Der Weg zu JB führte am Salzberg entlang und dort, wo ich eine Mikrolage vermutet hatte, zogen sich über gut und gerne einen Kilometer unzählige Rebreihen dahin. Viel Blaufränkisch aber noch mehr Merlot. Was der genaue Grund dafür war, dass man zig Hektar mit dieser Allerweltssorte bestockt hat, habe ich leider vergessen, Judith zu fragen – sie selbst hat ihn gerade aus ihren Weinen verbannt und somit gab es den „Judith“ zum ersten Mal als klassisch kakanische Cuvée mit Blaufränkisch und St. Laurent als Partner – siehe Tasted.

Für letzteren brach sie dann auch sogleich eine Lanze und das mit gutem Grund: St. Laurent könnte sich mit seinen feinen, filigranen Aromen, seiner lebendigen Säure und seinen dezenten Zucker- ergo Alkoholwerten und einem trotzdem dichten und strukturierten Körper über die nächsten Jahre neben dem Blaufränkisch und dem Pinot als dritte große Sorte des Burgenlands etablieren (ich trinke zwar in den letzten Jahren immer bessere Zweigeltinterpretationen – grande MINIMAL von Niki M. und der Zweigelt Graf von Sepp M. – aber doch noch nicht so viel, dass ich ihn in schon zu dem genannten Trio dazuzählen würde). Zurück zum St. Laurent. Judith Beck vinifiziert ihn auch separat, die Trauben dafür stammen von der Schafleiten, einer auf sandigem Lehm basierenden kühl-windigen Riede, die dort wo der Salzberg aufhört, die Reihen über eine kleine Kuppe auf die Parndorfer Platte führt. Die Bewirtschaftung ist dezidiert biodynamisch, man setzt auf Hornmist und Tees und auf wenig Ertrag (ca. 3000 kg/ha) und auf dezente Gradationen, für die man aber nicht viel tun muss. „Keine Ahnung wie manche Winzer 14% Alkohol beim St. Laurent hinbekommen“, meint Judith, der Schafleiten lag selbst in warmen und trockenen Jahren wie 2009 & 2011 bei 12,5%. Vinifiziert wird übrigens wie schon bei Claus 1. via Spontangärung 2. durch die Bank in großen, kleinen, gebrauchten und neuen (wenig) Holzfässern, 3. quasi interventionsfrei (d.h. man lässt die Finger von Filtern und Bentonit, Enzymen und Eiklar etc.) 4. auf der Hefe, was speziell den Weißweinen eine kompaktere Textur gibt.

Die Weißweine, das sind zum einen ein brillianter Chardonnay mit dem leicht rebellischen Namen „Bambule“ und ein ausgezeichneter, dichter Neuburger. Über beiden kommen wir kurz auf zwei kleine Parzellen zu sprechen auf denen JB kupferfrei und homöopathisch arbeitet. Kupfer ist, auch wenn Viktor Schauberger das anders sah, die große Crux im Bio(dynamischen) Weinbau. Und auch wenn die eingesetzten Mengen immer geringer werden, so ist es doch stetes Argument der Agrarindustrie gegen den Bioweinbau. Der erstaunlich dreiste und in seinen Grundfesten auch dumme weil falsche Kommentar des Bauernbund-Chefs Jakob Auer (der ja eigentlich auch engagierter Repräsentant der Biowinzer sein sollte, meint JB), dass im biologischen Weinbau so viel Kupfer ausgespritzt wird, dass der Boden, würde man ihn entsorgen, Sondermüll wäre,“ liefert ein beredtes Beispiel mit welchen Anfeindungen man es zu tun hat.

Und weil der konventionelle Weinbau und die Agrarindustrie eben über eine riesige Lobby verfügen, der Bioweinbau und die klein strukturierten Winzer freilich nicht, probiert Judith Beck schon mal aus, was in absehbarer Zeit (wenn Kupferspritzungen verboten sein könnten) dann gängige Praxis werden könnte. Experimente sind also stets notwendig, im Weingarten wie auch im Keller. Der immer reduziertere Einsatz von SO₂ fällt da genauso darunter wie die langen Ausbauzeiten auf der Vollhefe. Letztlich beleben freilich das Spektrum immer individuellerer und charakteristischerer Weine und auch wenn die diversen Stile und Interpretationen schon jetzt zuweilen beeindruckend und spektakulär ausfallen, meint Judith Beck, „stehe sie erst am Anfang“.