Hoch oben in den Hügeln der Nordmaremma, ein paar hundert Meter über Suvereto, einem dieser unzähligen uralten Dörfer, die sich durch die Toskana ziehen, baut Maddalena Pasquetti auf ihrem Weingut I Mandorli eine Handvoll Rebsorten an. Cabernet Sauvignon und Franc im Vigna del Mare, der nicht umsonst diesen Namen trägt und von dem aus man bis nach Elba und weiter ins Meer hinaus sieht. Im Vigna del Sughero, dem Weingarten, der nach den omnipräsenten Steineichen der Umgebung benannt ist, steht ihr Sangiovese, einer der besten italienischen Rotweine südlich des Piemonts. Ein paar Zeilen gehören dem erst vor kurzem gepflanzten Aleatico, dessen erster Jahrgang sich noch im Fass befindet.

In einer kleinen Mulde am Hangfuß, den Blick in die Colli Metalliferi und somit nach Nordosten gerichtet, wächst Maddalenas Vermentino, den sie 2015 zum zweiten Mal gekeltert hat. Die Reben sind erst ein paar Jahre alt, seit jeher biodynamisch bewirtschaftet und auf dem besten Weg es ihrem Sangiovese gleichzutun. Die Aromenvielfalt scheint die sie umgebenden Vegetation miteinzufangen, Blütennoten und mediterrane Kräuter geben den Takt vor, ein paar Zitrusnoten unterstützen und wenn nichts Gröberes passiert, kann man davon ausgehen, dass die Stöcke in den nächsten Jahren immer gehaltvollere und dichtere Versionen ergeben werden. Wobei es schon jetzt dicht und fokussiert zugeht. Die Säure ist für einen Vermentino erstaunlich lebhaft, die Textur geradlinig, der Weg über den Gaumen lang und ohne Schlenker. Ausgebaut wird in Zement, vergoren wird spontan, gefiltert wird nicht, geschwefelt schon – allerdings nicht viel. Ein paar Flaschen davon wären optimal, denn zum einen hat der Wein jetzt schon große Klasse und es spricht absolut nichts dagegen, dass sich diese in den nächsten Jahren noch erhöhen wird.

Im deutschsprachigen Raum ist der Vermentino von I Mandorli bei vinifero in Wien erhältlich.

Das einzig Negative, was man über den Foglia Tonda von La Cerreta sagen kann, ist, dass er in 0,5 Liter Flaschen abgefüllt ist. Angeblich, weil es so wenig davon gibt. Das ist dann eigentlich auch der zweite Nachteil. Es gibt zu wenig davon. Nicht nur bei La Cerreta. Überhaupt überall. Zu wenig in der Toskana, von Italien und dem Rest der Welt ganz zu schweigen. Optimistischen Schätzungen zufolge waren es im Jahr 2000 42 Hektar, es können aber auch weniger gewesen sein.

Heute, also am 19.7.2016, sind es mit Sicherheit mehr. 50 vielleicht. Oder auch 51. Das hat einen ganz einfachen Grund – Foglia Tonda ist eine fantastische Sorte. Und das sehen auch einige wenige Winzer in der Toskana so. Angeblich mit Sangiovese verwandt, hat sie ähnlich wie der große Bruder ordentlich Säure und Gerbstoff, wobei bei der Foglia Tonda beides ein wenig runder und weicher wirkt – zumindest bei La Cerreta.

La Cerreta liegt nicht in der Kernzone der Foglia Tonda (das Chianti Classico) sondern in der nördlichen Maremma, in Sassetta und dort ist es definitiv heißer als in den Hügeln des Chianti Classico. Das schlägt sich auch im Wein nieder. Nicht unangenehm. Er wirkt nur warm, einladend, dicht und kraftvoll. Ausladend oder breit ist er allerdings nie. Dunkle Frucht, ein wenig Zimt, Tabak sind vorherrschende Aromen, alles bestens ausbalanciert und in sich harmonisch. Der Trinkfluss passt, der Wein hat Struktur und Lebendigkeit, wirkt offen und klar.

La Cerreta arbeitet biodynamisch, hat neben Wein auch Kühe, die ausnahmsweise nicht nur für den Mist verantwortlich sind, sondern auch exzellente Milch für noch besseren Käse ergeben.  Im Keller passiert wenig, der Foglia Tonda wird spontan vergoren, in gebrauchten Barrriques ausgebaut und ungefiltert und ungeschwefelt gefüllt. Der Kostenpunkt ab Hof liegt bei 15 Euro.

