Lichtenberger & Gonzalez

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Seestraße 42
7091 Breitenbrunn
Tel:+43 (0) 664 3426861
E-Mail: office@lichtenbergergolzalez.at
www.lichtenbergergonzalez.at

Rebsorten: Neuburger, Grüner Veltliner, Weißburgunder, Muskat Ottonel, Blaufränkisch, Zweigelt
Rebfläche: 4,5 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: Humus
Pflanzenschutz: Pflanzenauszüge, Kupfer, Schwefel
Biologisch zertifiziert: nein
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: ja

Insgesamt 4,5 Hektar stehen Adriana Gonzalez und Martin Lichtenberger zur Verfügung, um aus ihnen Weine zu keltern, die dem burgenländischen Breitenbrunn den Spiegel vorhalten und ihre vinologischen (gibt’s das?) Vorstellungswelten von der Theorie in die Praxis umzusetzen. Einen kleinen aber feinen Teil macht dabei der Vorderberg aus, in dem bisweilen über 50-Jahre alte Stöcke das Fundament für einen der besten Blaufränker des Landes bilden. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen genauso im Gestein (Kalk/Schiefer), im Boden (Sandgranulat: oben karg/unten etwas tiefgründiger), der Neigung (oben steil/unten flach auslaufend), der Exposition (in die Sonne), dem Wind (beständig), den Trauben (oben kleiner/unten größer) vor allem aber in der Leidenschaft, Akribie und Philosophie der beiden Protagonisten begraben. Die Reihenfolge ist dabei ausnahmsweise nicht unbegründet: Leidenschaft spürt man in jedem Satz, den die beiden über ihre Methoden und Ideen erzählen.

Sie arbeiten nach biologischen Prinzipien, in die gelegentlich biodynamische Anleihen einfließen, ohne jedoch zertifiziert sein. Ob es auf Dauer Sinn macht, sich den Institutionen zu verweigern, wird man sehen; der ganz wesentliche Grund scheint dabei derjenige zu sein, dass man die ohnehin spärliche freie Zeit – beide arbeiten hauptberuflich als Kellermeister bei Birgit Braunstein (Adriana) und Gernot Heinrich (Martin) – lieber in den Weingärten als mit der stets anfallenden institutionellen Bürokratie verbringen will. Darüber kann man streiten, man kann es aber auch fürs erste einfach akzeptieren und verstehen.

Da wo im Frühling und Sommer Löwenzahn, Capsicum und Kamille stehen, wuchert es auch jetzt, wobei generell das wächst, was wachsen will. So ist das auch am Mitterberg, ihrem jüngsten Projekt, wo die beiden vor vier Jahren ebenfalls Blaufränkisch ausgepflanzt haben. Unterschiedliche Klone aus der Region (von Iby, Umathum und Triebaumer) sorgen für lokale Diversität. In Zukunft wollen sie eigene Klone aus dem Vorderberg ziehen und damit noch 2,5 ha brachliegende Flächen bestocken. Die insgesamt sieben Hektar haben sie übrigens von Martins heute 94-jährigem Opa übernommen, der im Nachkriegsösterreich von einer gemischten Landwirtschaft auf Weinbau umstellte und bis vor 10 Jahren auch noch selbst aktiv im Weingarten mitmischte. Der Fokus lag dabei immer auf Blaufränkisch und ein paar weißen Sorten, allen voran Neuburger, Grüner Veltliner und Weißburgunder, der im Edelgraben, Österreichs ultimativer Lage für diese Sorte wächst – die fällt zwar nur dezent ab, doch tun sich, laut Adriana auch hier eminente Unterschiede zwischen den einzelnen Abschnitten auf. Es ist vor allem der Schiefer unter den höher liegenden Rebstöcken, der den Weinen (es gibt auch eine alte Blaufränkisch-Anlage, die zum Leithaberg Rot beisteuert) eine rauchig-steinige Note auf den langen Weg in die Zukunft mitgibt.

Damit dieser Weg auch in den richtigen Bahnen verläuft, arbeitet man auch im Keller akribisch, wobei es hier vor allem um die Umsetzung diverser Ideen geht, von denen dann auch die Weine direkt Auskunft geben.

Eine feine Gerbstoffstruktur findet sich beispielsweise nicht nur im Muschelkalk (GV, Weißburgunder, Neuburger), sondern auch im Leithaberg (Neuburger: aromatisch, Kräuter, Kamille…) und hat ganz einfach damit zu tun, dass jeder Wein zumindest eine kurze Maischestandzeit mit auf den Weg bekommt. Allen Weinen gemein ist auch eine kompakte Straffheit, eine lebendige Struktur und eine erstaunliche Aromatiefe und Substanz – es wird durch die Bank spontan vergoren, in Holzfässern (gebraucht) auf Voll- und Feinhefe ausgebaut, relativ spät gefüllt, möglichst wenig geschwefelt und stets über Innovationen nachgedacht – und nach reiflicher Überlegung auch entsprechend experimentiert. Das zeitigt dann Weine, die man nie mehr missen möchte: wie gut auf den Schalen vergorener Traminer ist, weiß man dank Roland Tauss sensationeller Version in der Zwischenzeit, wie großartig sich Muskat Ottonel auf der Maische (mit Stengel, Kämmen und allem Drum und Dran) entwickelt, kann man dank Adriana und Martin jetzt ebenfalls nachvollziehen. Der eher mühsame 4711-Duft, der der Sorte oberflächlich innezuwohnen scheint, ist einer Mischung aus Marzipan, Blüten und Laub gewichen (und wer weiß, was sich mit etwas mehr Zeit im Glas noch finden würde) – zudem haben sie die ganze Substanz der Sorte ausgelotet, der sie Kraft, Tiefe und Leben(digkeit) einhauchen.

Die Rotweine starten ebenfalls mit einer Version vom Muschelkalk, in dem, neben dem omnipräsenten Blaufränkisch auch 40% Zweigelt ihren Part übernehmen. Leicht, lebendig, harmonisch und vital kratzt er an der Idealvorstellung eines Einstiegsweins. So kann man problemlos eine Flasche davon trinken, gleichzeitig aber auch darüber nachdenken (wenn man will) und reden (wenn es denn sein muss). Die Herangehensweise unterscheidet sich kaum von denen der Weißweine. Die Mazerationszeit ist naturgemäß länger, beim Leithaberg beispielsweise 3-4 Wochen. Was da zusätzlich aus den Beeren gelaugt wird, lohnt sich freilich allemal. Die Gerbstoffe sind präsent, die Säure ebenfalls, sodass das Gerüst für die Vielzahl an Aromen straff und lebendig aber eben auch kompakt und profund ist.

Der Blaufränkisch vom Vorderberg bildet den Abschluss einer ziemlich fulminanten Palette an Weinen und positioniert man ihn im Olymp österreichischer Blaufränker, macht man sicher keinen Fehler – Kühle trifft auch hier auf Konzentration, Lebendigkeit auf Kraft, Trinkspaß auf immenses Potenzial.

Weine

Muschelkalk weiß
Leithaberg (Neuburger)
Muskat Ottonel
Muschelkalk rot (BF/ZW)
Leithaberg Rot (BF)
Blaufränkisch Vorderberg