Unterwegs zu sein, Winzer, ihre Herangehensweisen, Rebsorten, Weinstile und Regionen zu besuchen, kennenzulernen oder neu zu erfahren macht meistens mindestens so viel Spaß, wie die Weine selbst. Lernen tut man außerdem was dabei. Vieles zielt dabei darauf ab, die eigenen Erfahrungswelten zu erweitern, seien sie nun menschlicher, önologischer oder sensorischer Natur. 

Hinzu kommt, dass die Welt der guten Winzer keine statische ist, vielmehr wird dem Experiment Platz eingeräumt, es herrscht Bewegung; es gibt keine end- und allgemeingültigen Rezepte, dafür eine riesige Menge beeindruckender Individualisten, deren Herangehensweisen oft eigenwillig und deren Resultate oft speziell sein mögen – spannend sind sie allemal. 

Begegnungen in Österreich

Grabenwerkstatt – Michael Linke & Franz Hofbauer (Wachau)
Alexander Koppitsch (Neusiedl)
Herbert Triebaumer (Rust)
HP Harrer (Neusiedl)
Michael Wenzel (Rust)
Eduard Tscheppe – Gut Oggau (Oggau)
Hannes Schuster (Sankt Margarethen)
Andreas & Hans Gsellmann (Gols)
Georg Schmelzer (Gols)
Hans Czerny (Fels am Wagram)
Michael Andert (Pamhagen)
Christian Tschida (Illmitz)
Martin Lichtenberger & Adriana Gonzalez (Breitenbrunn)
Sepp Muster (Leutschach)
Roland Tauss (Leutschach)
Claus Preisinger (Gols)
Judith Beck (Gols)
Martin Muthenthaler (Elsarn)
Andreas Tscheppe (Glanz)
Ewald Tscheppe (Glanz)
Matthias Hager (Mollands)
Christoph Heissenberger (St. Andrä)
Karl Schnabel (Gleinstätten)
Birgit Braunstein (Purbach)
Martin Diwald (Großriedenthal)

Grabenwerkstatt

Hoch oben in den Hängen des Trennings, der höchsten Weinriede der Wachau, erzählt Michael Linke, dass die Idee für die Grabenwerkstatt erstmals in Neuseeland konkrete Form angenommen hätte. „Bei Pyramid Valley Vineyards“, ergänzt Franz Hofbauer. Auf dem längst zu Kultstatus gekommen Weingut auf Neuseelands Südinsel, erlebten die beiden 2013 ihren kathartischen Moment – jene wunderbaren Minuten und Stunden, in denen man schlagartig weiß, was die Zukunft bringen soll. Nach Monaten in einem Bus, mit dem sie quer durch die Weiten Australiens…weiterlesen

2014-11-22 12.04.17

Dass man Orte wie Pamhagen kennenlernt, ist Privileg und Nebeneffekt meines Berufs. Pamhagen ist dort, wo Österreich aufhört und Ungarn anfängt; einer dieser Orte, die man nur dann kennenlernt, wenn einem das Benzin ausgeht, während man nach Fertöd zum Zahnarzt oder ins Schloss fährt oder Ornithologie zu seinen Passionen zählt. Würde ich also nicht so gerne Wein trinken (und darüber schreiben), Pamhagen hätte mich nie gesehen. Und ich hätte Michael Andert nicht kennengelernt. Ich hätte definitiv etwas verpasst…. weiterlesen

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Über die  Kuppe, auf dem das Haus Graf, das Weingut der Musters steht, bläst der Wind. Wieder sind wir – wie schon bei Andreas Tscheppe – ganz oben, um uns herum legen sich, teilweise steil abfallend und in diversen Expositionen die Weingärten. Terrassen sind in der Steiermark unüblich, und so öffnet sich der durchgehend bepflanzte Weingarten in all seiner Weite. Tausende Rebstöcke liegen vor uns, und Sepp Muster kennt sie alle. Glaube ich zumindest, und je länger ich ihm zuhöre, desto sicherer bin ich mir… weiterlesen

