Zu BESUCH bei MATEJ SKERLJ

Im Verhältnis zur Rebfläche hat der friulanische Karst vermutlich die weltweit größte Dichte an brillanten Winzern: Paolo Vodopivec, Benjamino Zidarich, Sandi Skerk oder Edi Kante kennt jeder, der von Zeit zu Zeit mal Veltliner und Riesling ins Eck stellt und sich stattdessen über Vitovska und Malvasia hermacht. Matej Skerlj kennt nicht jeder aber das wird sich so sicher ändern wie der Mythos, dass man aus mazerierten Weinen weder Herkunft noch Rebsorte rausschmecken kann. Matej beispielsweise macht zwei erstklassige Weine, die ihre Zeit auf der Maische verbracht haben – von ihrer Herkunft erzählen sie freilich allemal, vom Kalk und von der Bora, von der Wildheit der Landschaft und den kargen Bedingungen über und unter den Erde.

Da wir erst am Abend bei Matej eintrafen, waren wir mehr unter der Erde, genauer in einem in den Stein gehauenen Keller, der den zwei Dutzend Holzfässern optimale Bedingungen liefert. Mehr als 14°C hat es mit Sicherheit auch im Hochsommer nicht und die Luftfeuchtigkeit ist so stabil, dass sie jeden Barometer reif für den Sperrmüll macht. Während wir also unter der Erde unseren Vitovska langsam zwischen den Fingern wärmten, erzählte Matej, was er so über der Erde treibt. Auf gerade mal zwei Hektar, die er von seinem Vater Just übernommen hat, betreibt er akribisch biologischen Weinbau.

Leicht ist das nicht unbedingt, doch gibt es um ihn herum genug andere, die es ebenfalls schaffen und mit denen herrscht ein reger Austausch. Die Terra rossa, die dünne Tonauflage über den nackten Fels  spielt dabei eine entscheidende Rolle versorgt sie doch die Reben mit ausreichend Nährstoffen und Wasser (bewässert wird nicht). Überhaupt fühlt sich Matej erstaunlich privilegiert: trotz der bisweilen unwirtlichen Bedingungen, sieht er gerade in ihnen eminente Vorteile. OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Bora beispielsweise, die teils heftig über den Karst fegt, entwurzelt zwar gelegentlich mal einen Rebstock, andererseits trocknet sie aber auch immer wieder die Stöcke nach den gelegentlichen Regenfällen. Die Bora ist auch der Grund, warum Matej und Just ihre Rebstöcke im Albarello erziehen, eine Niedrigstockerziehung, die auf niedrigen aber robusten Rebstöcken basiert. So auch seinen Vitovska, den er auf den Schalen vergärt und der doch an Eleganz und Frische mit jedem Weißwein mithalten kann; allerdings hat er durch die Zeit auf den Schalen ein feines Tanningerüst, dass ihm zusätzlich Komplexität und Textur mit auf den Weg gibt. Die Aromen sind vielfältig allerdings nie aufdringlich und ausladend, der Körper ist dicht und doch federleicht. Der Alkohol steigt so gut wie nie über 13%, kratzt eher an den 12 %. Und das obwohl er tendenziell spät liest und extrem niedrige Erträge einfährt. Man kann sich durchaus glücklich schätzen, an ein paar Flaschen seiner Weine ranzukommen, auf zwei Hektar gehen sich – je nach Jahrgang – oft nicht mehr als 3000 Flaschen aus. Dabei sollte man auch zwingend versuchen ein paar Flaschen seines Malvasia abzustauben, der genauso wie der Vitovska auf den Schalen und in Holzfässern vergoren wird.

Die Zeit im Holz ist eine Zeit der Ruhe. Es passiert, schlicht gesagt, nichts. Kein Pumpen, kein Eiweiß, kein Bentonit, nichts. Kurz vorm Füllen filtert er aber nur um keine Mücken im Wein zu haben, die Schwefelbeigaben sind minimal. Zu guter Letzt bekamen wir auch noch einen guten Schluck Terrano ab, der sich prinzipiell von der Vinifikation der Weißweine kaum unterscheidet. Obwohl rot und nicht orange, sein schwierigster Wein, die Säure fordert, der Gerbstoff ebenfalls und Geduld und eine Schüssel Jota, Karstsuppe, schaden mit Sicherheit nicht. Die gab es für uns zwar nicht – seine Osmizza hat über den Winter geschlossen – ab dem Frühjahr kann man sich bei den Skerljs nicht nur durch fantastische Weine trinken sondern sich dazu auch selbstgemachte Würste & Co. auf die Teller legen lassen.

Matej Skerlj: Vitovska