Jörg Bretz 

Jörg Bretz drei

Vohburgerstr. 38
A-2465 Höflein
Tel.: 0043(0)664 203 29 23
e-mail: wein@bretzjoerg.com
www.bretzjoerg.com

Rebsorten: Grüner Veltliner, Chardonnay, Weißburgunder, Blaufränkisch, Pinot Noir
Rebfläche:  Hektar
Manuelle Lese:
ja
Dünger:
ja
Pflanzenschutz:
Kupfer und Schwefel
Biologisch
Direktverkauf:
ja
Wohnmöglichkeit:
nein

Jörg Bretz ist definitiv eine Ausnahmeerscheinung innerhalb der österreichischen Weinszene. Das liegt nicht wirklich daran, dass er als Deutscher in Österreich arbeitet sondern hat seinen Grund vor allem darin, dass er sich den gängigen Herangehensweisen der Weinbereitung und Präsentation total verweigert. Jörg findet man bei keiner Rotweingala, keiner Jungweinpräsentation (seine jüngsten Weine sind mindestens drei Jahre alt und das ist für seine Verhältnisse wirklich jung) und auch bei keiner Messe – die einzige Veranstaltung, die Jörg Bretz meines Wissens regelmäßig besucht, ist die ViniVeri in Cerea (Veneto-Italien), wo sich stets Trauben um seine Weine bilden. Völlig zu Recht übrigens.

Unterhält man sich mit Jörg Bretz stößt man auf eine Weinphilosophie, die man getrost als individuell bezeichnen kann. Und auch wenn es natürlich stimmt, dass die elementare Basis für seine Qualitäten im Weingarten gelegt wird, ist es doch die Vinifikation und der Ausbau seiner Weine, die ihn dezidiert von anderen Winzern unterscheidet. Jörg setzt dabei ganz gezielt auf autochthone Sorten. In seinen Fässern reifen Veltliner, Chardonnay und Weißburgunder, die von Blaufränkisch und Blauburgunder ergänzt werden. Manche davon – und es macht schon Sinn mit den absoluten Extremen zu beginnen – wie beispielsweise seine Blaufränkisch Reserve liegt dort über 10 Jahre (erst in großen dann in kleinen, dann wiederum in großen Fässern, danach noch für einige Zeit in der Flasche) und selbst dann ist es ihm kein dringendes Bedürfnis, den Markt schlagartig damit zu überschwemmen. Andere Weine wie der Grüne Veltliner vom Buschberg verbringen vier Jahre im Fass, um danach noch zumindest ein Jahr lang in der Flasche ihr perfektes Gleichgewicht zu finden. Die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen und besucht man Jörg Bretz in Höflein im Carnuntum, taucht immer wieder eine neue Flasche, ein neues Experiment, ein neuer Jahrgang aus dem Verkostungskühlschrank auf.

Dass Jörg wenig mit Jungweintrinkern und –winzern am Hut hat, liegt irgendwie auf der Hand. Seiner Ansicht nach braucht Wein, nimmt man ihn denn als Kulturgut wahr und ernst, Zeit. Erst durch das langsame Ticken der Uhr findet Wein seine ideale Balance – wobei es ihm dabei absolut nicht darum geht, extravagante Weine zu erzeugen, im Gegenteil: er pflegt eher den mediterranen Ansatz. Dort ist Wein ein kontinuierlicher Begleiter durch das Leben, ein Alltagsgetränk und als solches möchte auch er seine Interpretationen verstanden wissen.

Die Trauben für seine Weine stammen seit 2005 aus eigenen Weingärten, die sich von Höflein bis hinunter in das Burgenland ziehen. Grundsätzliche Devise seiner Weingartenarbeit ist es dabei, der Natur so viel Raum wie möglich einzuräumen, in Ruhe zu beobachten und sukzessive aus dem Gesehenen zu lernen. Klingt simpel, ist es nicht. Wenige Winzer gönnen sich die Zeit auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Weingartens oder Rebstock einzugehen und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Die Weine danken es ihm und sprechen, wie könnte es anders sein, eine ganz eigene Sprache. Wobei selbst den bisweilen über 10 Jahre alten Tropfen eine erstaunliche Jugendlichkeit und Kraft innewohnt, die allerdings von Aromen getragen werden, die man nicht jeden Tag in seinem Glas findet. Nimmt man beispielsweise seinen Blaufränkisch 2002 als Referenz findet man darin dunkle Fruchtaromen, Kräuter, Pilze, Erde, Schokolade und noch ein bisschen mehr. Kurz: man sollte sich auf ein olfaktorisches Erlebnis der etwas anderen Art gefasst machen. Ähnliches gilt übrigens für den Gaumen: die Weine sind trotz ihrer bescheidenen Alkoholgradationen dicht gewoben, saftig und vital.