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Gelegentlich macht es Sinn sich den dramatischen Ereignissen gleich am Anfang zu widmen. Dann kann man sich den positiven Aspekten in aller Ruhe zuwenden – ohne wesentliche Brüche und in aller Ausführlichkeit. Das habe ich von Martin Lichtenberger und Adriana Gonzalez gelernt – dem famosen österreichisch-spanischem Gespann – die mich an einem idealen Breitenbrunner Novembernachmittag ins Auto gepackt und auf den Vorderberg gekarrt haben… weiterlesen

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Manchmal drängt die Zeit (weil man zu lange mit anderen Winzern herumgehockt ist). Dann ist es gelegentlich das Beste direkt in den Keller aufzubrechen. Internationale Gäste mögen sich diesbezüglich etwas zieren, haben doch österreichische Keller generell nicht die beste Reputation aber letztlich ist natürlich alles eine Frage der Keller. Einer der empfehlenswertesten (und nicht nur deshalb, weil er ebenerdig ist) steht in Illmitz und gehört Christian Tschida… weiterlesen

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Das Weingut von Alice und Roland Tauss ist in der Zwischenzeit demeterzertifiziert – doch ist das letztlich nur die offizielle Bestätigung eines beeindruckenden Projekts. Denn abgesehen von einem dezidiert organischen Weinbau, betreiben die beiden ein Winzerhaus mit Gästezimmern, das ihre Überzeugungen ebenso deutlich manifestiert wie ihre Weine und zumindest in Österreich Vorbildfunktion in Sachen Nachhaltigkeit offeriert…. weiterlesen

Matthias Hager

Die Weinbeisserei ist in mehr als einer Hinsicht ein beeindruckender Ort. Wandert man von Schönberg am Kamp hinauf in Richtung Mollands, sitzt sie quasi kastellartig am Hügelkamm (eine Institution eben) und ist man erstmal oben und auf ihrer Terrasse angelangt (problemlos der schönsten in ganz Niederosterreich) schaut man weit in eine Landschaft, die seit Generationen zutiefst vom Wein geprägt ist… weiterlesen

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Ein Tag im Sommer 2013. Wir kommen aus dem Süden, von den Opokhügeln um Leutschach, wo Österreichs beste Sauvignons, Muskateller (es gibt wirklich gute) und Chardonnays ihre Heimat haben und steuern, keine 30 Kilometer entfernt, die Schieferwelt des Sausals an, eine Welt, in der sich die Steiermark plötzlich rot färbt – Karl Schnabel sei Dank. Seit einem guten Jahrzehnt sorgt der diplomierte Agrarökonom für eine Umwertung klassischer steirischer Werte…. weiterlesen

Christof Heissenberger 1

„Der Patriarch war ein Pionier für Bioweinbau in der Steiermark“, erzählt Christof Heissenberger, während er ein paar Gläser auf den Holztisch stellt. Ganz entspannt dürfte das Verhältnis zwischen Heissenberger und dem Patriarchen, dem in der Zwischenzeit zur Legende gewordenen Franz Hirschmugl wohl nicht gewesen sein. Doch auch von Patriarchen kann man fraglos lernen. Und so setzte Heissenberger fort, was Hirschmugl begonnen hatte, freilich unter Vorzeichen, die er radikal veränderte…. weiterlesen

2014-11-12 14.30.31

In den Colli Euganei ist es spürbar Herbst geworden. Es regnet in Strömen. Paolo Brunello kann das prinzipiell egal sein, die Trauben sind seit einem Monat in den Fässern und Bottichen – allerdings, meint er, sei es während des Jahres oft ähnlich gewesen wie heute. Nicht nur in Österreich war es also nass, wobei die Dimensionen definitiv andere waren. Die Gradation blieben zwar auch hinter den Jahresmitteln zurück aber das ist bei meist um die 14% Alkohol kein dramatisches Manko… weiterlesen

