulciano 2001 – stoffig, vital, komplex, erstaunlich aromatisch, weich, samtig und ebenfalls sehr lang – jedenfalls zeigte, dass 15 Jahre vermutlich genau die richtige Zeitspanne darstellen, um mit seinen Rotweinen so richtig Freude zu haben. Das strapaziert zwar die Geduld, ist aber jede Sekunde des Wartens wert.

Die Weine von Daniele Ricci, Stekar und Dva Duby gibt es zurzeit leider nirgendwo in Österreich oder Deutschland zu kaufen. Für Wiener ist Dva Duby immerhin in knapp einer Stunde mit dem Auto zu erreichen, für Kärntner ist Stekar um die Ecke.

Emidio Pepe gibt es in Österreich bei vinonudo und raw-selections, die Tenuta Grillo gibt es bei vinonudo.