Hätte sich Robert Parker 1982 Grignolino statt Chateau Latour eingeschenkt, die Weinwelt wäre heute eine andere. Er wäre vermutlich Jurist geblieben und hätte als letzte vinophile Handlung beim Konsumtenschutzverband des Alto Monferrato eine Petition mit der Aufforderung eingereicht, die Sorte entweder ausreißen zu lassen oder zumindest zweimal durch eine Osmosemaschine durchzujagen.

Man mag sich gar nicht vorstellen, was die wenigen Produzenten, die auch in den finsteren Zeiten der 1990er und frühen 2000er Jahre stur auf die Sorte setzten, an Schmähungen durchmachen mussten. Grignolino personifiziert ziemlich exakt das Gegenteil von dem, was damals (und heute: lassen wir die Kirche im Dorf) als elementar für große Rotweine erachtet wurde. Statt ebenholzschwarz, geschmeidig und samtig zu sein, war ihr selbst nach monatelanger Mazeration nicht mehr als ein leicht angedunkeltes Rosa zu entlocken. Mit neuem Holz brauchte man gar nicht erst anrücken und die Aromen deckten ein Spektrum ab, das lieber Blüten und weißen Pfeffer in den Vordergrund rückte als Heidelbeeren, Brombeeren, Schokolade, Zigarrenkisten und Vanilleschoten aus Madagaskar.

BEST OF GRIGNOLINO

Auriel (absolut brillant)
Cascina Tavjin (—-„—–)
Trinchero (—-„—–)
Tenuta Migliavacca (—-„—–)
Cantina Valpane
Tommaso Gallina
Cavalotto
Carussin

Rebfläche: 900ha

Anbaugebiet: Piemont, 2 DOC: Grignolino d’Asti, Grignolino del Monferrato

Tatsächlich hielt man die Sorte aufgrund all dieser Attribute für die Mutation einer weißen Sorte, was sich aber letztlich doch als PR-Gag des 19. Jahrhunderts erwies, als man Struktur, Trinkfluss und Finesse noch etwas abgewinnen konnte. Luigi Veronelli, der größte unter den vielen großen Kritikern Italiens, meinte sie wäre anarchistisch & individaulistisch. Als wäre das noch nicht genug, haben zudem findige Linguisten eruiert, dass sich Grignolino vom piemontesischen Dialektausdruck grignolè ableitet, was sich – eine onomatopoetische Referenz an die bisweilen knirschende Säure und krachenden Tannine – mit das Gesicht verziehen und mit den Zähne knirschen übersetzen lässt.

aurielUnd doch gibt es Leute, die Grignolino nicht nur mögen, sondern sie für eine der großen Unbekannten im italienischen Rebsortenuniversum halten; mich zum Beispiel, vor allem aber Ian d’Agata, dessen fulminantem Buch Native Wine Grapes of Italy essentielle Informationen zur Sorte entnommen sind.
Darin liest man beispielsweise, dass Grignolino im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde und damals auf der gleichen Stufe wie Nebbiolo stand, also ziemlich hoch oben. Im Laufe der Jahrhunderte räumte sie freilich ihren Platz im Olymp, was der Rebsorte insofern schlecht bekam, da sie einzig in exzellenten Lagen zeigt, was in ihr steckt. Die allerdings nahmen zunehmend andere Sorten ein und während Nebbiolo sukzessive zum Wein der Könige aufstieg, trat Grignolino zur gleichen Zeit den sozialen Abstieg in die Bauernhütten des Monferrato an. Dass man trotzdem an ihr festhielt, beweist gleich mehreres: zum einen, dass lokale Identitäten eine fundamentale Rolle im Weltbild italienischer Winzer spielen, zum anderen, dass vielen Winzern das Potenzial der Sorte bewusst war.  Zu guter Letzt passt Grignolino auch bestens zur lokalen Küche – vor allem Fisch, der im Piemont eine wesentliche wichtigere Rolle spielt als man gelegentlich annimmt.