2014-10-31 15.22.10

Es ist nie zu spät oder fürchtet euch nicht, wie die Freunde vom „Weinskandal“ predigen, war das Motto des gestrigen Tages. Also habe ich Mama ins Auto gepackt und wir sind hoch in die Colli Euganei, hinauf zu Marco Buratti gefahren, den wohl radikalsten Proponenten des Naturweins jenseits des Sausals (und Karl Schnabels phänomenale Interpretation des Begriffs). Am Anfang des Tages kämpften wir uns die Serpentinen der Colli Euganei hinauf, einem geologischen Sonderfall inmitten der Po-Ebene…. weiterlesen

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Über den Purbacher Teil des Leithagebirges bläst frischer Wind, während die Sonne den Boden wärmt und Birgit Braunstein ein paar unnötige Blätter von den Weinstöcken zupft. Hier oben herrscht eine gewisse Idylle, die sich noch verstärkt, wenn man den Blick über den See schweifen lässt und vermutlich irgendwo in der Ferne Ungarn sieht. Der See dominiert das Burgenland, den Wein, die Kultur, die Aussicht.Doch sind dem See auch Kontrapunkte entgegengesetzt und einer davon ist das Leithagebirge… weiterlesen

Begegnungen in Italien

Cristiano Guttarolo (Apulien)
Marco Sambin (Veneto)
Alfonso Soranzo (Veneto)
Francesco Guccione (Sizilien)
Luciano Saetti (Emilia Romagna)
Denny Bini (Emilia Romagna)
Vittorio Graziano (Emilia Romagna)
Filippo Manetti (Emila Romagna)
Paolo Francesconi (Emilia Romagna)
Vanni Nizzoli (Emilia Romagna)
Francesco Maule (Veneto)
Davide Spillare (Veneto)
Stefano Menti (Veneto)
Marco Buratti (Veneto)
Paolo Brunello (Veneto)
Filippo Filippi (Veneto)
Castello di Lispida (Veneto)
Lorenzo Mocchiutti (Friaul)
Matej Skerlj (Friaul)
Christian Kerschbaumer (Südtirol)
Josef Unterfrauner (Südtirol)

Begegnung in Slowenien

Andrej Kristancic

Dennz Bini & seine Schaumweine

Luciano Saetti hat es nicht leicht, doch trägt er sein Schicksal mit Würde und Gelassenheit. Saetti wurde vor etwas mehr als 50 Jahren in der Ebene nördlich von Modena geboren, mitten hinein in eine Welt, deren Lebenselixier vielen den kalten Schweiß auf die Stirn treibt, wenn sie den Namen nur hören: Lambrusco. Mit ihm verbinden sich jugendliche Exzesse und Kopfweh, klebrige Süße und schale Morgenstunden. Bei Lambrusco fallen sogar klassische Weisheiten wie die, dass man über Geschmack nicht streiten kann…. weiterlesen 

Francesco Guccione - Sizilien

Das Ziel war Favignana, eine Insel im äußersten Westen des sizilianischen Westens. Transparentes Meer, ein Haufen Bücher, Fische direkt von den Fischern. Wein findet man in der Regel an solchen Orten nicht und einem Großteil der Menschheit ist das berechtigterweise völlig schnurz. Mir halt nicht. Und nachdem wir ohnehin davor eine Woche Festlandsizilien eingeplant hatten und Francesco Guccione nur 35 Kilometer von Palermo (grande Palermo – doch davon ein andermal an einem anderen Ort) lebt…. weiterlesen

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Im Verhältnis zur Rebfläche hat der friulanische Karst vermutlich die weltweit größte Dichte an brillanten Winzern: Paolo Vodopivec, Benjamino Zidarich, Sandi Skerk oder Edi Kante kennt jeder, der von Zeit zu Zeit mal Veltliner und Riesling ins Eck stellt und sich stattdessen über Vitovska und Malvasia hermacht. Matej Skerlj kennt nicht jeder aber das wird sich so sicher ändern wie der Mythos, dass man aus mazerierten Weinen weder Herkunft noch Rebsorte rausschmecken kann…. weiterlesen