ps: wer Experimenten gegenüber nicht auf Kriegsfuß steht, ist bei Jörg Bretz bestens aufgehoben. So findet sich in seinem Sortiment beispielsweise ein Rosé, der erst nach fünf Jahren auf den Markt kommt und den selbst geeichte Verkoster ganz leicht mit einem filigranen Pinot Noir verwechseln können (und verwechselt haben). Zudem ist er auf der Suche nach einem völlig neutralen Ausbau einem Steinmetz über den Weg gelaufen, der ihm eine Art Steinbottich (mit Aufsatz) aus einem Stück Granit gehauen hat. Auf das Resultat muss man, versteht sich, noch etwas warten.

Weine

Weißburgunder
Grüner Veltliner Buschberg
Schillerberg Rosé
Rosé Sekt
Blauburgunder
Blaufränkisch
Blaufränkisch Reserve

Veranstaltungen

um Jörg Bretz Weine zu probieren, muss man Wege auf sich nehmen. Entweder man besucht ihn in Höflein oder man fährt Anfang April nach Italien, wenn in Cerea die ViniVeri ihre Pforten geöffnet hat – das ist die einzige offizielle Veranstaltung, an der er teilnimmt.

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WEISSBURGUNDER 2000 UNGESCHWEFELT

Jörg Bretz Weißburgunder 2000 ungeschwefelt & 2007

Getrunken im September 2015. Hat also ein bisschen gedauert, die Eindrücke in den Computer zu klopfen. Aber zum einen gibt es davon in regulärem Fachhandel ohnehin nichts zu kaufen (keine Ahnung, wo man Jörgs Weine überhaupt kaufen kann) und zweitens definiert sich Zeit bei Jörg & seinen Weinen überhaupt anders.

Jörg ist ein Apologet der Langsamkeit. Die dabei gewonnene Zeit nutzt er bisweilen, um in Stein gemeißelte önologische Wahrheiten zu hinterfragen und wenn nötig zu demontieren. Das passiert auch nicht zwingend von einem Tag auf den anderen und manchmal lässt er auch 15 Jahre vergehen, um festgefahrene Dogmen nicht nur zu unterminieren sondern gleich wegzusprengen.

So geschehen eben in besagtem September. Eingeschenkt wurde eine reichlich goldene Flüssigkeit, was prinzipiell schon mal ganz spannend ist, richtig interessant wurde es allerdings als wir (drei Winzer, ein Händler & ich) die Nase reinhängten und so gewichtige Dinge wie lebendig, jung, sauber… ja schon, sauber, lebendig, saftig, frisch… hefig, Kräuter, offen… immer offener… kühl… schöne Spannung, macht ordentlich Dampf… krieg ich noch was, und was ist das… uswusw… von uns gaben. Jörg meinte kryptisch, dass es ein Wein wäre, den es eigentlich nicht geben dürfte, was unsere Aufgabe, draufzukommen, was wir da im Glas hatten, nicht zwingend erleichterte. Er lüftete letztlich selbst das Geheimnis und erklärte, dass wir es mit einem ungeschwefelten Weißburgunder aus dem Jahr 2000 zu tun hätten, der die Zeichen der Zeit so unbeschadet weggesteckt hatte wie Muhammed Ali die Schläge von George Foreman im Rumble in the Jungle (). So viel zu der Behauptung, dass ungeschwefelter Wein nicht reifen kann.

Da Experimente dann am spannendsten sind, wenn man sie vergleichen kann, öffnete er auch eine geschwefelte Version aus dem gleichen Jahr, die weniger animierend und auch nicht so offen und lebendig wirkte.

Neben einer ganzen Menge außergewöhnlicher Rotweine (davon eventuell ein andermal) gab es auch noch einen jungen Weißburgunder aus dem Jahr 2007, der sicher zu den besten Weißweinen zählt, die ich in diesem Jahr getrunken haben. Die Textur war cremig, samtig, geschmeidig und konzentriert, sodass man versucht war, den Wein einfach im Mund zu behalten, was irgendwann allerdings mühsam wurde – vor allem, wenn man versuchte sich darüber zu unterhalten. Andererseits vermittelte die darin eingebettete Säure auch einen ein eminenter Trinkfluss und verlangte nach mehr. Die Aromen waren nicht so wichtig und basierte vor allem auf Nüssen, reifen gelben Früchten, Honig und Kräutern. Ein toller Wein, der sicher auch gereift ein Ereignis darstellen wird.