Von einer Renaissance des Grignolino in den letzten 10 Jahren zu sprechen, wäre dennoch stark übertrieben, doch fällt auf, dass sich immer mehr exzellente Winzer mit der Sorte beschäftigen. In den richtigen Händen, vor allem jedoch in den richtigen Lagen (zu denen natürlich die richtigen Hände und Köpfe gehören, die sie dort hinsetzen) entwickelt Grignolino eine subtile, ausgewogene Textur, dessen feiner Körper unbeschwert und spielerisch Säure und Tannin integriert und neben Blütenaromen und Pfeffer, vor allem rote Beeren und je nach Terroir, steinige, kühle, erdige und salzige Details offeriert. Der Alkohol ist auch bei späten Lesen generell niedrig, das Reifepotenzial guter Grignolinos ist enorm.
Grignolino steht auch heute noch in deutlicher Opposition zu den üblichen Erwartungen, die an Rotweine gestellt werden. Sie bedarf erklärender Worte und manchmal auch einen Fürsprecher mit gewichtiger Stimme. Und so hilft die Tatsache, dass Jorge Bergoglio alias Papst Franziskus Grignolino zu seinen Lieblingssorten zählt, ganz sicher dessen Reputation zu steigern. Und das hoffentlich nicht nur in Argentinien und Polen.

Ein paar erklärende Worte können manchmal nicht schaden. Vor allem dann, wenn man es mit einer Region wie dem Valpolicella zu tun hat, dessen Reputation zum einen bestenfalls durchschnittlich ist, zum anderen aber eben auch phänomenal, je nachdem ob man es mit Valpolicella (dem Wein) oder mit Amarone oder Ripasso zu tun hat. Vor allem aber auch deswegen, weil das Valpolicella in sich extrem komplex ist: Vier Rebsorten (Corvina, Corvinone, Rondinella & Molinara), die fast immer im Kollektiv in den Wein einfließen, dazu noch eine Bandbreite an autochthonen Sorten (Oseleta, Dindarella, Spigamonte, Forseleta… insgesamt knapp 30), denen in den letzten Jahren wieder zunehmend Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Eine geographische Ausdehnung, die vor mehr als 5 Jahrzehnten die politischen Grenzen der Region verließ, und seit damals auch Hügel und Täler umfasst, die in einer fast 2000-jährigen Weingeschichte nie zum Valpolicella gehörten (die Kernzone wird heute als Valpolicella Classico bezeichnet). Ein Lagensammelsurium, das den wenigsten Weintrinkern jenseits der Region bewusst sein dürfte, das jedoch elementare geologische, topographische und klimatische Unterschiede aufweist. Und zu guter Letzt vier unterschiedliche Weinstile, die zudem von den Verwendung meist unterschiedlichster lokaler Holzarten zusätzlich geprägt ist.

Die Kernregion beginnt an der Peripherie Veronas und endet dort, wo die Hügel des Valpolicella langsam in die Monte Lessini übergehen. Im Westen trennt die Etsch die Region vom Bardolino, während im Osten das Valpolicella Classico in die erweiterte Zone des Valpolicella Orientale übergeht (dort gibt es ebenfalls eine Handvoll ordentlicher Winzer und Weine, doch davon eventuell ein andermal). Die Böden basieren in der Ebene auf Ton & Kalk, in den Hügeln und Hanglagen ist es neben Kalk vor allem Tuff. Entscheidend sind jenseits der geologischen Eigenheiten vor allem die Expositionen und die Höhenunterschiede. Verona liegt auf knapp hundert Meter, in Porta der neuen Lage von Monte dall’Ora – dem vielleicht besten Weingut der Region (ich kenne, so leid mir das tut, die Weine von Giuseppe Quintarelli nicht, was schlicht und einfach mit deren Preisen zu tun hat) befindet man sich bereits auf 550 Meter.

Abgesehen davon sind es allerdings vor allem die eigenwilligen Vinifizierungsmethoden, die dem Valpolicella eine Ausnahmeposition in Italien (und der Welt) garantieren. Nirgendwo sonst spielt man sich derart mit Trocknungsprozessen, nirgendwo sonst erzeugt man daraus eine derartige Vielfalt an unterschiedlichen Stilen. Dem klassischen Valpolicella kommt dabei die Rolle des frischen, leichten und lebendigen Weins zu, der leider viel zu selten ernst genommen wird und abgesehen von wenigen Ausnahmen (allen voran wiederum Monte dall’Ora mit dem Camporenzo, einer Einzellagenabfüllung aus den Hügeln um San Cariano) findet sich nicht viel erwähnenswertes. Generell verwendet man dafür die Trauben, die nicht in den Amarone fließen, wobei man davon ausgehen kann, dass so gut wie niemand Valpolicella produzieren würde, gebe es nicht eine alljährlich neu definierte Obergrenze für die Amaroneproduktion. Die Trauben für den Amarone (meist 60-80% Corvina und Corvinone, 15 % Rondinella und 5% einer anderen Sorte) werden stets vor dem Valpolicella und naheliegenderweise immer und ausnahmslos per Hand gelesen – verletzte Traubenschalen würden das appassimento, die Trocknung, verhindern).  Zum einen deswegen, weil man dadurch die besten Trauben aus den Weinbergen selektieren kann, zum anderen um durch entsprechende Säure und Finesse den Zucker zu puffern, der sich durch das zweimonatige Trocknen in den Beeren akkumuliert.