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Vanni Nizzolis Cinque Campi, seine fünf Felder liegen am Fuße des Apennins, nicht weit von Reggio Emilia entfernt, der Hochburg des Parmesans und noch einiger anderer köstlicher Sauereien. Gnocchi zum Beispiel sind hier und im Umkreis von ca. 50 Kilometern besser als irgendwo sonst auf der Welt, Steinpilze gibt es so viele, dass sie einem als Begleiter zu den Antipasti einfach glasweise auf den Tisch gestellt werden und Ravioli möchte man hier auch nicht missen und tut es auch nicht…. weiterlesen

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Gols wurde also zum Ziel. Vom Bahnhof ging es sukzessive flach bergauf, in der Goldberggasse bog ich nach links und 500 Meter später stand ich dann mitten in den Reben, aus denen einzig und alleinClaus Preisingers dort geparktes Raumschiff herausragt. Das hat er sich 2009 zwecks Vinifikation seiner Weine zwischen Zweigelt und Blaufränkisch gesetzt und zwar in einer Dimension, dass er selbst im Weltall damit auffallen würde. „10 Jahre habe ich auf engstem Raum gearbeitet … weiterlesen 

judith-beck

Der Weg zu Judith Beck führte am Salzberg entlang und dort, wo ich eine Mikrolage vermutet hatte, zogen sich über gut und gerne einen Kilometer unzählige Rebreihen dahin. Viel Blaufränkisch aber noch mehr Merlot. Was der genaue Grund dafür war, dass man damit zig Hektar bestockt hat, habe ich leider vergessen, Judith zu fragen – sie selbst hat ihn gerade aus ihren Weingärten verbannt und somit gab es den „Judith“ zum ersten Mal als klassisch österreischische Cuvée mit Blaufränkisch und St. Laurent als Partner… weiterlesen

Nando

Das Wetter, das uns über die slowenische Grenze bis zu Andrej Kristancics Weingut begleitete war so schlecht wie schon den ganzen Tag. Also war es dann auch gleich Thema. Zuerst litten wir also kollektiv mit dem slowenischen Osten, der gerade von einer Eisschicht überzogen wurde, die laut Andrej, 70% des slowenischen Baumbestandes von heute auf morgen ruiniert hat, danach dann mit ihm, als er uns erzählte, dass Anfang Juli 2011 ein zehnminütiger Hagelschlag die Arbeit eines ganzen Jahres zerstört hat…. weiterlesen

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Vier der sechs Hektar befinden sich am Ronco Pitotti, einer 1993 gepachteten Fläche, die noch immer von den eigentlichen Besitzern bewohnt wird. Zu ihren Füßen erstreckt sich eine einheitliche Weinbergsfläche, die als erste des Friauls biologisch zertifiziert wurde und über deren Eigenheiten Lorenzo detailliert Auskunft gibt. In wenigen Worten zusammengefasst liest sich das so. Ziel ist es, ein perfektes ökologisches Gleichgewicht herzustellen, wobei man von den Erfahrungen der Vergangenheit bestens lernen konnte…. weiterlesen

davide spillare1

Von La Biancara und den Maules ist es nur ein Katzensprung zu Davide Spillare aber ohne Francescos (Maule) Hilfe wäre es mir ziemlich unmöglich gewesen ihn zu finden. Davides Weingut ist mitten im Dorflabyrinth von Gambellara. Vor seinem Haus herrscht reges Treiben, da Davide gerade dabei ist, seinen eigenen Keller zu bauen. Bis jetzt ist das eher ein Provisorium, eine Art Garage, in der das produziert wird, was man ursprünglich wohl Garagenwein nannte. In seiner Garage, anders als in denen von Saint Emilion stehen weiterhin Bastflaschen… weiterlesen