Weine von La Cerreta gibt es in Wien bei vinifero, ob sich allerdings auch der Foglia Tonda darunter befindet, weiß ich leider nicht.

Mehr über italienische Weine & Winzer findet sich auf vinoterra.com

Gabriele da Prato kommt nicht nur das Verdienst zu, exzellente Weine zu keltern, er hat gleichzeitig eine Region zum Leben erweckt, von der man im Laufe der nächsten Jahre immer wieder hören wird.

concori_35-1024x732Die Garfagnana wurde nach dem zweiten Weltkrieg sukzessive verlassen – die Landwirtschaft auf ein Minimum reduziert, da man in der Ebene billiger und mehr produzieren konnte.

Als Gabriele 1998 mit der Podere Concori anfing war die Garfagnana, zumindest in weinbaulicher Hinsicht tot (und auch sonst war nicht viel los). Um ihn herum gabe es kein einziges Weingut mehr, kaum Erinnerungen an die einst höchstgelegenen Weinberge der Toskana.

Damit eine Sache tot ist, muss sie aber erstmal gelebt haben und auch wenn in der Garfagnana meist nur Weinbau für den eigenen Durst betrieben wurde, gab es doch Traditionen, Techniken und Rebsorten, die ihr eine eigene, besondere Identität verliehen. So fanden sich noch ein paar alte Weingärten, bestockt mit Ciliegiolo, Carrarese und Marracina, Rebsorten, die Gabriele rekultivierte (gerade die beiden letztgenannten dürften dort, wo die Garfagnana endet, völlig unbekannt sein.)

Jenseits lokaler Traditionen richtete Gabriele seinen Blick auch über den Apennin, die Alpi Apuane und weiter über die Grenzen nach Frankreich und ortete dort klimatische Bedingungen, die denen der Garfagnana nicht unähnlich waren. Er pflanze Syrah, Chenin Blanc, Pinot Blanc, Traminer und Pinot Noir und hatte dabei Hintergedanken, die sich von der Loire über die Nordrhone bis ins Burgund und ins Elsass spannten.

Steil abfallende Hänge, deren sandige Böden immer wieder mit von Schiefer durchsetzt sind bilden das topographische und geologische Fundament, kühle Winde, die Höhe und der Serchio – der Fluss, der das Tal hinunterfließt, bilden die Klimabasis für Gabriele und seine Rebflächen.

Die haben sich in der Zwischenzeit auf 3,5 Hektar ausgeweitet und werden seit 2000 ausnahmslos biodynamisch bewirtschaftet, definitiv keine leichte Aufgabe, da die Garfagnana Niederschlagsmengen aufweist, die mit der Steiermark vergleichbar sind.

Im Keller (siehe Weine) wird vorwiegend auf in der Zwischenzeit gebrauchte Holzfässer zurückgegriffen, die Gärung startet spontan, der Rest obliegt der Zeit. Die trägt letztlich mit dazu bei, dass sich sukzessive auch das Terroir in den Weinen manifestiert und neben einer saftigen und lebendigen Textur und einem straffen und kühlen Körper auch erdige und steinige Noten zum Vorschein kommen.

Gabrieles Erfolg führte dazu, dass die Garfagnana in den letzten Jahren wieder zu einem Ziel, vor allem für die Ambitionen junger Winzer wurde (Land ist billig), die immer spannendere, herkunftsbezogene Weine keltern und die gerade dabei sind Pinot Nero in die Weinlandkarte der Toskana zu integrieren.

Die Weine:

Die Wahl der Rebsorten ist definitiv einzigartig in der Toskana – kein Sangiovese und kein Vermentino, dafür Syrah, Pinot Nero, Traminer, Pinot & Chenin Blanc und ein paar steinalte lokale Rebsorten, die in keinem einzigen mir bekannten Rebsortenbuch Erwähnung finden. Letztlich zollt Gabriele damit einfach nur den natürlichen Voraussetzungen Tribut, die in der Garfagnana wesentlich kühler ausfallen als im Rest der Toskana und ihn veranlasst haben, in den Norden und über die Grenze zu blicken.

