Maddalena Pasquetti ist eine lebhafte, lustige und enthusiastische Frau. Dabei ist sie allerdings auch von Prinzipien getrieben, die sie an den Mann bringen will und dafür bin ich ein bereitwilliges Opfer.

Während sie mir einschenkt, erklärt sie auch gleich die Eckdaten des Weins, Sangiovese in purezza, 100% Vigna alla Sughera, spontanvergoren, keine Enzyme, keine Stabilisatoren, kein Konzentratoren, keine Schönungen, keine Filtration, kein Schwefel – ein großes Nichts also bzw. Sangiovese in purezza eben. Gebrauchte Holzfässer für ein paar Monate sind die logische Konsequenz, damit sich der Wein der natürlichen Umgebung anpassen kann, danach wird er in völlig neutrale Zementtanks umgefüllt, die der Reinheit des Sangiovese gerecht werden.

Natürlichkeit/Reinheit ist dann auch das große Schlagwort, das Maddalena gemeinsam mit Andrea Bargiacchi in ihren Weinen verwirklicht sehen will. Dabei hatten sie bei der Planung ihres Weinguts – I Mandorli (die Mandelbäume) gibt es erst seit 2003 – ein akribisches Konzept im Kopf. Sie wollten neue Rebstöcke setzen und zwar auf jahrzehntelang brachliegendem Land, auf unkontaminiertem Territorium, in einer lebendigen, von Mikroorganismen und Biodiversität geprägter Erde.

Der Vigna alla Sughera, benannt nach den Steineichen, die den Weingarten umschließen, ist für seine jungen Jahre ein kräftiger Zeitgenosse, doch stützt ihn klassische Sangiovesesäure, feines Tannin und, was schon überrascht, erste mineralische Noten. Alles in allem ist das alles dicht und druckvoll aber eben auch elegant. Maddalena scheint zumindest mit den mineralischen Noten glücklich zu sein und als ich dann frage, ob das Val di Cornia, so eine Art Brücke zwischen der Straffheit des Chianti Classico und der Opulenz der Maremma darstellt, findet sie das auch ganz gut. Und weil Bolgheri nahe und die Maremma nicht viel weiter entfernt ist, gibt es konsequenterweise auch einen zweiten Weingarten, der ausschließlich aus internationalen Rebsorten besteht, 70% Cabernet Sauvignon, aaargh, und 30% Cabernet Franc, yesss.

Dass die Weingarten biodynamisch bewirtschaftet werden sollen, war wesentlicher Bestandteil von Maddalenas Idee und da sich die Rebfläche auf die beiden Weingärten beschränkt (der Sangiovese schaut nach Süd-Osten, direkt hinein in die Morgensonne, der Cabernet nach Süd-Westen, hinaus aufs tyrrhenische Meer) hat man auch die Zeit wichtige Arbeiten entsprechend den kosmologischen Konstellationen zu gestalten. Das gehört eben dazu, meint sie und wenn es nichts hilft, schadet es ganz sicher nichts.

Zudem verwendet sie die klassischen 500er Präparate: Kamille, Baldrian, Löwenzahn etc. und reichert damit den jungen Boden an, denn und das ist wohl der wichtigste Aspekt in Maddalenas Konzeption, sie glaubt an die Diversität und Naturbelassenheit des Bodens. Und sonst? Sonst beobachtet sie, meint sie. Das ist das wichtigste. Sehen, was passiert – mit den Rebstöcken, den Trauben, dem Boden, dem Laub, mit allem, was den natürlichen Zyklus beeinflusst.

Im Glas mit den beiden Cabernets passiert über die Minuten einiges: feine Frucht macht dezenten Kräuernoten Platz und schließlich vereinen sie sich zu einer dichter, komplexen, vielfältigen Einheit, in der Lebendigkeit und auch eine gewisse Mittelmeerwärme den Ton angeben. Zwei Weine, beide exzellent und beide noch mit einem langen Leben vor sich.

Das Projekt „Mandelbaum“, von Maddalena Pasquetti und Andrea Bargiacchi hat zwar gerade erst begonnen, doch steht auch den beiden eine große Zukunft bevor.

Die Weine sind vorerst nur ab Hof zu bekommen und kosten jeweils € 26. Das ist zwar nicht billig aber eben doch jeden Cent wert.

Vigna alla Sughera: dicht, kompakt, kräftig, rote Beeren, Veilchen, intensiv, Salz (mineralisch) und Pfeffer (Sangiovese in purezza), perfekt strukturiert, saftig, lang, toll

Vigna al Mare: muskulös, massiv, engmaschiges Tannin, ein paar Johannisbeeren, die dann Kräutern Platz machen, elegant, druckvoll, jung toll, älter ganz sicher noch toller.

Toskanische Winzer

I Botri di Giacciaforte