La Biancara

Lässt man Soave und Monteforte d‘ Alpone hinter sich, so begibt man sich in önologisches Niemandsland. Gambellara stellt vermutlich selbst für die belesensten und erfahrensten Weintrinker ein großes Fragezeichen dar. Kurz sei also gesagt, dass man sich noch immer auf Vulkangestein bewegt und man unter Pergoladächern Garganega und Trebbiano di Soave beim Wachsen zuschaut. Parallelen tun sich auf, doch auch Unterschiede, die aber vor allem individuellen Konzeptionen geschuldet sind. … weiterlesen

menti-giovanni

Stefano Menti bewahrt sich eine gewisse Unabhängigkeit. Er gehört nicht zu vinnatur. Es scheint ihm eher unangenehm, in das Korsett einer Gruppe geschnürt zu sein, auch wenn er eigentlich sämtliche Grundsätze teilt. Auch die der Symbiose traditioneller Techniken verbunden mit den Wagnissen permanenter Experimente. So werden seine Weine vor der Gärung möglichst kühl gehalten, um dadurch auf den Einsatz jeglicher chemischer Mittel verzichten zu können. Die Gärung selbst wird dann allerdings nicht mehr kontrolliert. … weiterlesen

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Die Colli Euganei gehören zur terra incognita Italiens. Selbst geeichte Weintrinker können mit den Hügeln südlich von Padua oft wenig anfangen, was unter anderem daran liegen mag, dass es dort ausnahmsweise mal keine lokale Leitsorte gibt. Merlot gibt den Takt vor, und wo die wurzelt, können Cabernet S. und F. nicht weit sein. Ergänzt wird all das von Sangiovese, Tokai, Barbera, Moscato, Riesling usw., kurz ein eigenwilliges Sammelsurium an Rebsorten, von denen man vermutet, dass sie woanders besser wachsen und schmecken…. weiterlesen

Martin Muthenthaler

Im Falle von Martin Muthenthaler lohnt es sich  ein stetiges Update durchzuführen. Zum einen, weil ohnehin jeder Jahrgang anders ausfällt, zum anderen weil gerade in Muthenthalers Fall stets Neues an Ideen hinzukommt. Oder auch auch mal eine neue Lage. Die heißt in dem Fall Brandstatt, doch gibt es von dort noch keinen Wein sondern nur Erzählungen. Denn noch muss dort oben – an einem der steilsten Stücke der Wachau terrassiert werden, Trockensteinmauern müssen aufgeschichtet, Rebstöcke gepflanzt werden…. weiterlesen

garlider

Sommer im Eisacktal. Es regnet. Die Temperaturen pendeln zwischen 10 und 12 °C und oben, in Feldthurns, ein paar hundert Meter über Klausen, ist es dann nochmal ein bisschen kälter. Christian Kerschbaumer scheint das egal zu sein, er stapft uns im T-Shirt entgegen und fragt uns gleichmal, ob wir Lust haben ihn in den Weingarten zu begleiten. Zwischen ein paar Reihen Silvaner-Rebstöcken erfahren wir gleichmal Essentielles. Kerschbaumer ist Naturweinproduzent, nicht deklariert aber dezidiert, Bio aber kein Biodynamiker…. weiterlesen

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Die Feldthurner Berge sind die Heimat von gleich drei bemerkenswerten Winzern (Garlider, Radoar), die aus teilweise unterdurchschnittlichen Rebsorten (Müller-Thurgau, Kerner) beeindruckende Weine keltern. Alle drei arbeiten biologisch, teilweise biodynamisch und der erste zu dem ich hinaufgetreten bin, Josef Unterfrauner vom Zöhlhof, sogar bio-homöo-dynamisch. Da ich selbst nicht die geringste Ahnung hatte, was das eigentlich sein soll, hier in aller Kürze die Erklärung von Josef … weiterlesen

andreas T

Andreas traf ich das erste Mal am Bahnhof von Ehrenhausen. Seiner Ansicht nach der perfekte Ausgangspunkt, um in die Weinwelt der Steiermark einzutauchen. Wir schlugen nicht den direkten Weg nach Leutschach ein, sondern wählten die Hügel, die Weinstraße, die Strecke vorbei an Grenzpflöcken und Rebstöcken. Wir passierten ein paarmal die slowenisch-steirisch Grenze und während wir uns als physische Grenzgänger erwiesen, erzählte mir Andreas über das Leben als Grenzgänger zwischen den hiesigen Weinwelten…. weiterlesen