Im Keller fällte er schon früh einige Entscheidungen, die auf alle Weine angewendet werden. Er vergärt spontan, schönt und filtert nicht, gibt den Weinen Zeit und erst zum Schluss ein wenig Schwefel. Der „Bianco“ basiert auf Pinot Bianco und Chenin Blanc und wurzelt in den höchsten und kühlsten Weingärten in einer Mischung aus Sand und Schiefer. Die Textur ist elegant und geradlinig, die Aromen sind vor allem von Kräutern und Steinen getragen, auf Trinkfluss wird größten Wert gelegt und das merkt man auch. Der zweite Weißwein ist eine der spannendsten Traminerversionen, die ich kenne – der intensiven Blüten- und Fruchtwelt steht eine Säure gegenüber, die man für gewöhnlich lange in einem Traminer suchen kann und hebt in dadurch in eine Dimension, die nicht nur nach einem Schluck sondern nach einer Flasche verlangt. Beide Weißweine werden im Stahl ausgebaut.

Der Melograno, einer von drei Rotweinen, basiert größtenteils auf Syrah, unterstützt von Ciliegiolo, Carrarese und Marracino, alten Rebstöcken, die ganz sicher ihren Beitrag zur Textur und Aromatik des Weins beitragen. Der Melograno ist erstaunlich rotbeerig (für so viel Syrah), klassischer wirken da schon die erdigen und pfeffrigen Noten, die sich langsam einstellen.

Syrah erfährt durch den Vigna Piezza, einer zum Serchio abfallenden Einzellage, noch eine Steigerung, die allerdings nicht jedes Jahr produziert wird. Abgesehen von den schiefrigen Sandböden kommt dabei dem Fluss entscheidende Bedeutung zu, der immer wieder für Abkühlung sorgt und ganz wesentlich für die stringente und auch strenge Struktur des Weins verantwortlich ist. Die Aromen sind präzis und erdig, der Abgang lang, das Potenzial enorm (hier lohnt es sich definitiv solange zu warten, bis einem die Geduld ausgeht).

Bleibt Gabrieles Pinot Nero, den er selbst Pinot Noir nennt, womit die Stoßrichtung vorgegeben ist. Das Burgund ist das Vorbild, wobei die Reben nicht in Kalk sondern in Schiefer wurzeln. Die Exposition zieht sich nach Norden, die Lese ist spät und extrem selektiv. Kühle Kirschnoten und Unterholz bilden die Aromabasis. Die Säure packt angenehm zu, die Tannine sind fein und präsent, die Textur ist, wie auch schon bei seinen anderen Weinen, elegant und dynamisch.

Ausgebaut wird über 10 Monate in 225 Liter-Fässern. Geduld tut auch hier gut go to this website.

Manfredis Paradies ist klein. Aber das haben Paradiese vermutlich so an sich. Das erste Paradies war ja auch nur für zwei Personen, eine Schlange und einen Apfelbaum (eine Feigenbaum muss es auch gegeben haben) konzipiert. Manfredis Paradies umfasst 2,5 Hektar. Anstatt des Apfelbaums pflanzte er Sangiovese Grosso, den speziellen Sangiovese-Biotypus, der im nördlichen Teil von Montalcino für die feine, ziselierte Textur und die roten Fruchtaromen (im Süden wird es opulenter und dunkler) mitverantwortlich ist. Statt ein paar Schlangen und Feigen gibt es eine üppige Flora und Fauna und im Gegensatz zum ursprünglichen Paradies ist es bestens lokalisierbar – Via Canalicchio 305, Montalcino.

Das Weingut – dessen Mauern seit dem 8. Jahrhundert bestehen – erwarben Manfredi Martini und seine Frau Fortunata (ein Name, der ins Paradies passt) Anfang der 1950er Jahre und aus dieser Zeit stammen auch noch immer viele Rebstöcke, die heute von der zweiten (Florio und Rosella) und dritten Generation (Gioia und Silvia) so akribisch weitergepflegt werden, wie Manfredi es vorlebte. Die Bewirtschaftung basiert auf Handarbeit und auch wenn nicht zertifiziert biodynamisch gearbeitet wird, integriert man doch diverse Prinzipien. Ansonsten geht man extrem selektiv und penibel vor und versucht den Weingarten vom Rebschnitt bis zur Lese in perfekter Balance zu halten – viel Arbeit, weshalb man auch nicht vorhat, das Paradies zu vergrößern.

