Carlo Venturini und seine Frau Alessandra haben zwar beide einen bäuerlichen Hintergrund, den sie allerdings verließen, um in der Stadt völlig andere Karrieren zu verfolgen. Vor einigen Jahren zogen sie wieder aufs Land, mit der Intention authentische und somit gleichzeitig oppositionelle Weine (das Valpolicella ist mit wenigen Ausnahmen Weinindustriegebiet) zu keltern. Der Berg, der Carlo angeboten wurde, der Monte dall’Ora – die Ora ist ein Wind, der vom Gardasee rüberbläst – war derartig verwildert, dass Carlo einige  Skrupel hatte, ihn überhaupt Alessandra zu zeigen. Es dauerte zwei Jahre, um die Weingärten und die Steinmauern wieder instandzusetzen.

Der Monte dall’Ora ist heute ein prachtvolles Amphitheater, das auf Kalk gebaut, die ganze Bandbreite der Rebsorten des Valpolicella beherbergt: Corvina und Molinara sowieso aber eben auch Corvinone, Rondinella, Osaletta, die sich auch immer im Kollektiv in der Flasche wiederfinden. Die Arbeit im Weingarten verläuft und nachhaltig (ist man erstmal gezwungen zwei Jahre lange aus einem Dschungel einen Weingarten zu machen, hat man, denke ich, wenig Lust, mit Chemikalien ihm gleichmal wieder den Garaus zu machen.)

Die Bewirtschaftung war von Anfang an biologisch, später biodynamisch. Ziel war es dabei zum einen die Weingarten in ein biodiverses Ambiente zu verwandeln, zum anderen dadurch auch den Stöcken ein gesundes Umfeld zu liefern: die sind oftmals Jahrzehnte alt und werden klassisch in der pergola veronese erzogen.

Die Arbeit im Keller ist minimalistisch. Die erste Geige spielt der Amarone Stropa (siehe unten) der, kurz und simpel gesagt, aus halb getrockneten Trauben gewonnen wird. Dazu verwendete man früher (die erste Erwähnung von Amarone stammt übrigens aus dem Jahr 1940, es ist also eine relativ neue Methode Wein zu produzieren) die luftigsten Plätze des Anwesens und so ist das auch bei Carlo und Alessandra. Danach wird gepresst und was dann passiert, ist relativ schwer zu verstehen, da aufgrund der immensen Zuckerkonzentration der Alkohol nach oben schnellt und selten vor 15% stoppt. Kein optimales Terrain für natürliche Hefen. Und doch gelingt es Carlo mit wilden Hefen durchzugären – Grund dafür ist ein Hefestamm, der nur in den Bergen des Valpolicella beheimatet ist und der in den Urzeiten des Amarone auch stets verwendet wurde. Heute greift man normalerweise auf Reinzuchthefen zurück und raubt damit dem Amarone aber auch dem Valpolicella elementare Geschmackskomponenten. Und die sind bei den beiden so breitgefächert, dass es zumindest Sinn macht, die wichtigsten aufzuzählen. Viel Pfeffer, viel Würze, viel Laub, viel Erde und auch ein wenig Frucht usw – das trifft vor allem auch auf die Valpolicella zu, die allesamt brillant sind, wobei der Camporenzo, eine Einzellage, alles toppt. Ausgebaut wird übrigens teils im Edelstahl und diversen Holzfaessern  (Valpolicella) sowie in 500 Liter Fässern (Amarone).

Valpolicella Camporenza: Der Camporenza ist eine Einzellage, die vor allem auf Kalk basiert. Darin wurzeln Corvina, Corvinone, Molinara, Rondinella und Osaletta und tragen allesamt zu einem Wein bei, der samtig, saftig und unaufgeregt über den Gaumen fließt. Abgesehen von einem entspannten Trinkfluss machen sich vor allem rote Früchte und eine feine Würze breit, die sukzessive auch Pfeffer und Laub in das Aromaprofil integrieren. Gereift ist der Camporenzo über ein Jahr im kleinen, gebrauchten Holzfass. Gefiltert und geschönt wird nicht, der Gesamtschwefel liegt bei ca. 40mg/l.

Amarone Stropa: Amarone verlangt einem Weintrinker im Allgemeinen einiges ab und vieles davon ist nicht wirklich erstrebenswert generic antabuse australia. Er kostet generell viel (was in gewisser Hinsicht verständlich ist, es steckt viel Arbeit dahinter und der Ertrag ist minimal), der Alkohol ist fast so hoch wie der Preis und die Aromen meist erschlagend. Amarone passt generell gut zu dicken Goldketten und noch dickeren SUVs – prinzipiell eine lukrative Nische. Man könnte ihn also getrost vergessen, gäbe es nicht so grossartige Gegenentwürfe wie den Stropa: der ist trotz mächtigen Alkohols lebendig und animierend und hat statt Zwetschkenkompott und Erdbeermarmelade, die ungekochte Fruchtversion im Aromatalon. Daneben klotzt der Gerbstoff, die Säure trägt und puffert und den Pfeffer spürt man vom Zahnfleisch bis zum Gaumensegel. Balsamische Noten und ein paar Waldaromen tun das Ihre. Definitiv eine komplexe Angelegenheit.

Basis sind übrigens in Kalk wurzelnde 60 Jahre alte Reben. Gepresst werden die angetrockneten Trauben im Februar nach der Lese, die Maischestandzeit beträgt 1 Monat, die Reifung im Fass 48, die Zeit in der Flasche weitere 12 Monate. Es braucht also ein bisschen bis der Wein in die Gläser kommt, doch lohnt sich jede Minute.