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Seitenzahl: 269 Seiten
ISBN: 0520265637
Verlag: University of California Press (15. September 2011)
Sprache: Englisch

Jamie Goode und Sam Harrop machen sich auf die Suche nach dem, was authentischen Wein ausmacht und liefern ein Buch ab, das (in logischer Konsequenz) tief in die Welt der Naturweine vordringt. Schon im Vorwort konstatieren sie, dass sich die Weinwelt an einem Scheideweg befindet und zeichnen ein doppeltes Szenario. Zum einen, das einer homogenen, industrialisierten von den großen Brands dominierten Weinordnung, in dem sich die authentischen Weine in einer kleinen Nische wiederfinden. Doch schmeißen sie die Flinte nicht gleich ins Korn und setzen dem Negativ ein Positiv gegenüber, das getragen von einem zur Vernunft gekommenen Weinhandel Diversität und Nachhaltigkeit zelebriert.

Was auf den folgenden 250 Seiten folgt, ist ein detaillierter Blick darauf wie man dieses Ziel erreichen kann und was authentischen bzw. natürlichen Wein auszeichnet. In wenigen Zeilen zusammengefasst, liest sich das so:

          So wenig Intervention wie möglich, d.h. wiederum so natürlich wie möglich

          Ein bewusster, gelebter Terroirgedanke, der die Beobachtung und das Verständnis der eigenen Weingärten voraussetzt.

          Nachhaltiges Wirtschaften mit umweltverträglichen Techniken.

          Perfekte Reife der Trauben (und damit meinen die beiden vor allem auch das Vermeiden überreife Trauben zu lesen und damit unbalancierte, weil extrem alkoholische Weine zu produzieren.)

Im Großen und Ganzen finden sie sich damit im Gedankenkosmos der meisten Naturweinwinzer wieder und so widmen die beiden auch lange Passagen ihres (exzellenten) Buches wesentlichen Komponenten des natural wine makings: ein Kapitel geht detailliert auf den biodynamischen und biologischen Weinbau ein, klärt über die Unterschiede der beiden Methoden auf und liefert eingehende Interviews und Beispiele. Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Begriff des Terroirs, zitiert dabei wesentliche Figuren der Weinszene und liefert zudem überzeugende und wissenschaftliche fundierte Beispiele für seine Ambivalenz. Spannend ist das Kapitel über den Sinn und Unsinn diverser Manipulationen und die Reflexionen über den Einsatz von SO₂ (den sie zwar recht offen  empfehlen allerdings auch deutlich machen, dass sie exzellente schwefelfreie Weine im Laufe ihrer Recherche probiert haben). Die Wichtigkeit von Hefen schildert ein weiteres, ausgezeichnetes Kapitel und wer bis jetzt die Meinung vertreten hat, dass man dieses Thema marginalisieren kann, sollte mit diesem Kapitel anfangen.

All das und noch viel mehr findet man in einem Buch, dass sehr überzeugend die Notwendigkeit authentisch produzierten und ebenso schmeckenden Weins schildert. Jamie Goode ist übrigens einer der brillantesten Köpfe der englischen Kritikerszene und schreibt seit Jahren in seinem blog wineanorak über die wirklich interessanten Aspekte des Weins. Sam Harrop ist MW und war mit Tom Lubbe der Begründer der Domaine Matassa (die er allerdings aufgrund unterschiedlicher Auffassungen in der letzten Konsequenz der Weinproduktion (no sulfites, no filtering) verließ).