Die besten Winzer

Monte dall’Ora (BIO)
Novaia (BIO)
Monte Ragni (BIO)
Aldrighetti (BIO)
Monte Santoccio
Antolini
Begali

Die besten Weine aus dem Valpolicella Classico

Monte dall’Ora: Valpolicella Camporenzo
Monte dall’Ora: Valpolicella Ripasso Sausto
Monte dall’Ora: Amarone Stropa
Novaia: Valpolicella Classico Superiori I Cantoni
Novaia: Amarone Classico Corte Vaona
Novaia: Recioto „Vigneto Le Novaje“
Monte dei Ragni: Valpolicella Ripasso
Monte Santoccio: Valpolicella Ripasso
Monte Santoccio: Amarone
Antolini: Valpolicella Ripasso
Antolini: Amarone Moropio
Antolini: Recioto
Lorenzo Begali: Valpolicella Ripasso La Cengia
Lorenzo Begali: Amarone Ca‘ Bianca

Die Gärung startet im Allgemeinen Ende Dezember/Anfang Jänner, dauert für gewöhnlich einen Monat lang und endet dann, wenn die Hefen den kompletten Zucker in Alkohol verwandelt haben. Dass die Hefen dabei selbst 18% Alkohol wie nichts wegstecken, ist eine der erstaunlichen Phänomene des Amarone. Den Namen Amarone gibt es übrigens erst seit einem guten halben Jahrhundert, davor waren durchgegorene Weine aus getrockneten Trauben eher die Ausnahme und letztlich eines der vielen Nebenprodukte des Recioto – dem eigentlichen Klassiker aus der Region.

Recioto war der einst große Wein des Valpolicella und wenn man den Quellen glauben darf, kelterten schon die Römer einen Weinstil, der dem Recioto ganz ähnlich gewesen sein dürfte. Recioto beruht auf den gleichen Beeren wie Amarone, doch werden sie einen Monat länger getrocknet und letztlich als Süßwein auf den Markt gebracht. Er erinnert frappant an exzellente Vintage Ports, wobei die Säure meist noch einen Tick höher ist und Recioto nie aufgespritet wird. Ähnlich wie rote Schaumweine ist er außerhalb der Region unfassbar unpopulär, weshalb auch nur mikroskopische Mengen vinifiziert werden, die meistens bei Familienfesten in der Region getrunken werden und nebenbei den Weintrinkern vorbehalten bleibt, die sich auch für die Nischen der Weinwelt interessieren.

Die vierte Variante im stilistischen Potpourri des Valpolicella ist der Ripasso, der sich längst als die Nr.2 in der qualitativen Wahrnehmung der Winzer und Konsumenten etabliert hat. Wobei neben den zusätzlichen aromatischen Nuancen vor allem der Herstellungsprozess interessant ist. Nach der beendeten Gärung des Amarone oder Recioto und dem Umzug des Weins in Fässer bleibt der Trester der konzentrierten – weil getrockneten – Beeren im Tank zurück. Um dem klassischen Valpolicella mehr Substanz zu verleihen, lässt man einen Teil davon eine zweite und wesentliche kürzere Gärung mit den Trestern durchmachen und schlägt damit eine Brücke zwischen den leichten und fruchtbetonten Valpolicellainterpretationen und den oft mächtigen und intensiv würzigen Amaroneversionen.

Weißweine sucht man im Valpolicella übrigens vergebens, was jedoch nur bedingt traurig stimmen muss. Die Region ist sowohl im Osten (Soave, Gambellara, Monte Lessini) wie auch im Südwesten (Custoza, Lugana) von den mitunter spannendsten Weißweinenklaven Italiens umgeben.