Das Terroir ist anspruchsvoll: die Topographie ist hügelig und steil, die Exposition nordöstlich, der Boden von unzähligen Fossilien und viel Konglomerat geprägt und das Klima ist – dank der Lage in den Hügeln – immer wieder von kühlen Nächten beeinflusst. All das wirkt sich auf die Weine aus, die zweifellos zum besten gehören, was Italien an puristischen, filigranen, leicht ätherischen, eleganten und auch komplexen Rotweinen zu bieten hat. …

… Die Akribie der Weingartenarbeit findet im Keller ihre Fortsetzung, wobei das nicht bedeutet, dass hier groß eingegriffen wird. Im Gegenteil. Man schuf einzig das ideale Umfeld, um Weine zu keltern, die sowohl Herkunft wie auch Sorte bis ins Detail wiedergeben. Die Gärung findet in Zementbottichen statt, die innen mit einer Keramikschicht ausgekleidet sind: ideale Voraussetzungen für einen langsamen und relativ kühlen Verlauf. Danach wird der Wein (es ist immer noch ein Wein, der erst durch den Ausbau seine Verwandlung in Rosso, Brunello & Riserva di Brunello erfährt) in große Holzfässer aus slawonischer Eiche (25-30hl) gefüllt. Und danach wird gewartet: 12 Monate auf den Rosso, der filigran, belebend und animierend ist und rote Früchte, ein wenig Zitrus, florale und erdige Noten und erste Anzeichen eines großen Weins in sich trägt.

36 Monate (+ Flschenreife/je nach Jahrgang) auf den Brunello, einem der großen Meisterwerke der italienischen Rotweinwelt: ähnlich filigran, elegant und dynamisch ist er – anders als der Rosso – doch in sich ruhend (drücke ich mich klar aus?), gelassen & entschleunigt, ein Wein, der sich prinzipiell ein wenig Beschäftigung verdienen würde und doch soviel Trinkfluss besitzt, dass man aufpassen muss, ihn nicht in einer Viertelstunde auszutrinken. Die ätherische Textur ist bestens und völlig unaufdringlich von lebendiger Säure und griffigem Gerbstoff gepuffert. Die Aromenvielfalt ist groß, wobei es Sinn macht, hier jeden für sich auf die sensorische Reise zu schicken – zwischen Rosen, Laub, Erde, roten Beeren, Steinen usw. kann jeder seine eigene Auswahl treffen.

Auf die Brunello Riserva muss man 48 Monate (+Flaschenreife) warten und vermutlich lohnt sich das auch – ich würde es auch gerne wissen.

Alle drei Weine sind ungefiltert und nicht geschönt.

Der Begriff der Ganzheitlichkeit ist ein wesentliches Konzept in der Gedankenwelt der Biodynamik. Nur wenige leben dieses Konzept in solcher Konsequenz wie Emilio Falcione auf seinem Gut La Busattina, hoch oben in den Hügeln der Maremma. Es ist ein karges Territorium, dass sich Emilio für sein landwirtschaftliches Projekt ausgesucht hat, doch auch eines, auf dem eine Umsetzung seiner Ideen perfekt möglich war. Als er die 25 Hektar 1990 erwarb, war der einstige landwirtschaftliche Betrieb längst verlassen, die Böden lagen brach, die Rebstöcke waren über die Jahre verwildert.

Ideales Terrain, um komplett neu anzufangen. Wein macht dabei nur knapp ein Fünftel der Fläche aus, der Rest ist mit Olivenbäumen und alten toskanischen Getreidesorten bepflanzt, auf der übrigen Fläche grast Vieh, ebenfalls alte Arten. Von Beginn kultivierte Emilio seine Flächen biologisch, getrieben von einem ethischen Prinzip, dass tief in die Vergangenheit blickt und tradiertes Wissen in die Gegenwart pflanzt. Eine der wesentlichsten Erkenntnisse war dabei die Gewissheit, dass auf einem Bauernhof alles mit allem in einer komplexen Beziehung steht, die perfekte Interdependenz allerdings auch völlige Autonomie ermöglicht. 1998 folgte die fast logische Umstellung auf Biodynamik.

