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Weingut Garlider - Christian Kerschbaumer (Südtirol) - NulldosageNulldosage
Groß und großartig: Christian Kerschbaumer hat eine beeindruckende Statur. Seine Weine können es allerdings locker mit ihr aufnehmen.
Sommer im Eisacktal. Es regnet. Die Temperaturen pendeln zwischen 10 und 12 °C und oben, in Feldthurns, ein paar hundert Meter über Klausen, ist es dann nochmal ein bisschen kälter. Christian Kerschbaumer scheint das egal zu sein, er stapft uns im T-Shirt entgegen und fragt uns gleichmal, ob wir Lust haben ihn in den Weingarten zu begleiten.
Zwischen ein paar Reihen Silvaner-Rebstöcken erfahren wir gleichmal Essentielles. Kerschbaumer ist Naturweinproduzent, nicht deklariert aber dezidiert, Bio aber kein Biodynamiker – er pickt sich einfach das Beste aus den verschiedenen Tendenzen und Bewegungen und verbindet sie mit seinen eigenen Ideen. Viel Platz um diese umzusetzen, hat er nicht. Vier Hektar, allesamt in Steillagen (aber gibt es im Eisacktal überhaupt horizontalen Weinbau?) bewirtschaftet, bestockt mit 5x Weiß: den ewigen Südtiroler Klassikern, Müller-Thurgau und Traminer, Pinot Grigio und Grüner Veltliner und seiner Hauptrebsorte Silvaner. Dazu 1x Rot, einem Blauburgunder, der zwar ein recht einsames Dasein im Eisacktal führt, das allerdings völlig zu Unrecht.
Kerschbaumers Lagen ziehen sich über den Horizont hinauf. Auf über 800 Meter stehen seine höchsten Rebstöcke, ganz oben Sylvaner gefolgt von Müller-Thurgau, der mit der Kühle ganz gut leben kann. Quarz-Phyllit gibt den geologischen Ton vor, die Erziehung ist seit langem ausnahmslos Guyot.
Die Nächte sind kühl, die Tage diesmal allerdings auch, doch war das in diesem Jahr keineswegs immer so. „Die Lese starten wir eigentlich so um den 20. September. Heuer allerdings hatten wir eine extrem frühe Blüte, der Frühling war ordentlich warm, also wird sich auch die Lese nach vorne verlagern“ – nicht zwingend begeistert davon, ihm sind lange Reifezeiten bis in den späteren Herbst durchaus recht, die Extraktausbeute wird dadurch höher, die Weine strukturierter. Und Arbeit hat er auch nicht mehr. Er regelt den Wuchs möglichst komplett durch den Rebschnitt, Grünlese gibt es kaum, und ab Juni mäht er auch nicht mehr, sodass sich der Weingarten durchaus als vitaler Mikrokosmos präsentiert.
Im Keller macht er auch nicht viel. Wenn möglich. Die Hefen arbeiten für ihn, er vergärt also spontan. Er kontrolliert die Temperatur – vor allem aber, um sie nicht zu kalt werden zu lassen. 19°C ist das Minimum – Klassische Kaltvergärnoten (Eiszuckerln) machen nicht nur uns unglücklich. Die ersten Weine, die auf den Markt kommen (Garlider verkauft übrigens hauptsächlich in Südtirol und im übrigen Italien) sind der Müller-Thurgau und der Pinot Grigio. Sie sind für das Jahr 2010 bereits abgefüllt, die anderen Weißen liegen noch auf der Feinhefe und finden dort Form, Struktur und Dichte. Der Blauburgunder schlägt sich die Zeit im gebrauchten Holzfass tot. Und das noch für ein-zwei Jahre. Die Preise sind im Übrigen, für das was die Weine zu bieten haben, fast schon zu moderat.
 
VERKOSTUNGSNOTIZEN
Müller-Thurgau 2010: die Freude bei M-T hält sich – wir gestehen – bei uns im allgemeinen in Grenzen. Garliders Basiswein überraschte also umso mehr: straff und schlank, jedoch nicht im geringsten dünn, im Gegenteil, druckvoll, mineralisch, elegant, voller Kräuter und frischem Apfel. Einfach aber perfekt ins seiner Einfachheit
Pinot Grigio 2010: nicht umsonst spricht Kerschbaumer von Pinot Gris. Lichtjahre entfernt von dem dünnen Zeug aus dem Süden bildet er vielmehr einen Südtiroler Brückenschlag ins Elsass. Würzige Noten kombinieren sich mit ein wenig Honig und einer leichten Rauchigkeit. Dicht, druckvoll, kräftig, lang.
Silvaner 2010 (Fassprobe – Akazienfass): Kräuter, Birne, Feuerstein, vielschichtig eben, elegant und präzis. Terroirspiegelung und das lang. Mineralisch und erdig, dabei stets begleitet von filigraner Frucht. Topp.
Grüner Veltliner 2010 (Fassprobe): die Südtiroler Antwort auf Österreichs Paradewein. Definitiv anders. Rauchig, herbal, verhalten, langsame Glasentwicklung, elegant und spielerisch, am Gaumen dezente Orangennoten, perfekte und präsente Säure. Nicht nur zu Schlutzer Klasse.
Gewürztraminer 2009: ein Klassiker in der Nase, ein Outsider am Gaumen: Rosen und Blüten, Dosenfrüchte und Orangenzesten usw., Traminer eben, von allem nicht zu wenig. Am Gaumen überraschend, originell und straff: elegant, mineralisch und filigran, Feuerstein, lang.
Silvaner 2007: Der Triumph des Vormittags. Reife Birnen, Honig und Blüten. Dicht und nussig. Ölig, geschmeidig und saftig und doch auch mit knackiger Säure. So schmeckt Garlider Silvaner, wenn man Geduld hat. Es lohnt sich, die aufzubringen.
Blauburgunder 2009: Erbeeren und Kirschen. Präzis, obwohl schon seit einer Woche offen (gesundes Traubenmaterial), Kräuter, Laub und Waldboden, lang, rauchig und ein wenig ledrig.