Davide Spillare – klein und fein

Von La Biancara und den Maules ist es nur ein Katzensprung zu Davide Spillare aber ohne Francescos (Maule) Hilfe wäre es mir ziemlich unmöglich gewesen ihn zu finden. Davides Weingut ist mitten im Dorflabyrinth von Gambellara. Vor seinem Haus herrscht reges Treiben, da Davide gerade dabei ist, seinen eigenen Keller zu bauen. Bis jetzt ist das eher ein Provisorium, eine Art Garage, in der das produziert wird, was man ursprünglich wohl Garagenwein nannte. In seiner Garage, anders als in denen von Saint Emilion stehen weiterhin Bastflaschen und Weinfässer (kein Maserati oder zwei) und sein Lehrmeister heißt nicht Michel Rolland sondern eben Angiolino Maule. Als Davide 2006 begann eigenen Wein zu produzieren war er davor schon mit den Ideenwelten der Maules vertraut und so war es naheliegend, diese auch für sich zu adaptieren. Der Schnitt, der folgte war radikal. Vater und Großvater waren noch Lieferanten für die Genossenschaft und so war die spontane Umstellung auf Biodynamie kein simpler Schritt. Die Weingärten mussten sich von den jahrelangen Spritztouren der Spillare sen. erholen, doch sowohl die Rebstöcke wie auch die beiden alten Herren kamen zu der Einsicht, dass Davides Konzept das richtige war und ist.

Mit der Umstellung gingen auch ein paar Neupflanzungen einher, alles Garganega, alles in Guyot. Dort allerdings, wo die alten Rebstöcke gesund sind und tief wurzeln, pflegt er weiterhin seine Pergolen. Viel ist das insgesamt nicht, insgesamt 8000, manchmal 9000 Flaschen, doch das was Davide daraus macht, hat Hand und Fuß.

Der Bianco Rigoli ist so orange, dass er kaum als Weißwein durchgeht, hat Kräuter in der Nase und Pfeffer am Gaumen, ist lang und saftig und perfekt strukturiert.

Doch auch er berichtet ohne Umschweife von Fehlentwicklungen, anfangs waren seine Weine ein wenig reduktiv, doch das legte sich mit zunehmender Erfahrung. Und so holt er in der Zwischenzeit so ziemlich alles aus seinen Rebstöcken, was eben möglich ist.

Den Vecchie Vigne mazeriert er für einen Tag – der gibt sich jetzt floral, mit feinen Orangennoten, einer straffen Säure, harmonisch und elegant, und duftig – auch noch nach ein paar Minuten.

Davide Spillare ist, zumindest in unseren Breitengraden eine völlig unbekannte Nummer. Das wird sich fürs erste auch nicht ändern, denn bevor es Naturweine aus Gambellara in Wien gibt, ist vermutlich – ein Ökovergleich – ein Grüner Bundeskanzler. Macht nichts. Ihm nicht – er verkauft seine paar Tausend Flaschen in der näheren Umgebung und in Japan (!) und uns auch nicht, weil Gambellara nicht wirklich weit weg ist.

Davide hat dann auch noch einen Klassiker aus der Region zu bieten, eine Recioto spumante, dessen Trauben durch den Winter getrocknet wurden und dessen Gärung bei ca. 60-70 verbleibenden Gramm Zucker gestoppt wird. Danach macht er eine Flaschengärung durch, die bei 20 Gramm Restzucker endet und neben einer schicken Perlage, einem ziemlich barocken Körper und knackiger Säure, Haselnüsse, Mandarinen, Honig und kandierte Früchte aufträgt. Eine tolle Alternative mit/statt Weihnachtsgebäck.

Bleibt noch der Merlot zu erwähnen, der auf einem kleinen Fleck in der Ebene wächst und anfangs vor allem durch seine Kräuternoten punktet; dazu gesellen sich Kirschen und Pfeffer, das Tannin ist fein, der Körper wie schon bei den Weißen schlank, lang und elegant.

Alles in allem ist Davide große Klasse, definitiv einen oder mehrere Besuche wert und wie der Rest der hiesigen Winzer viel zu billig.

 

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