Alles Quereinsteiger. Winzer wie Reben. Die Colli Euganei sind eine steinalte Weinbauregion, in der schon die Römer zechten – und doch sind sie nach einer ausgiebigen Tiefschlafphase gerade erst in den letzten Jahren wiederentdeckt worden. An verschiedenen Punkten der Hügel haben die Entdecker alte Weingärten wieder instand gesetzt oder völlig neu ausgepflanzt. Alfonso Soranzo in Vó, Paolo Brunello in Baone und im Jahr 2002 Marco Sambin, der in Valnogaredo drei Hektar Weingärten mit Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah und Garganega bestockte.
Sambin ist eigentlich Professor für Psychologie an der Fakultät im 20 Kilometer entfernten Padua, doch laut eigenem Bekunden seit jeher immer auch mit einem Bein in der Natur zu Hause. Vor knapp 15 Jahren entdeckte er bei einem Ausflug in die Colli Euganei einen brachen Hang, der schon in der Früh von Sonne durchflutet wurde, kaufte ihn und beschloss seiner Tätigkeit als Dozent auch noch die des Nebenerwerbswinzer hinzuzufügen.
Manchmal verbindet er auch beides. So baute er ein Wirtschaftsgebäude in den Hang, in dem sich nicht nur ein Keller und Verkostungsraum sondern auch ein paar Räume mit Stockbetten befinden, die er die Wochenenden über seinen Studenten zur Verfügung stellt. Die können sich die nächsten Wochen über blühende Mandelbäume freuen, die im Dutzend die Weingärten umgeben und bereits im frühen März für ein ästhetisches Spektakel sorgen. „In ein paar Wochen übernehmen dann die Judasbäume und tauchen den Hang in ein tiefes Violett“, erzählt Marco, ehe er ausführlich über seine Weingärten zu sprechen beginnt.
Die Idee sie quasi komplett mit Bordelaiser Sorten zu bepflanzen, ist zum einen seiner Leidenschaft für die großen Weine des Bordeaux zu verdanken, zum anderen auch Guido Bussato, seinem Önologen, der ihm bei jeder Entscheidung mit Rat und Tat zur Seite steht. Zu guter Letzt haben Merlot und Cabernet Franc aber auch eine in der Zwischenzeit 200 Jahre alte Geschichte in den Colli Euganei und werden folglich als klassische Sorten der Region angesehen. Die Reben wurzeln in purem Kalk, was die Frage aufwirft, ob nicht Pinot Noir auch eine Option gewesen wäre. „Zu warm“, meint Guido, der sich in der Zwischenzeit dazugesellt hat, und verweist darauf, dass selbst Cabernet und Syrah, Jahr für Jahr problemlos ausreifen und bisweilen Gradationen aufweisen, die an der 15% Marke kratzen.
„Das Klima ist seit 2002 spürbar wärmer geworden und das man überhaupt ausbalancierte Weine in die Flasche kriegt, liegt an den Winden, die vom Monte Venta, dem höchsten der Euganischen Hügel runterblasen “, erklärt Marco. Die steigenden Durchschnittstemperaturen sind auch der Grund ist, warum die beiden bei neuen Auspflanzungen albarello-Erziehungen bevorzugen. Die Pflanzdichte liegt dabei wie im Bordeaux bei 8000-9000 Stöcken am Hektar, wobei jeder Stock gerade mal ein halbes Kilo Trauben liefert. Die Wirtschaftsweise ist seit jeher biodynamisch, wobei zusätzlich probiert wird, die Biodiversität durch bewusste Einpflanzungen von Hecken, Büschen und Bäumen zu fördern.
Im Keller wird, Bordeaux lässt abermals grüßen, zwar modern aber doch auch nach den durch die Trauben vorgegebenen Parametern gekeltert. Die Gärung startet spontan, verläuft jedoch temperaturkontrolliert, der Ausbau findet in erst- oder zweitbefüllten Barriques statt. Im Mittelpunkt von Marcos Anstrengungen steht alljährlich der marcus, eine Cuvée aus CS, ME, CF und Syrah. Dem Jahrgang wird dabei zwar stets Tribut gezollt, Ziel ist es jedoch generell einen konzentrierten und saftigen Wein in die Flasche zu bekommen. Das war 2013 kein großes Problem – und auch wenn der Wein noch nicht gefüllt ist, steht er doch bereits ausbalanciert und trinkfertig da. An Tannin mangelt es nicht, die Säure packt ebenfalls zu, sodass sich die dunklen Beerenaromen, die Kräuter- und Tabaknoten in einem beeindruckenden Korsett befinden. Viel besser kann man das Bordeaux jenseits des Bordeaux kaum wiedergeben. Richtig spannend ist auch der kleine Bruder, der (noch namenlose)  Zweitwein von Marco. Die Wucht und Kraft des marcus wird hier durch Lebhaftigkeit, Geradlinigkeit und Trinkfluss ersetzt und auch wenn es klar ist, dass der marcus die komplexere Variante der beiden Interpretationen ist, macht der kleine marcus mehr Spaß.
Spaß machen auch zwei andere Weine. Zum einen ein Rosato, der durch Saftabzug entstanden, Substanz, Salz und Klarheit in sich vereint und ein wildes Garganega-Experiment, bei dem erst ein paar Tage mazeriert wird, ehe der Wein für 10 Tag in Barriques verschwindet, um danach eine Zweitgärung durchzumachen und als spumante macerato zu enden. Leichtgewichtig, eigenwillig, und originell stellt er einen Kontrapunkt zu den klaren, kraftvollen und extrem präzisen Rotweinen aus Marco Sambins Keller dar.