Best of prüfnummerfrei, Teil 7: Sepp Moser Grüner Veltliner Minimal, 2011

Niki+IsabelleWahrheit: Der Name ist Programm. Interventionen befinden sich bei Niki Mosers quintessentiellem Veltliner auf einem absoluten Minimum, wobei das nicht bedeutet, dass hinter seiner Vinifizierung nicht eine Menge Arbeit und Intentionen stecken. Letztlich legt er freilich Zeugnis davon ab, was passiert, wenn man der konsequent biodynamischen Arbeitsweise im Weingarten (Schnabel/Löss) auch eine Vinifikation folgen lässt, die vor allem die Traube zu Wort kommen lässt und derart der Essenz der Rebsorte (und auch des Ortes) auf den Grund geht. Spontane Vergärung, keine Temperaturkontrolle, weder Enzyme noch Hefenährstoffe, keine Schwefelungen (weder im Most noch im Wein), keine physikalischen Interventionen (Mikrooxidation, Osmosen etc.), keine Schönungen, keine Filterung; was dagegen ganz wesentlich benötigt wird, sind gesunde Trauben, kleine gebrauchte Holzfässer und Zeit. Die sollte man auch vom Weintrinker einfordern. Erfahrungsgemäß entwickelt sich der Minimal stetig aber sicher über ein gutes Jahrzehnt und öffnet Jahr für Jahr neue Nuancen, Aromen und Texturen. Wer keinen Nerv hat, den Wein über Jahre im Keller zu verstauen sollte ihn möglichst  für einige Zeit dekantieren und ihm Rotweingläser gönnen.

Dichtung: Eben erst wieder getrunken (31.1.2016). Die Kurve zeigt steil nach oben, auch wenn der Wein aus einem der schwierigeren Jahrgänge des letzten Jahrzehnts stammt und die meisten seiner Zeitgenossen die Zeit seit 2011 nicht allzu gut weggesteckt haben. Dass der Wein ungeschwefelt ist, kann man in diesem Zusammenhang schon mal erwähnen. Und im Grunde auch, dass er mit jedem Jahr kompromissloser am Idealbild eines sortentypischen Veltliner kratzt. Wobei es sich lohnt, ausnahmsweise mit der Textur, dem Trinkfluss & der Struktur anzufangen, die sich bei gewichtigen Veltlinern in letzter Zeit nicht selten im Weg stehen. Der Minimal ist profund und konzentriert, der Körper druckvoll und kompakt, die Säure macht Dampf und wird von ein wenig Gerbstoff gestützt. Sensorisch geben Würze und Zitrusaromen den Takt vor, am Gaumen wird es steinig, würzig bleibt es trotzdem. Kräuter erweitert das Spektrum, ansonsten steht aromatische Zurückhaltung im Vordergrund. Steht im Moment ziemlich perfekt da und hat auch noch ein paar Jahre vor sich.

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