werlitsch

Anders als sein Bruder hat Ewald Tscheppe seine 9 Hektar Weingärten quasi komplett rund um seinen Hof. Das gibt uns dann auch gleich die Möglichkeit wieder bergauf zu stapfen – unter blauem Himmel und bewaffnet mit einem Spaten, um dem biodynamischen Bodenleben auf die Spur zu kommen. Der Boden hat an sich elementare Bedeutung im Weinbau, bei den fünf Winzern nimmt das Wort, die Substanz, ihre Struktur, das Leben darin, allerdings nochmals eine neue Dimension an…. weiterlesen

filippo filippi

Soave mit dem Fahrrad zu erkunden, birgt Überraschungen. Man nimmt Dinge wahr, die einem im Auto verborgen bleiben. So kann man die Steilheit des Geländes am eigenen Leib spüren und und staunt über die sich über hunderte Höhenmeter hinziehenden Einzellagen. Bösartig ist dabei die Tatsache, dass auch die Winzer direkt in und an ihren Weingärten leben und ganz besonders hart ist dabei die Anfahrt zu Filippo Filippi. Er bewirtschaftet die höchsten Lagen in der ganzen Region biodynamisch …. weiterlesen

Filippo

Wer sich auf der Autobahn zwischen Venedig und Florenz befindet und zu früh dran ist oder doch keine Lust auf die Uffizien, David und Schlangestehen hat, der kann bei Bologna einen Schlenker in Richtung Osten machen, bei Faenza einmal rechts abbiegen und dann weiter hinein in die Colli Romagnoli fahren. Nach ein paar Kilometer kommt man nach Brisighella, was für sich schon eine Reise wert wäre und wer sich dann schon mit den romagnischen Hügeln angefreundet hat, der sollte weiter zu Filippo Manetti fahren… weiterlesen

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Über ein paar Geländekuppen, kreuz und quer durch kreuz und quer angelegte Weingärten geht nach Großriedenthal, zu den Diwalds, von denen kürzlich ein Winzer meinte, dass Hans, der ältere Diwald, der Che Guevara des österreichischen Bioweinbaus ist. Und das war definitiv bewundernd gemeint. Der junge Diwald hat zumindest schon mal die Haare des jungen Che. Und seine Energie. Bevor wir ins Auto springen, um in die Weinberge zu fahren, geht es deshalb erstmal hinters Haus…. weiterlesen

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Die Welt der Bioviticultori ist auf den ersten Blick überschaubar: ihre knapp 50 ha Rebflächen ziehen sich fast durchgehend das Val di Lamone hinauf und insgesamt gibt es ganze sechs Winzer, die sich in der Gruppe zusammengefunden haben. Der zweite Blick sagt freilich anderes: die sechs verfügen insgesamt über gut und gerne 20 Rebsorten (wobei sie auch Sorten (re)kultivieren, die es weltweit nur noch in ihren Weingärten gibtAndrea Bragagni setzt beispielsweise Famoso mit seinem Bubo Bubo ein Denkmal… weiterlesen

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In die Colli Euganei aufzubrechen lohnt sich eigentlich immer. Die Dichte an exzellenten Trattorien, wo man für ein paar Euro selbstgemachte Pasta bekommt, konkurriert mit der Casinokonzentration in Las Vegas und die alten Vulkankegel mitten in der Poebene stehen ähnlich unvorbereitet in der Landschaft wie die Felsbrocken im Monument Valley. Zumindest eigenwillig ist zudem die Tatsache, dass gleich zwei der vier Winzer, die an den Hängen und Kuppen der Vulkane außergewöhnliche Weine keltern, in einem früheren Leben exzellente Musiker waren… weiterlesen

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Alles Quereinsteiger. Winzer wie Reben. Die Colli Euganei sind eine steinalte Weinbauregion, in der schon die Römer zechten – und doch sind sie nach einer ausgiebigen Tiefschlafphase gerade erst in den letzten Jahren wiederentdeckt worden. An verschiedenen Punkten der Hügel haben sie alte Weingärten wieder instand gesetzt oder völlig neu ausgepflanzt. Alfonso Soranzo in Vó, Paolo Buratti in Baone und im Jahr 2002 Marco Sambin, der in Valnogaredo drei Hektar Weingärten mit Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah und Garganega bestockte… weiterlesen

