Michael Wenzel

WENZEL_RUST1_-®PRILLER
Michael Wenzel © Foto: Sonja Priller

Hauptstraße 29
A-7071 Rust
office@michaelwenzel.at
www.michaelwenzel.at

COLD FACTS

Rebsorten: Furmint, Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller, Chardonnay, Grauburgunder, Pinot Noir, Blaufränkisch
Rebfläche: 9 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: –
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch: ja, nicht zertifiziert
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Ein entscheidender kultureller Aspekt im Weinbau kommt der Pflege und Wahrung lokaler und marginalisierter Rebsorten zu. In einer Zeit als man in Österreich vor allem in Richtung Westen schaute und den hiesigen Rebsortenspiegel um internationale Sorten erweiterte, schaute Robert Wenzel von Rust aus über den Eisernen Vorhang nach Ungarn und in die ampelographische Vergangenheit des Burgenlands. Statt Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah brachte er 1984 Furmintedelreiser mit nach Hause und setzte sie in die Ruster Weinberge (genauer in die Riede Vogelsang). Das führte zwar zu keiner Revolution, doch legte er immerhin das zarte Fundament für eine kleine Renaissance (10 ha insgesamt, die Wenzels bewirtschaften davon 2 ha), die von seinem Sohn Michael konsequent fortgesetzt wird.

15 Jahre lang brach Michael immer wieder ins Tokaji auf, um mit den dortigen Winzern über die Spezifika der Sorte und ihre Bedeutung für das Burgenland zu sprechen. Er suchte nach dem Ruster Urtypus der Sorte und wurde letztlich auch fündig. Die akribische Recherche und die dabei gewonnenen Freundschaften mit Tokajer Winzern führten letztlich dazu, dass Michael vor ein paar Jahren quasi eine Urversion des Furmints in einen seiner Weingärten setzen konnte, die bezeichnenderweise den Namen Eden trägt. Das genetische Material der dort  gepflanzten Furmintstöcke ist zwar nicht so alt wie die Bibel, reicht  aber immer auch 150 Jahre zurück.

Michael näherte sich der Rebsorte freilich nicht nur auf kultureller und historischer Ebene, sondern allen voran auf vitikultureller und önologischer Ebene. So pflanze er die Reben in einer in Österreich kaum bekannten Dichte aus (bis zu 10000 Reben am Hektar) und erzog sie in manchen Weingärten nicht am Draht sondern in Stockkultur. Furmint will Licht und die bekommt er auf diese Weise – zudem zieht der Wind bestens durch die Hänge und hält die Trauben frisch und gesund. Jeder Stock wurde dabei händisch und sternförmig in die Erde gelegt, eine Knochenarbeit, die den Wurzeln allerdings den nötigen Raum zur Entfaltung bietet. Andere Aspekte, die den Furmint zur prädestinierten Sorte des südlichen Neusiedlersees machen, sind seine späte Reife und die damit verbundenen oft erstaunlich niedrigen pH-Werte oder aber die Entwicklung diverser Säuren (Bernsteinsäure & Zitronensäure), die am Gaumen zusätzlich Dampf machen.

Furmint gibt es dann auch gleich in fünf verschiedenen Varianten, wobei das ganze Potenzial der Sorte schon die Version von der Vogelsang  auslotet. Dass Furmint naheliegenderweise jahrgangsspezifische Unterschiede verdeutlicht liegt in der Natur der Sorte wie auch im Interesse des Winzers und folglich gibt sich der 2012 etwas weicher, wärmer und runder, wobei man weit davon entfernt ist, in barocken Dimensionen zu denken. Richtig spektakulär geht es dann freilich bei seiner maischevergorenen Version und vor allem bei seinem Furmintmonument „Garten Eden“ zu, wobei der paradiesische Verweis ganz einfach durch die historische Namensgebung der Lage erklärt ist.

Voraussetzung für die detaillierte Wiedergabe des gesamten Furmintpotenzials ist eine akribische und nachhaltige Bewirtschaftung der Weingärten. Die Wenzelschen Rieden werden biologisch-organisch bearbeitet (noch nicht zertifiziert), was prinzipiell nie ein Nachteil ist, doch kann man natürlich auch ein paar Schritte weiter gehen. Michael setzt statt auf Maschinen lieber auf die Wertschöpfung manueller Arbeit und ringt lieber auf natürliche Weise mit der Natur als sie zu bewässern. Ein dezent lehmiger Untergrund in den meisten Lagen hilft dabei, wobei die geologischen Unterschiede innerhalb der einzelnen Rieden viel größer sind als man bei der sanft hügeligen Topographie der Ruster Berge vermuten möchte.

Exemplarisch dafür stehen zwei Pinot Noirs, die in ihren Eigenheiten zu den großen Beispielen des Burgenlands gehören und die doch zeigen, was für eine eminente Bedeutung dem Boden zukommt. Tendiert der Pinot Rusterberge dazu seine Glimmerschiefer und Gneisböden in eine dunkle  und würzige (burgenländische) Aromarichtung zu übersetzen, spricht der kalkbasierte und großartige Pinot Noir vom Kleinen Wald eine filigrane, rotbeerige und fundamental burgundische Sprache. 300 Meter liegen zwischen den beiden Lagen, die identisch vinifiziert (spontan vergoren, in meist gebrauchten Holzfässern ausgebaut, ungeschönt, ungefiltert und einmal spät geschwefelt – so ergeht es quasi alle seinen Weine) verdeutlichen wie unterschiedlich Terroir manifest werden kann.

Abgesehen davon, dass Michael auch Süßweine und Blaufränkisch in exzellenten Qualitäten keltert, lohnt es sich auch kurz zu erwähnen, dass er ständiger Entwicklung und Experimenten den Vorzug vor kalkulierbaren Konzepten gibt. Was dazu geführt hat, dass sich auch drei maischevergorene Weine (Grauburgunder, Sauvignon Blanc und Furmint) in seinem Keller befinden  und die allesamt darauf verweisen wie spannend es werden kann, wenn jemand die ausgetrampelten Pfade klassischer Vinifikation verlässt.

WEINE

Furmint
Gelber Muskateller
Furmint Vogelsang
Furmint Garten Eden
Furmint Raw-Natural
Sauvignon Blanc Raw-Natural
Pinot Gris Raw-Natural
Pinot Noir Rusterberge
Pinot Noir Kleiner Wald
Blaufränkisch Bandkräftn
Blaufränkisch Oberer Wald