Verkostete Weine

Foradori, Morei Teroldego 2010
Foradori, Sgarzon Teroldego 2010
Foradori, Fontanasanta Nosiola 2011
COS, Pithos bianco
COS, Pithos rosso
Kabola, Malvasija Amfora
Braunstein, Amphore Chardonnay 2010
Braunstein, Amphore Blaufränkisch 2010
Vodopivec, Vitovska 2006
Vodopivec, Vitovska Classic 2006
Castello di Lispida, Amfora 2011
PJ Kühn, Riesling Amphore 2009
Amphoren sind im klassischen Sinne Tongefäße mit zwei Henkeln. Verwendet wurden sie vor dem Jahr 0 quasi überall im mediterranen Raum und darüber hinaus auch im Südkaukasus, wo man sich schon ein paar Jahrtausende davor daran machte Tonbottiche zu formen, um Dinge darin zu lagern. Im speziellen war das damals Wein und ist es gerade dort auch heute wieder. Der Name, den man dafür in Georgien verwendet ist Kvevri, und die Kunst und das Handwerk, die dahinterstecken, gehen weit über das hinaus, was man beizeiten in Volkshochschultöpferkursen lernen kann. Das ist dann auch der Grund, warum es heute nur noch eine Handvoll Töpfer gibt, die fähig sind die komplexen Gefäße in all ihren Größen herzustellen (Lehrlinge werden gesucht …). Vor einigen Jahrzehnten waren das noch wesentlich mehr, die sowjetische Weinkultur fand allerdings wesentlich mehr gefallen an 1 Millionen-Liter Tanks als an den hochindividuellen Gefäßen.
Warum aber sind eigentlich nur Georgien und ein paar Enklaven in Spanien und Portugal in der Amphorenherstellung übriggeblieben? Die Antwort ist ganz einfach: Holz. Mit den Germanen kamen auch die Holzfässer und man erkannte schnell, dass die ebenfalls bestens zur Lagerung geeignet waren. Die Verbesserung der Weinqualität dürfte dabei eine marginale Rolle gespielt haben. Man konnte die Fässer einfach leichter herstellen, reparieren, transportieren und reinigen.
OLYMPUS DIGITAL CAMERAIn Georgien blieb man lange (teils bis heute) den Kvevri treu. Die wurden dort keineswegs überall hergestellt sondern nur in einigen Dörfern, wo sie – in unterschiedlichsten Größen produziert – nach dem Brennprozess innen mit geschmolzenem Fett oder Bienenwachs ausgekleidet wurden. Die gleichen Kvevri werden mehrere Jahrzehnte verwendet. Zudem ist es so, dass man die Kvevri nicht einfach irgendwo verbuddeln kann. Die Bodenwahl ist elementar und beeinflusst die Qualität entscheidend. In Westgeorgien, wo die Trauben erst spät im Herbst gelesen werden und die Reben vorwiegend auf feuchten Lehmböden wachsen, vergrub man die Kvevri im Freien unter einem einfachen Dach in möglichst trockenem Sandboden. In Ostgeorgien dagegen wurden sie tief im Hauskeller eingegraben, weil die Temperaturen während der Weinlese dort viel höher sind. Der klassische Herstellungsprozess der Weine selbst ist eine komplizierte Angelegenheit und lässt sich bestens auf www.kvervri.org/de nachlesen.
Ein paar interessante Einzelpunkte, die auch die heutigen Amphorenproduzenten betrifft, kann man allerdings hervorheben:
– die Trauben sollten absolut gesund sein, da durch den langen Maischekontakt faules Material entsprechend mehr Möglichkeiten hat, Fehltöne abzugeben.
– Der lange Maischekontakt setzt auch voraus, dass man im Weingarten möglichst auf systemische Chemikalien verzichtet.
– Die lange Maischestandzeit macht den Einsatz von Reinzuchthefen überflüssig.
– Optimal sind Kvevris mit einem Fassungsvermögen von ca. 1000-1500 Liter, da sie sich während der Gärung selbst temperaturregulieren (20-28°C)
– Kvevris atmen. Zwar kleidet man die Innenwände mit Bienenwachs (dadurch sind sie leichter zu reinigen und bieten Bakterien keinen Überlebensraum) aus, kleine Poren sorgen jedoch für dezente Mikrooxidation.
– Trotz des reduktiven Ausbaus gibt es keine Böckser, da der Wein nicht geschwefelt ist und kein Mangel an Nährstoffen besteht.
Der große Vorteil der Ton-Amphore besteht vor allem darin, dass man den Wein relativ unmanipuliert (das Bienenwachs kann hier allerdings zur Crux werden) durch seine Reifezeit führt und trotzdem einen dezenten Luftaustausch zulässt. Zudem wird Amphorenwein generell unbehandelt in die Flasche gefüllt (eine minimale Schwefelung ist meistens alles), d.h. dass er zum einen bekömmlich ist und zum anderen stets ein weitgehend exaktes Bild des Jahrgangs liefert. Amphorenweine brauchen im Allgemeinen ein wenig Zeit. Nach der Flaschenfüllung sollte man ihnen zwei/drei Jahre Ruhe gönnen. Es lohnt sich.