Es werde Licht – Corrado Dottoris NUR und erste Worte zum Verdicchio

IMG_2979-1Corrado Dottoris Weingut La Distesa liegt im Herzen der Marken, dort, wo der Verdicchio wächst, eine der spannendsten autochthonen Weißweintrauben Italiens. Das Weingut ist klein, ganze drei Hektar sind mit Reben bestockt, insgesamt drei Weingärten, die Corrado vor einigen Jahren zu bewirtschaften begann. Das Ziel war von Anfang an klar, der Weg ebenso. Zum einen versuchte er die Monokultur soweit wie möglich zu brechen – in seinen Weingärten wachsen neben Verdicchio, Trebbiano und Malvasia auch Bohnen, Wicken, Erbsen und alle möglichen Wildpflanzen, zum anderen wird kaum gedüngt und einzig mit Schwefel und Minimalmengen Kupfer potenziellen Krankheiten vorgebeugt. Biodynamik wird nicht offiziell praktiziert, das 500er Präparat trotzdem gelegentlich ausgebracht. Dass man die Kleinheit des Betriebs nutzt, um möglichst wenig maschinell zu arbeiten (kaum Traktorfahrten durch den Weingarten, ergo keine erzwungene Bodenverdichtung) ist lobenswert, zudem macht es natürlich auch Sinn den interventionsarmen Weg im Weingarten auch im Keller fortzusetzen.

Es wird also spontan und nicht temperaturreguliert vergoren und danach finden die Wein mindestens ein Jahr Zeit, um auf der Feinhefe ihr Gleichgewicht zu finden. Die beiden Verdicchio (Terre Silvate & Gli Eremi – einer der besten Weißweine Italiens) kommen danach in die Flasche (Schwefelung minimal und kurz vor dem Füllen), der Nur hält es im allgemeinen noch etwas länger im Fass aus (abhängig vom Jahrgang und dem Reifeverlauf). Letzterer hat, anders als die beiden reinsortigen Verdicchio, zum einen Trebbiano als Kompagnon und außerdem eine gute einwöchige Maischezeit hinter sich.

Hinter La Distesa, so Corrado Dottori, steckt vor allem der Wille einen Wein zu machen, der Terroir und Rebsorte so perfekt wie möglich widerspiegelt. Das behauptet die halbe Weinwelt von sich, doch da Corrados Ansatz ein dezidiert oppositioneller ist – nämlich nicht die Kriterien der internationalen Weinwelt zu erfüllen und alljährlich austauschbare Produkte zu vinifizieren, ist hier das Vertrauen in die Intention um einiges größer. Um diesem Ziel näherzukommen verließ er nach seinem Wirtschaftsstudium Mailand, zog zurück in die Heimat und hörte sich vor allem auch bei den alten Winzern um, wie sie ihr Land bestellten. Das gegenwärtige Konzept sieht vor nicht größer aber noch besser zu werden und zudem den Weg des Weins – von sich, über den Händler, bis zum Konsumenten – einigermaßen im Blick zu behalten, Boden (v.a. Kalk) und Wetter weiterhin intensiv sprechen zu lassen und das finale Produkt so wenig wie möglich zu manipulieren.

Wer gerne sein Italienisch auf Vordermann bringen will, kann Corrados Werdegang und Gedanken zum Thema Wein ihn Buchform nachlesen. Non è il vino dell‘ enologo war in Italien ein erstaunlicher Erfolg und lohnt sich. Und wer sich dazu durchringt, beizeiten mal in die Marken aufzubrechen, findet bei ihm perfekte Übernachtungsmöglichkeiten. Cupramontana ist zudem Heimat von Alessandro Bonci von La Marca di San Michele und auch Alessandro Feninos Weingut Pievalta und die Fattoria San Lorenzo sind nicht weit.

Gli Eremi

Dichtung: Nussige Noten stehen auf der einen Seite, Blütennoten auf der anderen Seite und schlägt man noch eine dritte Seite auf, steht dort das Wort Pfirsich geschrieben. Am Gaumen matchen sich Salz und Steinobst, der Wein hat Tiefe, Substanz und Kraft, die in gut tragender Säure bestens aufgehoben sind. Toller Trinkfluss. Jung gerade mal sehr gut, in ein paar Jahren vermutlich einer jenen Weine, die man nicht so leicht vergisst.

Wahrheit: Verdicchio per sempre. Es gibt nicht viele weiße Sorten, die so viel Potenzial haben. Die Aromen sind vielschichtig, der Körper ist, wenn gut gemacht, dicht und präsent, die Säure puffert und zudem scheint Verdicchio auch die Fähigkeit zu haben, ihr Terroir (sei es nun in den Marken oder als Trebbiano di Soave im Veneto) widerzuspiegeln. In diesem Fall ist es das von Kalk dominierte Terrain der Einzellage Gli Eremi, die Rebstöcke dort wurden von Corrados Großvater in einer kühlen, windigen Mulde gepflanzt, die Erträge sind niedrig. 10% der Trauben werden mazeriert, der Ausbau erfolgt über die ersten sechs Monate auf der Hefe in Holzfässern, danach übersiedelt der Wein für die gleiche Zeit in einen Stahltank und für ein weiteres halbes Jahr in der Flasche.

Terre Silvate

Dichtung: Wie schon bei La Distesas Eremi kommen hier vorerst weiße Blüten durch, dazu gibt es auch noch feine Kräuernoten und ein Tick Honig. Der verschwindet am Gaumen, wo sich dafür ein wenig Frucht dazugesellt. Die Textur ist griffig, saftig und (für einen Einstiegswein) erstaunlich dicht, die Säure zurückhaltender als beim Eremi.

Wahrheit:

Die Terre Silvate erstrecken sich um Cupramontana, wo in drei Parzellen die Basis für Corrados Einstiegswein wächst. Das ist zum größten Teil auch hier Verdicchio, doch wird der im Terre Silvate immer von ein wenig Trebbiano und Malvasia ergänzt. Die Vergärung startet spontan, die Temperatur wird reguliert (ca. 20°C), der Ausbau erfolgt auf der Hefe und zieht sich über ein halbes Jahr, das Behältnis ist Edelstahl. Selbst Corraodos Basiswein hat Potenzial für Jahre, wobei hier die Jugendlichkeit eine zusätzliche qualitative Komponente darstellt.

Nur

Dichtung: orange, Orange, Honig, trocken, Kräuter, saftig, lang, dicht, lebendige Säure, feiner Gerbstoff

Wahrheit: Der Nur (arabisch: Licht) kommt von einer Einzellage in San Michele (einem Bezirk Cupramontanas) besteht allerdings aus drei Rebsorten: Trebbiano, Malvasia und Verdicchio. Der Boden ist ton– und kalkhaltig, der Hang südlich exponiert und windgeschützt. Die Reben werden im Guyot-System erzogen, der Ertrag ist niedrig und liegt bei ca. 3500 Kilo/Hektar. Der Most wird für ca. 10 Tagen auf den Schalen vergoren und landet danach für ein Jahr in französischen Eichenfässern (gebraucht)

Die Weine von La Distesa gibt es bei vinonudo in Wien.

Wer mehr über handwerklich gefertigte italienische Weine erfahren will und dem Weinbauer den Vorzug vor der Weinindustrie gibt, kann sich gerne auf www.vinoeterra.com umschauen.

There are no comments yet, but you can be the first



Leave a Reply