Die Weingärten spielen in Emilios Konzept eine ganz wesentliche Rolle. Seinen Part sieht er dabei als Begleiter, aber doch eben als einer der lenkt, ohne dabei freilich allzu autoritär zu werden. Erzogen werden naheliegenderweise autochthone Sorten, die Sangiovese dominiert, allerdings im Kollektiv mit Ciliegiolo, dem Emilio eine der wenigen reinsortigen Interpretationen gönnt. Trebbiano, Malvasia und Ansonica decken das weiße Spektrum ab. Die klimatischen Voraussetzungen sind wild wie die Landschaft. Über die Hügelkuppen pfeift der Wind und bricht die Sonnenstrahlen, hier treffen mediterrane Wärme auf die Robustheit der Berge und heiße Tage auf frische Nächte.

Die Reifeperioden ziehen sich aufgrund der hochgelegenen Weingärten in die Länge und verleihen den Weinen eine kompakte Struktur, die Textur ist frisch und doch saftig. Es wird spontan vergoren, manuell untergetaucht (rot), mazeriert (weiß ein paar Tage, rot ein paar Wochen) und dann je nach Sorte im Stahl, Tonneaux oder Barriques (gebraucht) ausgebaut. Geschwefelt wird am Ende, gefiltert und geschönt wird schon seit einiger Zeit nicht mehr.

Bei all dem lässt sich Emilio Falcione Zeit, viel Zeit. Der jüngste seiner vier Weine ist die orange Cuvèe San Martino (2013) aus Trebbiano, Malvasia und Ansonica, die eine griffige Textur mit einem dichten Körper kombiniert und darin ein Aromaspektrum offeriert, das eigenartigerweise an gute Chenin Blancs von der Loire erinnert – Honig, Quitten und so weiter. Der Legnotorto, eine Cuvèe aus Sangiovese (85%) und Ciliegiolo (15%) stammt aus dem Jahr 2009 und setzt ohne wennundaber und trotz seines langen Ausbaus auf Frische und Lebendigkeit. Frucht frisch, Textur lebendig, Säure frisch, Abgang lebendig, total ok, und jeden Tag gerne.  Ein zweite Cuvèe mit identischer Rebsortenzusammensetzung hört auf den Namen TerreEteree und da ich vergessen habe zu fragen, verstehe ich die tiefere Bedeutung des Namens leider nicht. Fakt ist, dass es samtig und saftig zugeht und neben der roten Frucht vor allem auch Raum für florale und erdige Aromen da ist. Das Gleichgewicht passt, Säure und Gerbstoff sind bestens integriert in Textur und Körper – alles recht weich, sanft und fein.

Die Nummer vier in Emilios Sortiment ist eine Rarität, die es unbedingt öfter geben sollte. Der reinsortige Ciliegiolo verzichtet auf irgendwelche Fantasienamen und nennt sich selbstbewusst und deutlich CILIEGIOLO – Jahrgang 2008 bedeutet im Jahr 2015 ein gewisses Alter, das man dem Wein allerdings nicht anmerkt. Ciliegiolo ist eine jener großen Unbekannten im Rebsortensammelsurium Italiens, die es leider (oder nicht leider) nicht auf die Bühne der großen Weinwelt geschafft hat. Behauptet man, dass Ciliegiolo nach Kirschen schmeckt, verrät man nicht zuviel, schließlich bedeutet Ciliegia nichts anderes als Kirsche. Wobei Kirsche nicht gleich Kirsche ist – diejenige von La Busattina ist saftig, dunkelrot und süß (in einem positiven Sinne) und dabei nie auch nur eine Sekunde aufdringlich. Der Trinkfluss ist von der Zungenspitze bis in den Kehlkopfbereich (der Wein ist lang) tiptop, geradlinig und nie ausladend, zu den Fruchtaromen gesellt sich zudem eine feine kräuterige Note, die sich allerdings dezent unterordnet. Mangelnde Säure mag gelegentlich ein Problem darstellen, 2008 jedoch war ein kühles Jahr und folglich ideal für eine lebendige Textur. I like it a lot.

Einziger Nachteil für potenzielle Leser dieser Zeilen ist, dass la Busattina zurzeit weder in Germania noch in Austria erhältlich ist.