Gsellmann 2

„Für diese beiden Weine hätte ich beinahe eigene Etiketten entworfen“, erzählt Andreas, der Sohn in der Genealogie des Weingut Gsellmanns. “Ach geh”, erwidert Hans, der Vater, “wir hatten eine laute Diskussion.” Die Weine, die beinahe zum Etiketten-Schisma geführt hätte, waren zwei Blaufränkisch vom Rosenberg und vom Spiegel.  Andreas Gsellmann wollte sie unbedingt und ungefiltert und ungeschwefelt in die Flasche entlassen, Hans Gsellmann wollte das nicht unbedingt. …. weiterlesen

Hannes Schuster  (Sankt Margarethen)
schuster 2

…Hannes Schuster kommt definitiv das Verdienst zu, ihn (St.Laurent) qualitativ auszuloten, was naheliegenderweise erstmal ein tiefes generelles Verständnis für die Rebsorte und seine natürlichen Prädispositionen voraussetzt – und auch die Tatsache, dass der St. Laurent wenig bis gar keine Konzessionen an den Winzer macht (und der Winzer möglichst keine an den Konsumenten). Sankt Laurent ist sensibel, im Weingarten und am Gaumen …. weiterlesen

Eduard Tscheppe – Gut Oggau (Oggau)
Gut Oggau

Unter dem Himmel hängt eine tiefe Wolke. Theodora ist das egal. Mir auch. Ich habe gute Gesellschaft und die kompensiert potenzielle Wolkenbrüche. Theodora ist das jüngste Mitglied in Eduard Tscheppes und Stephanie Eselböcks fiktiver Familie, wobei sie das nicht gerne hört. Jugendlichkeit wird zu oft als oberflächliche Fassade abgetan, für das was noch kommen mag. Sie insistiert völlig zu Recht auf einer charakterlichen Tiefe, die in ihrem Alter ganz sicher nicht viele derart selbstbewusst vertreten, gewinnt danach aber schnell wieder ihre Unbeschwertheit zurück….  weiterlesen

Cristiano Guttarolo – Apulien
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„Der Grund liegt im Boden“, meint Cristiano Guttarolo und löst damit die Frage auf, warum sein vitaler und säurereicher Primitivo einen solchen Kontrapunkt zu den üblichen – fetten, weichen und oft erschlagenden – Versionen einer Rebsorten darstellen, die im persönlichen Ranking ganz tief unten angesiedelt ist (wie auch der Negroamaro, den Cristiano ebenfalls kultiviert und aus dem er ebenfalls einen Gegenentwurf keltert)…weiterlesen

Michael Wenzel – Rust
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Ein entscheidender kultureller Aspekt des Naturweins kommt der Pflege und Wahrung lokaler und marginalisierter Rebsorten zu. In einer Zeit als man in Österreich vor allem in Richtung Westen schaute und den hiesigen Rebsortenspiegel um internationale Sorten erweiterte, schaute Robert Wenzel von Rust aus über den Eisernen Vorhang nach Ungarn und in die ampelographische Vergangenheit des Burgenlands. Statt Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah brachte er1984 Furmintedelreiser mit nach Hause … weiterlesen

HP Harrer – Neusiedl
HP in der Langen Ohn

Selbst die größten Lagenfetischisten innerhalb der österreichischen Weinszene dürften Schwierigkeiten haben die Lange Ohn zu orten. Hinter Jois gelegen, fällt sie relativ sanft in Richtung Neusiedl ab, wobei „das Lange“ im Namen in den Rebzeilen seine Rechtfertigung findet, das „Ohn“ dagegen ist in den linguistischen Umwälzungen der Jahrhunderte Verschütt gegangen. „Oben“, meint HP Harrer, „ist es karger, die Wurzeln treffen früher auf den Kalk“… weiterlesen 

