Weingut Birgit Braunstein

Birgit Braunstein

Hauptgasse 18
A-7083 Purbach am Neusiedler See
Tel: +43 2683 5913 – Fax: 591322
birgit@braunstein.at
www.braunstein.at

Zu Besuch bei Birgit Braunstein

Rebsorten: Weißburgunder, Chardonnay; Zweigelt, Blaufränkisch, Pinot Noir, Cabernet Sauvignon
Rebfläche: 22 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biologisch ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Das Gebiet um das Leithagebirge im Westen des Neusiedlersees ist seit einigen Jahren einer der Epizentren der österreichischen Weinszene. Mittendrinnen und zwar in Purbach hat Birgit Braunstein ihre Weingärten, insgesamt 22 Hektar, die sich vom Dorf (Chardonnay, WB) über 200 Höhenmeter hinaufziehen. Das man dabei fast zwangsläufig ans Burgund erinnert wird, hat mehrere Gründe. Zum einen ist es ebenso ein quasi dreistufiges Gelände, zum anderen baut sich rund um Purbach alles auf Kalk auf – wie im Burgund. Pinot Noir hat Birgit übrigens auch und einen Chardonnay, der sich nicht wirklich hinter den Edelgewächsen der Burgund verstecken muss.

Dominiert sind die Braunsteinschen Leithaberglagen allerdings von Blaufränkisch, von dem es gleich fünf verschiedene gibt, was bei insgesamt 67 Weinbergsparzellen (dem napoleonischen Erbgesetz sei Dank – dasselbe Schicksal teilt übrigens auch hier das Burgund) nicht verwundert. Erstaunlich sind freilich die Unterschiede, die sich auftun, wobei das allerdings zum Teil auch den verschiedenartigen Ausbauarten geschuldet ist (dazu später). Mineralisch sind sie freilich alle und es ist keineswegs arrogant gemeint, wenn Birgit Braunstein konstatiert, dass man schon vieles verkehrt machen muss, um am Purbacher Leithaberg keinen kalkigen Unterton in den Wein zu bekommen. Bis zu 20 Meter tief sind die Kalkschichten und da kann man sich dann auch im Burgund durch geologische Verzeichnisse lesen, bis man auf derartige tiefe Schichten stößt. Geschuldet ist das alles einem urzeitlichen Meer, das den Leithaberg einst bedeckte und dessen Hinterlassenschaft neben dem Kalk auch in einer Unzahl an fossilen Ablagerungen in den Weingärten aufzusammeln sind.

So einheitlich der geologische Aspekt sein mag (wobei Kalk nicht gleich Kalk ist, auch nicht am Leithaberg), so unterschiedlich sind die diversen Mikroklimata. Während oben am Leithaberg stets der Wind bläst, hat man es unten im Tal immer wieder mit Hitze- oder Kältestaus zu tun, wobei speziell letztere im Idealfall (der weniger ideale Fall ist der, dass sie der Frost frisst) den unten wurzelnden Weißweinen einen feinen Säurekick mitgibt. Die Bewirtschaftung der Rebflächen ist durchwegs biologisch, wobei biodynamische Aspekte langsam und sukzessive mit in die Weingartenarbeit einfließen und alternative und experimentelle Methoden den Ansatz erweitern (dabei herrscht ein reger Austausch mit befreundeten Winzern). Hauptziel ist ganz einfach die Vitalität des Rebstocks zu fördern und ihm ein heterogenes Umfeld zu bieten.

Im Keller (eine fantastische alte Scheune) wird spontan vergoren, wobei die Rotweine durchwegs in großen und gebrauchten kleinen Fässern landen, die Weißweine im Stahltank vergoren werden, wobei der Leithaberg Chardonnay dann auch noch den Weg ins 500 Liter Fass findet. Die Interventionen haben im Laufe der letzten Jahre stets abgenommen, wobei bei zwei Weinen überhaupt keine chemischen Eingriffe mehr vorgenommen werden. Dabei hat man es mit zwei Amphorenweinen zu tun, einem Chardonnay und einem Blaufränkisch, die nicht einmal gepumpt werden – Befüllung und Entleerung der Amphoren findet mit Eimern statt. Beeindruckend sind aber nicht nur die minimalistischen Methoden, beeindruckend sind vor allem die enorm hohen Qualitäten der diversen Lagenweine, die, wenn auch unterschiedlich gewichtet, perfekt balanciert, elegant, mineralisch, lebendig und bekömmlich daherkommen.