Über Martin Muthenthaler habe ich schon mal geschrieben, doch lohnt es sich in seinem Falle ein stetiges Update durchzuführen. Zum einen, weil ohnehin jeder Jahrgang anders ausfällt, zum anderen weil gerade in Muthenthalers Fall stets Neues an Ideen hinzukommt. Und beizeiten auch mal eine neue Lage. Die heißt in dem Fall Brandstatt, doch gibt es von dort noch keinen Wein sondern nur Erzählungen. Denn noch muss dort oben – an einem der steilsten Stücke der Wachau saniert und terrassiert werden, Trockensteinmauern müssen aufgeschichtet, Rebstöcke gepflanzt werden. Alles in allem ein Megaprojekt, speziell dann, wenn man als Ein-Mann Unternehmen die Steine stemmt. Doch Muthenthaler ist zu jeder Zeit ein schier unerschöpflicher Enthusiasmus anzumerken. Dass bei all der Arbeit sein großartiger Heuriger dran glauben musste, ist die tragische Seite der Medaille.

Die Bruck/Spitzer GrabenKurz noch ein paar Daten. Ganze drei Hektar nennt Muthenthaler sein eigen, samt und sonders biologisch bewirtschaftet, allesamt in den Steilstlagen der Bruck und Schön beheimatet, und in der Brandstatt, der ultimativen Herausforderung an die Winzer, steil wie die Kitzbüheler Mausefalle. Peter Malberg hat dort mit der Restaurierung einiger Parzellen begonnen und Muthenthaler würde es seinem Freund von der anderen Seite des Grabens gerne gleichtun. Doch weiß er auch um seine Kapazitäten. Drei Hektar dieser Extremlagen sind fürs erste alles, was er allein bewirtschaften kann. Doch bei keinem anderen Winzer stehen die Zeichen so sehr auf Aufbruch wie bei Muthenthaler. Also träumt er, und das ist natürlich immer legitim. Von ein paar zusätzlichen Terrassen aber auch von wirklich wilden Weinen. Heute liegt er mit seinen subtilen, mineralischen, kompakten und feinziselierten Weinen schon im Trend der besten Grabenwinzer, doch schweben ihm noch ganz andere Dinge vor. Auf der Suche nach den ultimativen Weinen stolperte er über die maischevergorenen Rieslinge von Peter Jakob Kühn und die hypermazerierten Weißweine der friulanischen Karstwinzer. Seither geistern ähnliche Ideen durch Muthenthalers Kopf. „Einen Riesling auf der Maische durchvergären, das gab es noch nie in der Wachau. Doch irgendwann, wenn…“. Wir warten und trinken solange Muthenthalers Klassiker (in diesem Fall bei der Vievinum 2012)

Grüner Veltliner Wachauer Steillagen 2011: Muthenthalers Einstiegswein würde vielen Winzern zur Ehre gereichen. Hier geht es gleich zur Sache, wenn auch auf subtile Weise: der Veltliner kommt mit ordentlich Würze daher, die sich mit filigraner nie vordergründiger Frucht abwechselt. Im Mund wird es saftig und dicht, kraftvoll (bei minimalem Alkohol) und mineralisch, schnörkellos und druckvoll geht es in Richtung Gaumen, wo sich der Kreis schließt und die Würze zurückkehrt.

Grüner Veltliner Ried Schön 2011: Kräuternoten geben hier den Ton an, nasse steinige Noten gesellen sich dazu und gehrn am Gaumen in dezente Frucht über. Eleganz und Schlankheit imponieren, kein Hauch Fett klebt da am Wein und schon gar kein Botrytis. Die Säure ist glücklicherweise lebendig, der Körper saftig und animierend und das erste verlangt nach einem zweiten…. die Frucht ist glasklar, Bergbachgefühl, jung aber toll

Grüner Veltliner Viesslinger Stern 2011: hier offenbart sich die dunkle Seite des Grünen Veltliners. Dunkle Würze, dunkle Frucht, teifgründig und lang. Dabei bleibt sich Muthenthaler seiner Linie treu. Der Veltliner ist kristallklar, präzis wie ein Skalpell, mineralisch wie der Berg, in dem er wurzelt, kompakt und konzentriert. Ist jung Spitze und gereift dann vermutlich eine Klasse für sich.

Riesling Bruck 2011: wenn man die Bruck als eine der ganz großen Wachauer Lagen bezeichnet, sagt man zwar nichts Neues aber zumindest auch nichts Falsches. Ähnlich wie die Schön sind es Glimmerschiefer und Gneis, die für den Untergrund sorgen, doch anders als in der Schön ist er mit Sandstein durchzogen, in dem ausschließlich Rieslinge wurzeln. Kalte und warme Luftströmungen treffen hier aufeinander und sorgen für ein Zusammenspiel von hoher Zuckergradation und lebhafter Säure. Balancen sind es auch die diesen Wein dominieren. Zwischen Frucht und feinen Blüten, Vitalität und Tiefe, Mineralität und Steinobst – nebenbei ist der Riesling wie schon die Veltliner davon glasklar, präzis, kompakt und stringent. Und lang. Sehr lang.

Riesling Viesslinger Stern 2011: Der Wein ist auf dem Weg, das Ziel ist freilich noch nicht erreicht. Der Faktor Zeit wird hier noch eine entscheidende Rolle spielen. Fürs erste taucht man in dunkle Würze ein, in Blüten und Steinobst und das ist alles andere als unangenehm, auch die durchscheinende Kraft und die tragende Säure versprechen Großes, doch besteht der Wein zur Zeit noch aus Einzelteilen und nicht aus der Summe dieser Teile. Sobald das der Fall ist (1-2 Jahre) wird der Viesslinger Stern definitiv seinem Namen gerecht werden.