Hello world!

Ciliegiolo mit Zweigelt zu vergleichen ist natürlich schon deswegen ungerecht, weil keine Rebsorte gerne mit Zweigelt verglichen wird. Zum anderen natürlich auch, weil Ciliegiolo auf das Konto der Natur geht und nicht auf das eines ideologisch halbseidenen Professors, der auch noch die Unverfrorenheit besaß, seiner Kreuzung auch seinen Namen zu geben. Andererseits: wie hätten die alten Ostarrichis wohl Zweigelt genannt, wenn sich St.Laurent und Blaufränkisch in freier Wildbahn gefunden hätten? Sie hätten die Trauben gekeltert, ihre Nasen reingehängt und während die meisten vermutlich darüber diskutiert hätten, wie schade es sei, dass erst in ferner Zukunft Reinzuchthefen und Sterilfilter erfunden werden würden, hätte ein unverschämter Traditionalist eventuell in lässigem althochdeutsch CHIRSA gerufen und damit die Kirsche und folglich die Ciliegia gemeint. Womit ein erster, komplizierter Kreis geschlossen ist.
Abgesehen von den Aromen tauchen noch weitere Parallelen auf, die den Vergleich zumindest rechtfertigen. Beide Sorten sind dunkelfarbig und werden gerne in Cuvées als Farbgeber verwendet. Beide neigen zu üppiger Produktion, weshalb gut wasserdurchlässige Böden und alte Rebstöcke (mit ihren zwangsläufig niedrigeren Erträgen) für richtig gute Qualitäten fast eine Grundvoraussetzung darstellen. Die Säure hält sich bei beiden in Grenzen, weshalb sich bei beiden kühle Lagen durchaus positiv auswirken können. Und letztlich – auch wenn man das bei beiden Rebsorten lange kaum für möglich hielt – liefern beide in den richtigen Händen, richtig gute Weine.
Dem Ciliegiolo dichtete man lange Zeit die Legende an, dass ihn Pilger aus Santiago di Campostella in die Toskana gebracht hätten und lässt man Legenden lange genug leben, werden sie auch irgendwann zur Wahrheit, weshalb dem Ciliegiolo auch heute noch in manchen Teilen der Toskana das Attribut di Spagna angehängt wird. Seine eigentlich Heimat scheint jedoch in der Maremma zu liegen, ein Elternteil dürfte Sangiovese sein (über die Parallelen zwischen Blaufränkisch und Sangiovese könnte man auch einmal nachdenken). Während in der Küstenebene eher üppige und verwaschene Interpretationen gekeltert werden (und seit den 80er Jahren auch zunehmend verschwinden), sind die Versionen aus den gleich darauf anschließenden, Hügeln extrem spannend. Die Frucht wird immer präziser und klarer, die Struktur dynamischer und frischer und das Tannin griffiger. Zudem gesellen sich florale Noten und eine feine Würze, die mit den Jahren immer dominanter wird. Und auch wenn Ciliegiolo hauptsächlich als Partner für den Sangiovese herhalten muss, gibt es in der Zwischenzeit auch ein paar wenige reinsortige Varianten, die man unbedingt ausprobieren sollte.

Ganz grossartig  sind der San Lorenzo von Sassotondo (bio) und den Ciliegiolo von La Busattina (biodynamisch).
Den Sassotondo gibt es u.a. bei http://www.il-vinaio.de/ und www.elceller24.de

den La Busattina Ciliegiolo gibt es bei La Busattina

Weinverkostungen im größeren Rahmen machen selten viel Spaß. Meistens ist es wahnsinnig voll, was prinzipiell natürlich gut ist, eng, laut und heiß und die Lust, sich durch die unzähligen spannenden Sachen durchzuprobieren, sinkt mit jedem Schweißtropfen, der ins Glas fällt.

Die LIVE WINE in Mailand bildet eine großartige Ausnahme, was vor allem am Veranstaltungsort liegt: der alte Eispalast, eine in den 20 Jahren gebaute Konstruktion im Libertystil gibt nicht nur ästhetisch eine Menge her, er ist auch riesig, was letztlich wiederum den Winzern wie Weintrinkern zu Gute kommt. Man trinkt und unterhält sich in Ruhe und hat alle Möglichkeiten neuen Weinen, Rebsorten, Regionen und Winzern auf die Spur zu kommen.

