Weingut Heinrich

Gernot Heinrich3

Baumgarten 60
7122 Gols
Tel: 0043 2173/3176
www.heinrich.at
buero@heinrich.at

Rebsorten: Neuburger, Grauburgunder, Weißburgunder, Roter Traminer; Zweigelt, St. Laurent, Blaufränkisch, Merlot
Rebfläche: ca.100 Hektar
Manuelle Lese: ja
Dünger: ja
Pflanzenschutz: Kupfer und Schwefel
Biodynamisch: ja
Direktverkauf: ja
Wohnmöglichkeit: nein

Aufbrüche und Umbrüche sind Konstanten in Gernot Heinrichs Biographie. Vor knapp 30 Jahren startete er mit diversen Rotweinprojekten durch, etablierte in einer Region, in der Riedennamen lediglich unter Einheimischen bekannt waren, heute allseits bekannte Einzellagenabfüllungen (Gabarinza, Salzberg), gründete in den Mitneunzigern gemeinsam mit acht Freunden Pannobile und wiederum 10 Jahre später Respekt. Stillstand, soviel ist sicher, ist kein besonders populäres Wort im Hause Heinrich.

Die letzte Dekade gehörte neben der konsequenten Hinwendung zum biodynamischen Weinbau vor allem auch seinen Projekten am Leithaberg. Die Rekultivierung des Alten Bergs zählt dabei sicher zu den größeren Kapiteln in den Annalen der jüngeren österreichischen Weinbaugeschichte. 2007 begann Gernot damit, erste Parzellen des immensen Kalksockels neu zu bestocken oder zu regenerieren. 70% der Rebflächen lagen damals brach. Zwar waren sich die Weinbauer der Umgebung einig, dass den Reben am Alten Berg potenziell phänomenale Qualitäten innewohnten, allerdings wollte kaum jemand von ihnen etwas mit der Lage zu tun haben. Zu steil war es dort und zu schwierig zu bewirtschaften. Steine und Felsbrocken sind tatsächlich omnipräsent, die Humusauflage ist karg. Umso wichtiger war es das Bodenleben aktiv zu gestalten und neben unzähligen Reihen Blaufränkisch auch Bäume und Sträucher zu pflanzen (oder vorhandene stehenzulassen.) Der Alte Berg wurde somit zum einen zu einem doppelten Experiment. Zum einen galt es, die potenziellen Qualitäten bis ins Detail auszuloten (ein Projekt das, so gut die Weine auch schon sein mögen, noch längst nicht abgeschlossen ist – vor allem dort, wo junge Rebstöcke gerade erst beginnen, erste Trauben zu tragen) zum anderen konnte man auf seinen Hängen die biodynamische Wirtschaftsweise von Anfang an praktizieren. Blaufränkisch gibt dabei ganz klar den Ton, doch finden sich dazwischen auch immer wieder Parzellen mit weißen Sorten, Chardonnay, Weißburgunder und auch ein wenig Veltliner.

Jenseits des Alten Bergs laufen noch ein paar weitere spannende Projekte auf der linken Uferseite des Neusiedlersees. Im Edelgraben beispielsweise, wo es zwar ähnlich kühl und windig ist wie am Alten Berg, Kalk jedoch Schiefer weicht. Einzeln wurde hier bisher noch nichts gefüllt, doch was noch nicht ist, wird mit Sicherheit.

Auf der anderen Seite des Sees steht das Weingut und darum herum steigen ganz im Gegensatz zum Leithaberg die Lagen sanft in Richtung Parndorfer Platte an. Die Böden basieren vorwiegend auf Ton, Schluff, Kalk, Sand und Schotter, das Klima ist generell wärmer und der Rebsortenspiegel folglich auch ein anderer. Zweigelt & Merlot geben hier die Protagonisten und sorgen für eine wuchtigere und kraftvollere und damit völlig andere Stilistik als 10 Kilometer Luftlinie entfernt. Möchte man der eminenten Bedeutung von Terroir auf die Spur kommen, sollte man sich einfach durch Gernot Heinrichs Sortiment trinken. Die Weine sind allesamt ähnlich vinifiziert und zeigen doch wie entscheidend die Essenz des Ortes sein kann. Vergleicht man beispielsweise den Salzberg und den Blaufränkisch vom Alten Berg, seine beiden Topweine vom linken und rechten Ufer, findet man trotz ähnlicher Herangehensweise zwei elementar unterschiedliche Weine im Glas – und das liegt beim besten Willen nicht nur an der Rebsorte. Einer straffen, filigranen, lebendigen Struktur mit kühl-fruchtigen, salzigen und bisweilen steinigen Aromen (BF Alter Berg) steht ein dichter, stoffiger, fleischiger und tiefdunkler Wein gegenüber, der reife Frucht mit kräftiger Würze kombiniert. Man kann sich all die anderen Weine der beiden Seiten vorknöpfen, die Grundstruktur bleibt überall die gleiche. Die Gegensätze der beiden Ufer synthetisiert der Pannobile, der Parzellen von beiden Seiten des Sees entstammt und gotische Stringenz mit barocken Aromen kombiniert.

Spannend sind auch die Experimente, die sich zunehmend häufen. Dabei sind es vor allem weiße Sorten, die Neuinterpretationen erfahren und denen am Etikett die Maxime Freyheit mitgegeben wird. Freyheit ist dabei im doppelten Sinne zu verstehen: zum einen dreht es sich um die Freiheit des Winzers kompromisslos seine individuelle Handschrift zu hinterlassen (Mazeration/Maischgärung, kein oder nur minimaler Schwefel, kein Filtern), zum anderen um die Freiheit des Weins sich – trotz/oder gerade wegen einiger bewusster Winzerentscheidungen frei entwickeln zu dürfen. Dass Gernot dafür Rebsorten gewählt hat, die sich zunehmend marginalisiert an der Peripherie des österreichischen Sortenspiegels befinden, mag zum einen ihrer einstigen Bedeutung rund um den See geschuldet sein; zum anderen ist es aber auch ganz sicher ein Verweis darauf, welches Potenzial sich in den Sorten befindet und worin deren Stärken liegen könnten. Gernot Heinrichs Weg ist zwar längst vorgezeichnet, dank ständig neuer Ideen und Projekte ist allerdings stets mit Überraschungen zu rechnen.

Das Weingut Heinrich ist biodynamisch zertifiziert (Respekt)

WEINE (Auswahl)

Weißburgunder Salzberg
Chardonnay
Neuburger Freyheit
Grauburgunder Freyheit
Roter Traminer Freyheit
Blaufränkisch
St. Laurent
Pannobile
Pinot Noir
Pannobile
Blaufränkisch Leithaberg
Blaufränkisch Alter Berg
Gabarinza
Salzberg