Das Wetter, das uns über die slowenische Grenze bis zu Andrej Kristancics Weingut begleitete war so schlecht wie schon den ganzen Tag zuvor, und den Tag davor und wie wir sehen sollten auch den Tag danach. Also war es dann auch gleich Thema – Wetter hat ja schon seine Bedeutung und für Andrej mehr als für uns. Zuerst litten wir also kollektiv mit dem slowenischen Osten, der gerade von einer Eisschicht überzogen wurde, die laut Andrej, 70% des slowenischen Baumbestandes von heute auf morgen ruiniert hat, danach dann mit ihm, als er uns erzählte, dass Anfang Juli 2011 ein zehnminütiger Hagelschlag die Arbeit eines ganzen Jahres zerstört hat. Trost fanden wir dann allerdings auch wiederum schnell, diesbezüglich hervorragend geeignet ist beispielsweise Andrejs Basisrebula (nur zwei Tage mazeriert), der mehr von Steinen und Steinobst, Salz und Saftigkeit erzählt als von den Unbilden der Meteorologie.

Andrejs Weingut Nando verdankt seinen Namen dem Urgroßvater, der schon vor mehr als hundert Jahren in einer Zone Wein pflanzte, deren Identität etwas diffus ist. Als Nando in die Erde des heutigen Goriska Brda seine ersten Rebstöcke setzte, grüßte man sich dort noch mit einem freundlichen Servus, das dann ab 1918 wiederum von einem nicht minder freundlichen Ciao ersetzt wurde. Bis in die vierziger Jahre hinein blieb das so, ehe das damalige Jugoslawien hundert Meter vor Andrejs Haus die Grenzbalken montierte und die Familie Kristancic vor ein gröberes Problem stellte. Zwar befand sich nun das Haus in Slowenien, der Großteil der Weingärten allerdings lag in Italien. Über Jahre hinweg war die Bewirtschaftung ein Spießrutenlauf durch die bürokratischen Institutionen und erst in den letzten Jahren Titos und der darauffolgenden Öffnung  der Grenzen hatte man es wieder leichter.

Heute bewirtschaftet Andrej sechs Hektar Weingärten, allesamt biologisch. Die Böden sind von Flysch dominiert,  der sogenannten Ponka, die sich durch die ganze Region zieht und den Weinen aufgrund ihres hohen Kalkanteils eine strenge und straffe Note mit auf den Weg gibt. Mindestens genauso wichtig wie der Boden ist, wie könnte es anders sein, das Klima. Das ist, laut Andrej genauso ambivalent wie das Wetter, zum einen beeinflusst das nahegelegene Meer, zum anderen die nahegelegenen Alpen – prinzipiell ist das natürlich keine schlechte Mischung, weder für die Leute, die dort leben, noch für die Rebstöcke. Sauvignon, ebenfalls in der Basisvariante (blue label), ist eine davon und befindet sich nun im Glas, gelb, dicht, rauchig , erdig und voller gelber Frucht, sensorisch meilenweit entfernt von den dünnen, vegetalen und bisweilen hyperaromatischen Versionen, die in der Zwischenzeit zum Sinnbild einer völlig falsch verstandenen Rebsorte aufgestiegen sind. Die beiden Einstiegsweine, die er deshalb separat vinifiziert, weil sie aus jungen Weingärten stammen, landen übrigens im Edelstahl, die Eticchette Nere, seine Top-Linie, 20 Monate in 500-Liter Holzfässern. Während wir dem Wetter zusätzlich mit einer Salami trotzen, machen wir uns an den Jakot, einem orangen Meisterwerk, eine Woche mazeriert und dabei frisch, vital und kraftvoll wie man es sich besser nicht wünschen kann. Langsam öffnen sich zudem die klassisch salinen Noten, dazu gesellen sich, Nüsse, Orangennoten und immer wieder Salami. Jakot-Tokaj ist keine einfache Sorte, die Schalen sind dünn, die Säure ist verhalten, der Jahrgang entscheidend. 2010 hat es offensichtlich gut mit ihr gemeint, der Wein ist ausgewogen, präzis, duftig und einladend.

Gleiches lässt sich allerdings auch über den Rebula sagen, der anders als der Jakot nicht nur eine Woche, sondern gleich 40 Tage lang alles aus seinen Schalen offeriert, was in ihnen an Aromen, Gerbstoff und Säure zu finden ist und das ist nicht wirklich wenig. Das braucht freilich auch noch, um sich im selben Gleichgewicht zu befinden wie sein Vorgänger. Der Wein ist, wie Andrej punktgenau bemerkte crudo, roh, ein Wein im Urzustand also und allein deshalb schon jeden Schluck wert.