Daniele Ricci: Timorasso

Daniele Ricci: Timorasso

Daniele Ricci keltert beispielsweise fünf verschiedene Timorasso in den Colli Tortonesi: kompromisslose Interpretation, die dem Wesen der Sorte wie auch der Böden auf den Grund gehen, wobei beides – wie es bei großen Weinen meistens der Fall ist – Hand in Hand gehen. Timorasso ist in mehrfacher Hinsicht keine einfache Sorte: die Winzer kämpfen mit ihr, da sie aufgrund unterschiedlichster Beerengrößen unregelmäßig reift und ihre Haut dünn und folglich nicht allzu widerstandsfähig gegenüber die Machenschaften des Wetters und der Pilze sind. Daneben stellt sie auch den Konsumenten vor eine Herausforderung, die man aber – gerade, wenn es um Daniele Riccis Versionen geht – unbedingt annehmen sollte. Die Säure ist hoch, der Körper schlank und elegant, die Textur delikat und die Aromen zurückhaltend. Sowohl beim San Leto wie auch beim Terre di Timorasso prägen vor allem weiße Blüten, Kräuter und ein wenig Steinobst, während reifere Varianten erstaunlicherweise auch noch Petrolnoten an den Tag legen. Wer Danieles Weine mit Riesling verwechselt, macht keinen Fehler, wobei die Art der Säure eine andere und die Frucht zurückhaltender ist. Das Reifepotenzial scheint dagegen ähnlich zu sein und wer irgendwann in die Gegend um Alessandria kommt, sollte unbedingt einen Abstecher in die Colli Tortonesi machen und sich mit ein paar Exemplaren versorgen. Daniele keltert übrigens auch noch einen exzellenten reinsortigen Croatina, kräuterig, rotbeerig, erdig, saftig, kompakt und druckvoll, der – weil wir gerade bei Vergleichen sind – erstaunlich an die besten Cabernet Franc Versionen von der Loire erinnern.

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Die Kmetija Stekar braucht keinen Timorasso, sie hat Riesling. Das ist in der slowenischen Brda zwar ungewöhnlich aber wenn man ihn so macht wie Tamara Lukman und Jakob Stekar kein Nachteil. Die beiden wissen um die klimatischen Unterschiede zu den Rieslingepizentren in Deutschland und Österreich, weshalb sie erst gar nicht probieren, deren Stilistik zu kopieren. Ihr Riesling wird auf der Maische vergoren, direkt nach der Gärung abgepresst und danach verschwindet er für drei Jahre im Akazienfass und in der Flasche. Gefiltert wird genausowenig wie geschönt. Das SO2 liegt bei 13mg/l. Das Resultat ist zutiefst beeindruckend, weil voller reifer roter Beeren, Laub- und Kräuteraromen, kompakter Säure, lebendigem Gerbstoff, saftiger Konsistenz und bestem Trinkfluss. Jahrgang 2009 übrigens – Petrol sucht man vergebens. Pinot Draga (19 Tage auf der Maische, 36 Monate in Eichenfässern, Grauburgunder – ebenfalls rotbeerig, etwas ausladender und weicher) und  Rebula (26 Tage auf der Maische, 36 Monate in Akazienfässern: druckvoll, geradlinig, kompakt, präzis, Blüten, nussig) sollte man – wenn man denn irgendwie an die Flaschen kommt – auch unbedingt ausprobieren antabuse online canada.

Dva Duby - Tschechien

Dva Duby – Tschechien

Grünen Veltliner gab es in Mailand auch. Der war total beeindruckend, kraftvoll, strukturiert & dynamisch und erstaunlicherweise weder aus Österreich noch aus Südtirol sondern aus Tschechien, genauer aus Kolni Dounice, nahe Brünn. Dort betreibt Jiri Sebela sein Weingut Dva Duby und was er dort anbaut, hat zwar alles einen intensiven Bezug zu Österreich, ist aber auch schon lange in Tschechien beheimatet: neben dem absolut außergewöhnlichen Veltliner – der nach zwei Tagen Maischekontakt für zwei Jahre ins Holzfass wandert und dort in die dichte Struktur ein Spektrum an steinig-würzigen Aromen einbettet, die nie aufdringlich dafür subtil und vielschichtig daherkommen – sind das noch ein eleganter, erstaunlich weicher, samtiger und lebendiger Blaufränkisch und ein einigermaßen ungestümer, straffer, geradliniger und noch zu junger aber mit ordentlich Potenzial ausgestatteter St. Laurent. Alles toll, vor allem aber der Veltliner.

