Niccolò Magnelli ist der Prototyp des klassischen Toskaners. Vital, untersetzt und mit sämtlichen sprachlichen Eigentümlichkeiten versehen, die es schwer machen, ihn wirklich zu verstehen. Nachdem er allerdings auch gleichzeitig seine Weine sprechen lässt– er schenkt freizügig (vermutlich ein weiteres Attribut) seinen Rosso di Montalcino 2010 ein – hat man ein wenig Zeit, sich an seinen großartigen Dialekt zu gewöhnen.

In der Zwischenzeit erzählt Niccolò – und langsam kann ich seiner Geschichte auch besser folgen: die reicht ziemlich weit zurück, in die Urzeiten der Biondi-Santis, den Gründervätern des Brunello, von denen Simonetta Valiani, Niccolòs Frau abstammt. Die pflanzten dort, wo das junge Paar heute seine Weingärten besitzt, schon vor Generationen Sangiovese aus und glaubt man der Geschichte, so befand Franco Biondi Santi (Simonettas Großvater) einst, dass es speziell diese Lagen waren, die die ganz großen Riservas ergeben. Die sind interessanterweise in Richtung Nordosten exponiert, was den Weinen (und im speziellen der Riserva) eine beeindruckende Strenge und Straffheit mitgibt. Doch auch wenn vieles in Simonettas und Niccolòs Leben vorgezeichnet scheint, so setzten sie doch auch mit der Übernahme des Weinguts (18ha, von denen 7ha mit Sangiovese bestockt ist, der Rest sind Oliven und Wald) sofort wegweisende Akzente.

In kürzester Zeit stellten sie das Weingut auf Bio um und setzten damit auch auf eine andere Form der Bewirtschaftung: Begrünung und Kompost veränderten die Bodenbeschaffenheit, gezielte Selektion und eine Reduktion der Erträge sorgten für zusätzliche Substanz. Im Keller setzt man zwar nicht zur Gänze auf Tradition (es wird temperaturkontrolliert im Keller vergoren), viele Ideen jedoch könnten auch aus der Zeit von Großvater Franco stammen.

So bleibt der Wein nach der Gärung mindestens für 15 Tage auf der Maische und reift dann seelenruhig für viele Jahre in großen Holzbottichen. Zu dem Rosso gesellen sich dann auch noch zwei Brunelli, wobei die Riserva zwar der älteste Wein ist (2006) in seinem ganzen Verhalten allerdings der jüngste zu sein scheint. Alle Weine, inklusive dem Rosso haben ein Potenzial für Jahre, die Riserva sollte man entweder für ein paar Tage dekantieren oder frühestens in 10 (meine Meinung), 20 (Niccolòs Meinung) trinken. Wie auch immer. In allen Weinen steckt große Klasse und um Niccolò zu zitieren sono molto charatharistichi.

Brunello 2008: weich, elegant, komplex, fruchtpräzis, floral, kompakt, präsentes ziemlich kräftiges Tannin, intensiv und doch vor allem von filigranen Andeutungen geleitet, toll

Brunello Riserva 2007: un bebe, Schokolade, frisch, lebendig, von allem noch ein wenig zu viel, Säure, dass es kracht, Tannin dito, elegant, wie alle seine Weine, aber auch kraftvoll und mit mächtigen Hintergedanken, allerdings noch keine perfekte Einheit ( a prophet: in 10 Jahren vermutlich samtig, saftig, weich, rund und mit polyphonem Bouquet)

 

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