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Rust an einem der heißesten Tage im August. Die Uhr zeigt 12:00 Mittags, über der Straße flimmert die Luft. Ein paar letzte Gelsen hat die Sonne weggebrannt. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Weinguts akkumuliert auf Hochtouren. In der Ferne bewegt sich ein Schatten und wenig später schießt Herbert Triebaumer in seinem Elektromobil aus dem Flimmern und spricht den unvergessenen ersten Satz: „Servas, schauen wir in die Weingärten.“... weiterlesen

Weingut-Koppitsch-Österreich-Weinberge

Der Nachmittag war schon fortgeschritten, als ich bei Maria Strohmayer und Alex Koppitsch ankam: zu spät, um noch einen Blick in die Weingärten zu werfen – das war zwar schade, hatte aber den Vorteil, dass wir uns mehr Zeit zum Kosten nehmen konnten, was sich allemal lohnte. Die beiden machen zwar erst seit 2011 ihre eigenen Weine, doch ist die Palette dafür und trotz der wenigen Hektar nicht gerade klein – und sie wird bei all den Experimenten, die entweder langsam Form annehmen oder noch in Planung sind, sicher nicht kleiner werden… weiterlesen

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Hans Czerny ist sichtlich im Stress. Er kommt gerade von draußen, möchte sich umziehen, muss aber noch eine Palette einfolieren und rauskarren, weil der Spediteur schon da ist… naja und ich bin auch schon da und das scheint im Czernyschen Selbstverständnis zu bedeuten, dass ich dringendst mit Wein versorgt werden sollte – gegenteilige Beteuerungen werden dezidiert ignoriert, auch wenn die Suche nach einem Glas und die Erklärung, dass der Frührote Veltliner im Wagram auf die Zeit des Limes zurückgeht, nochmals Zeit fressen…. weiterlesen

Begegnungen bei Verkostungen

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Maddalena Pasquetti ist eine lebhafte, lustige und enthusiastische Frau. Dabei ist sie allerdings auch von Prinzipien getrieben, die sie an den Mann bringen will und dafür bin ich ein bereitwilliges Opfer.Während sie mir einschenkt, erklärt sie auch gleich die Eckdaten des Weins, Sangiovese in purezza, 100% Vigna alla Sughera, spontanvergoren, keine Enzyme, keine Stabilisatoren, kein Konzentratoren, keine Schönungen, keine Filtration, kein Schwefel – ein großes Nichts also bzw. Sangiovese in purezza eben. … weiterlesen

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Der Tipp kam von Enrico, meinem Metzger, während er mir die Vorzüge weiblicher Kälberherzen („zwar nicht so geschmacksintensiv dafür weicher“ – Frauenherzen eben) auseinandersetzte. „Wenn du in Cerea bist, musst du zu Massa Vecchia. Du musst!“ Eigentlich muss Enrico nicht insistieren, ich traue seinem Urteil vorbehaltlos immer. Abgesehen davon, dass er der beste Metzger Ferraras ist (und der beste, den zumindest ich jemals kennengelernt habe), kennt er sich nämlich auch in der italienischen Naturweinszene fabelhaft aus…. weiterlesen

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Niccolò Magnelli ist der Prototyp des klassischen Toskaners. Vital, untersetzt und mit sämtlichen sprachlichen Eigentümlichkeiten versehen, die es schwer machen, ihn wirklich zu verstehen. Nachdem er allerdings auch gleichzeitig seine Weine sprechen lässt– er schenkt freizügig (vermutlich ein weiteres Attribut) seinen Rosso di Montalcino 2010 ein – hat man ein wenig Zeit, sich an seinen großartigen Dialekt zu gewöhnen…. weiterlesen

Am Ende eines langen Verkostungstages weiß man oft nicht mehr so recht wohin. Der Bahnhof ist nah, der Zug noch nicht da und um die Kraft ist es schlecht bestellt. Dann entscheidet man (ich) oft ein wenig irrational, nach Etiketten, nach Gesichtern, nach Regionen, die einem wenig und Rebsorten, die einem gar nichts sagen. Bei Poggio al Gello fiel gleich alles zusammen. Die Gesichter waren sympathisch, die Etiketten originell im angenehmen Sinne, die Region in der ihre Weingärten wurzeln, heißt Montecucco… weiterlesen