Der Rest war Italien und allen voran das Piemont. Im Monferrato passieren zurzeit wohl die spannendsten Sachen. Als Paradebeispiel dafür, was dort gerade los ist, kann bestens Auriel herhalten, das Weingut von Felice Cappa und Marta Peloso. Die beiden pflanzten ihre drei Hektar vor gerade einmal sieben Jahren aus und setzten dabei auf die Klassiker der Region, Grignolino und Barbera. Gearbeitet wurde von Anfang an biodynamisch, die Vinifikation startet mit wilden Hefen und ist auch ansonsten von einem Hands-Off-Motto geprägt. Ausgebaut wird über ein halbes Jahr in großen Holzfässern, die restliche Zeit (weitere zwei Jahre) reifen die Wein in der Flasche. Der Barbera entwickelt dabei ein Aromaspektrum, dass von Waldbeeren und Kirschen bis zu Pfeffer und Lakritze reicht. Der Körper ist saftig, kompakt und dicht, die Textur lebendig, die Säure – wie immer beim Barbera – animierend. Der Grignoloino ist noch einen Tick eleganter, die Aromen tendieren in eine florale Richtung, haben allerdings ebenfalls eine rotbeerige Basis. Ein Barbera Superiore fällt naheliegenderweise gewichtiger aus, wobei auch hier Trinkfluss und Vitalität im Vordergrund stehen.

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Die Weine von Guido Zampaglione (Tenuta Grillo) waren zwar kein Neuland, doch ist es immer wieder spannend seine kompromisslosen Dolcetto- und Barberaversionen zu probieren. Wer Angst vor Tanninen hat, sollte eventuell einen Bogen um seine Weine machen, wer allerdings wissen will, wie Wein schmeckt, wenn man alles aus seinen Beeren und Schalen rausextrahiert, sollte sich Pratoasciutto & Co. einfach mal vorknöpfen. Seine Rotweine haben, bevor sie das Licht des Marktes erblicken, mindestens 10 Kellerjahre hinter sich und sind trotzdem noch jung, frisch und fordernd wie am ersten Tag. Absolut beeindruckend und am zugänglichsten war der Pecoranera 2004 („das schwarze Schaf“). Die Rebsorte ist Freisa und was sich darin an Blütenaromen, Pfeffer und erdigen Noten findet, kann man ruhig als Antwort des Monferrato auf die großen Weine des Barolo akzeptieren.

Noch weniger Entdeckung dafür Bestätigung waren die Weine von Emidio Pepe, allen voran sein Pecorino, der seit 2013 das weiße Sortiment erweitert. Pecorino ist ein Klassiker der Abruzzen mit einer Säure, die jedem Riesling gut stehen würde. Ein dichter Körper fängt sie auf und zwischen diesem Ping Pong finden sich steinige und kräuterige Aromen, die sich bis zum Gaumen und ziemlich weit darüber hinaus ziehen. Pepes Weine sind generell Konzeptionen für die Zukunft, weshalb man gespannt sein kann, wie sich das alles entwickelt. Sein Montepulciano 2001 – stoffig, vital, komplex, erstaunlich aromatisch, weich, samtig und ebenfalls sehr lang – jedenfalls zeigte, dass 15 Jahre vermutlich genau die richtige Zeitspanne darstellen, um mit seinen Rotweinen so richtig Freude zu haben. Das strapaziert zwar die Geduld, ist aber jede Sekunde des Wartens wert.

Die Weine von Daniele Ricci, Stekar und Dva Duby gibt es zurzeit leider nirgendwo in Österreich oder Deutschland zu kaufen. Für Wiener ist Dva Duby immerhin in knapp einer Stunde mit dem Auto zu erreichen, für Kärntner ist Stekar um die Ecke.

Emidio Pepe gibt es in Österreich bei vinonudo und raw-selections, die Tenuta Grillo gibt es bei vinonudo.


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