Gleichzeitig mit der Erweiterung des 15-köpfigen Stamms auf jetzt 19 Winzer, gab es Mitte Juli 2015 auch einen Relaunch der respekt-Richtlinien und eine neue Webseite, die wenig Fragen offenlässt (und zudem extrem gut gemacht ist)www.respekt.or.at

Das ist insofern erfreulich, da Transparenz im Weinbau generell eher tabuisiert wird und es schon Sinn macht, wenn Winzer ihre Handlungen im Weingarten und Keller ausführlich, detailliert und nachvollziehbar offenlegen.

DruckZudem ist es schon auch spannend zu erfahren, warum Winzer im Weingarten mit Fenchel- und Orangenöl, Birkenblättern, Backpulver oder Algenextrakten hantieren – praktikable und richtungsweisende Alternativen zu den Chemikalien, mit denen konventionelle Betriebe ihre Rebstöcke bearbeiten (dürfen).

Neu sind zudem die qualitätsspezifischen Punkte, die sich unter dem prophetischen Link „Der ideale Wein“ wiederfinden. Kellerrichtlinien fehlten bisher im Regelwerk von „respekt“ und mit der Auflistung diverser Interventionen/NICHT-Interventionen ist die Lücke geschlossen und außerdem auch gleich vorgezeichnet, wohin die Reise gehen soll – der „ideale Wein“ ist übrigens, laut respekt, der in keiner Weise veränderte Wein.

Generell setzt man auf spontane Gärungen durch natürliche Hefepopulationen (Grundvoraussetzung für die Authentizität herkunftsspezifischer Weine). Ausnahmen bilden – um eine zuverlässige Endgärung zu ermöglichen – trockene Weißweine (wobei mir nicht ganz klar ist, warum sie bei Weißweinen weniger zuverlässig sein soll als bei Rotweinen) und selbst das ist nur bei dokumentierten Problemen zulässig. Schwefel darf beigefügt werden, wobei man versucht sich immer näher an entsprechende Minima (je nach Weinstil) heranzutasten (es gibt auch schwefelfreie Interpretationen im Fundus der respekt-Weine).

Schönungen werden möglichst nicht und wenn dann nur zu Stabilisationszwecken durchgeführt. Da die meisten Weine ohnehin relativ lange auf der Hefe bleiben, sollte bei den wenigsten von ihnen eine Schönung notwendig sein – Ausnahmen, denke ich, sind vor allem die paar wenigen Jungweine, die sich da und dort finden. Kollektive Einigkeit herrscht zudem bei dem Wunsch nach moderaten Alkoholgradationen. Der Rest beruht auf individuellen Handschriften, die jedem Winzer und jedem Terroir zugestanden werden. Passt auch.

Den Grundsätzen und Ideen ihrer biodynamischen Bewirtschaftungsweise wurden außerdem einige fundamentale Aspekte zur Seite gestellt, über die man sicher öfter reden sollte und die definitiv einen Weg in die önologische Zukunft weisen. So machte man sich beispielsweise Gedanken über nachhaltige Veranstaltungskonzepte (Abfallvermeidung, Empfehlung zertifizierter Hotels, CO₂-Kompensation der gesamten Veranstaltung, Mehrweg-Geschirr etc.). Sympathisch sind zudem die Kurzportraits und Zitate der Winzer, wobei unter dem Menüpunkt auch die vier neuen Betriebe zu finden sind – Clemens Busch, Hansjörg Rebholz, Steffen Christmann und Philipp Wittmann, allesamt deutsche Betriebe und alle mit nicht zu wenig Riesling in ihren Kellern – die ohnehin hohe Qualität der respekt-Gruppe wird durch die vier sicher nicht gesenkt.

Womit einer Internationalisierung der respekt-Gruppe zumindest die Tür geöffnet wurde. Wer eintritt, ist den derzeitigen Winzern vorbehalten, die jedes Jahr ein neues Mitglied vorschlagen können.